Indien - der fast den gesamten indischen Subkontinent umfassende Vielvölkerstaat. Was hatten wir nicht schon alles über die vielfältige, teilweise auf jahrtausendealte Traditionen zurückblickende Kultur Indiens gehört. War und ist Indien Treffpunkt verschiedenster Völker, Religionen und Kulturen, die sich in vielen Bereichen gegenseitig beeinflusst haben, trotzdem aber ihre Eigenständigkeit bewahrt haben. Ein Land, das mit seinen über 1.300.000.000 Einwohnern an zweiter Stelle der bevölkerungsreichsten Länder dieser Erde steht, der bevölkerungsreichste demokratische Staat der Erde.

Uns war bei unseren Planungen klar, ein so großes Land kann man nicht während eines Urlaubes entdecken. Irgendwo mussten wir anfangen. Wir entschlossen und für den Süden. Die Bundesstaaten hier sollen zu denen mit der besten Ausbildung gehören, die Natur soll wunderschön sein, die Tempel sich in einigen Gegenden fast zu Tempelstädten auswachsen. So planten wir ab Cochin (oder auch Kochi) ein Auto zu mieten und die südlichen Bundesländer zu erkunden.

Eine Reise durch den Süden führt durch viele Welten und man wird mit all den Gegensätzlichkeiten des Subkontinents konfrontiert. Wo genau eigentlich Südindien anfängt, keiner kann es genau sagen. Im Zentrum des Subkontinents erstreckt sich die Dekkan-Hochebene, einen breiten Korridor markierend. Hier stoßen die Kulturen des Nordens und des Südens aufeinander. Das Herz Südindiens bilden aber die Staaten Kerala, Karnataka, Tamil Nadu und Andhra Pradesh. Die Türme der Tempel sehen hier anders aus, als die der Tempel im Norden. Dampfender Reis in verschiedenen Sorten ersetzt die knusprigen Brotfladen des Nordens, jede Menge Chili, Tamarinde und Kokosnuss würzen das Essen. Mahlzeiten werden auf einem Bananenblatt serviert. Viele bezeichnen den Süden als den ursprünglichen Teil Indiens. Religiöse Glaubenvorstellungen und Traditionen sollen unverfälschter sein als im Norden. Kerala an der Südwestküste soll eine wahre Schatztruhe lokaler Traditionen sein. Tanzformen wie der Kathakali oder die altehrwürdige Heilkunst des Ayurveda zeugen davon. Die Küsten waren das Ziel von Händlern, Seefahrern und Eroberern. Man erinnere sich an die Holländer, Portugiesen, Franzosen und nicht zu vergessen die Briten - multikulturelle Gesellschaften entstanden.

Offenheit für Neues bei Bewahrung kultureller Traditionen - zwischen diesen Polen bewegt sich der Süden. Geht man durch die Städte, sieht man modern gekleidete Manager, neben einen in Safrangelb gehüllten Asketen, während Ochsenkarren und streunendes Vieh sich unter japanische Kleinwagen mischen.
Dieses Mal hatten wir absolut keine Zeit für großartige Reisevorbereitungen. Daher haben wir uns, voller bedenken, an einen Reiseveranstalter gewandt. Nach einigen E-Mails wurden wir uns einig. Indian-Flavours hat die Organisation übernommen, wir konnten trotzdem unseren Urlaub individuell gestalten. Ein passenden Flug via Emirates hatten wir schnell selbst gebucht. So war nach Ankunft in Kochi - oder auch Cochin - der Fahrer schon organisiert und alles wesentliche gebucht. Gerne nehmen wir vorweg, die Planung war genial, die Hotels einfach großartig. Wir können Indian-Flavours nur empfehlen.

Kochi (Cochin)

Kochi, als einer der Touristenziele Südindiens überhaupt, war also unser erstes Ziel und schien uns als Ausgangspunkt auch ideal. Die Stadt erstreckt sich über Inseln und Landzungen zwischen dem Arabischen Meer und den Backwaters. Die alten Stadtteile Mattancherry und Fort Cochin liegen auf einer Halbinsel im Westen, verbunden durch zahlreiche Brücken und Fähren.

Nach einer Überschwemmung, Anfang des 13. Jahrhunderts, verschob sich die Mündung des Periyar und ein sicherer Naturhafen wurde geschaffen. Muziris, bis dahin Haupthafen dieser Gegend wurde verdrängt. Immer mehr arabische, christliche und jüdische Siedler zog es hierher. 1405 verlegte dann auch die königliche Familie ihren Hof von Muziris hierher. Im 16. Jahrhundert kamen dann die Portugiesen, gefolgt von den Holländern und den Briten. Alle versuchten die Kontrolle über dieses Gebiet, speziell den Hafen und den lukrativen Gewürzhandel zu erlangen. Die Briten gewannen schließlich und bauten den Hafen aus, so dass dieser für die Ozeanriesen der damaligen Zeit schiffbar wurde.

 

 

Trotz der vielen Touristen bildet traditioneller Handel die Einnahmequelle der Stadt. Mit Säcken beladene Handkarren werden zwischen den godowns (Lagerhäuser) hin- und hergeschoben. Überall gibt es kleine Geschäfte, in denen Tee, Jute, Gummi, Chili, Cashewnüsse, Ingwer, Kardamom und Pfeffer verkauft werden. Die Geschichte der Stadt ist gerade in den alten Stadtteilen an jeder Ecke spürbar. Die pastellfarbenen Häuser mit ihren Ziegeldächern, ein Anblick der sich im Laufe der Jahrhunderte nicht änderte, oder nur in sehr geringem Umfang.

Am Abend unserer Ankunft haben wir auch Kultur genossen. Wir gingen zu einer Tanzveranstaltung in der den Touristen der Kathakali näher gebracht werden sollte. Bei diesem Tanz geht es viel um Symbolik. Aber, wir gestehen es, scheinbar sind wir Kulturbanausen, bei uns ist der Tanz nicht angekommen. Vielmehr verbrachten wir fast die gesamte Veranstaltung im tiefen Schlummer. Die Darsteller mögen uns verzeihen!

Spaziert man durch Fort Kochi geht man teilweise an verfallenen, mit Gestrüpp bewachsenen Häusern vorbei. Mitten in Kochi gibt es den Platz der Fischhändler und Andenkenverkäufer. Wie riesenhafte Spinne reihen sich am Ufer die Chinesischen Fischernetze und verrichten ihre Dienste wie vor hunderten von Jahren. Chinesische Fischer, die Kaufleute vom Hof des Kublai Khan begleiteten, sollen sie im 14. Jahrhundert eingeführt haben.

Südlich von diesem Platz finden sich viele der alten portugiesischen und holländischen Villen, die heute zu Hotels umgebaut wurden. Auch die St. Francis Church und die St. Cruz Basillica sind hier zu finden. Nahe der St.Francis Church findet man den Dutch Cementery, Kochis alter holländischer Friedhof.

In der Bazaar Road wird man gewahr, dass Kochi noch immer ein bedeutendes Handelszentrum für Gewürze ist. Sie werden hier gelagert, verpackt und verladen. Lastwagen und Handkarren verstopfen den Weg. Der scharfe Duft von Ingwer steigt in die Nase, Berge von Chili quellen aus Jutesäcken, Kurkuma und Kardamom liegen zum Verkauf bereit.

Die Portugiesen schenkten als Gegenleistung für Handelsprivilegien dem Raja Veera Kerala Varma den Palast von Mattancherry, der sehenswert ist, der Palast ist auch bekannt unter dem Namen Dutch Palace. Südlich des Palastes schliesst sich das Jüdische Viertel an, sichtbar durch die Pardesi-Synagoge. Unter dem Schutz der einheimischen Rajas hatten sich verschiedene jüdische Gemeinden aus Kodungallur niedergelassen. Eine Kupferplatte aus dem 10. Jahrhundert gilt als Schenkungsurkunde des Rajas Bhaskara Ravi Varma an die damalige jüdische Gemeinde. Heute leben angeblich nur noch 13 - 15 Juden in Kochi.

Beim Bummel durch die engen Gassen ist ein Verfall all der schönen Gebäude nicht zu übersehen. Alles erscheint etwas dreckig, scheinbar kümmert sich niemand um den Erhalt von Gebäuden oder legt Wert auf den Gesamteindruck der Stadt.

Noch immer gibt es die Pfefferbörse, auch wenn hier nicht mehr mit Handzeichen gehandelt wird, sondern die Händler in klimatisierten Gebäuden am Computern die Ware verkaufen. Man geht vorbei an unzähligen Läden mit Antiquitäten (bzw. auf alt getrimmte Objekte).

Die Jugend freut sich einen zu sehen und die Englischkenntnisse zu zeigen, ansonsten wird man so ca. alle 2 Meter angebettelt - zumeist von durchaus wohlhabenden Menschen, die das Betteln in keine Weise nötig haben (eine lästige und unschöne Eigenart die uns den ganzen Urlaub über begleiten sollte - ärgerlich - diese Leute haben das Betteln absolut nicht nötig - wir reden hier nicht von Menschen, die keine andere Wahl mehr haben).

 

Am letzten Tag in Kochi trafen wir dann unseren Fahrer für die nächsten zwei Wochen - Bayju. Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut und freuten uns auf die folgenden Tage. Bayju erklärte uns erst einmal, Bier oder andere alkoholische Getränke gibt es nur in lizensierten Biershops oder in lizensierten Bars oder Restaurants. Er zeigte uns gleich, wo in Kochi ein solcher Biershop ist und wir besorgten uns zwei Fläschchen für den Abend. Am nächsten Tag starteten wir dann zu unserer Rundfahrt.

Distrikt Wayanad

Als wir Kochi verließen viel uns auf, irgendwie hörte die Stadt gar nicht auf, man kam irgendwie einfach nicht in eine ländliche Gegend. Uns wurde vor Augen geführt, wir befinden uns in einem der bevölkerungsreichsten Land der Erde. Nach einigen Stunden kamen dann aber von Dschungel bewachsene hohe Berge in Sicht.

Die Region ist 700 - 2100 Meter hoch, tiefe Täler, felsige Landschaften, hohe Bergrücken und dichte Wälder wechseln sich ab. Deutlich ist aber auch der Raubbau durch die Abholzung zu sehen. Trotzdem wird versucht die Natur der Region, die in den Westghats liegt, zu erhalten. So versucht zum Beispiel das Wayanad Wildlife Sanctuary die einheimischen Elefanten und andere bedrohte Tierarten zu schützen. In Wayanad wächst der berühmte Malabar-Pfeffer, gedeihen Kardamon und Zimt, Vanille und Betelnuß. Riesige Teeplantagen bedecken große Teile des Gebietes. So ist es nicht verwunderlich, dass die Gewürzkammer der Malabar-Küste schon immer das Interesse fremder Mächte auf sich lenkte.

 

Abgelegene Bergtempel, vom Dschungel überwucherte Heiligtümer und abgelegene Dörfer erinnern daran, dass seit jeher Menschen hier gesiedelt haben. Unterstrichen wird dies durch Archäologische Nachweise, die belegen das Wayanad schon seit über 3000 Jahren bewohnt ist.

Die Region bietet Trekking- und Wandermöglichkeiten, Ausflüge in das Wildschutzgebiet, den malerisch gelegenen Tempel Thirunelly oder die Eddakal-Höhlen. Zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten auf Plantagen, in Baumhäusern oder ganz normalen Hotels stehen zur Verfügung. Für jeden Geschmack sollte etwas dabei sein.

Wir entschieden uns für die Übernachtung in einem Baumhaus. Nach gut 5 1/2 stündiger Autofahrt, die letzten Kilometer über reine Holperpisten, erreichten wir das Hotel, welches die Baumhäuser bewirtschaftet. An der Rezeption mussten wir dann erst mal Gepäck aussortieren, da man nur eine leichte Tasche mitnehmen kann. Mit einem Jeep ging es dann mitten in den Dschungel und nach einem kleinen Fußmarsch standen wir vor dem Baumhaus.

Ein indisches Riesenhörnchen kam uns auch besuchen.

In ca. 20 Meter Höhe sollten wir die nächsten zwei Nächte verbringen. Mit einem Käfig-Fahrstuhl, der mit Wasser-Gegengewicht funktioniert, angetrieben von drei Hotelangestellten, ging es in luftiger Höhe. Es schon ziemlich abenteuerlich, vor allem das Ein- und Aussteigen in dieser Höhe, wenn der Käfig hin und her schwenkt. Das Baumhaus selbst besteht aus einem Schlafzimmer mit Badezimmer - duschen ist kein Problem. Ringsum das Baumhaus verläuft dann eine Terrasse.

Ein tolles Erlebnis, in den Wipfeln eines Urwaldriesen zu übernachten, umrahmt von Urwaldgeräuschen. Am Morgen wird man durch das Gebrüll der Affen geweckt, welche dann auch mal gerne über das Dach toben. Oder einem beim Duschen frech zuschauen und sich um den besten Platz balgen.

Wir machten einige Wanderungen. Unter anderem kletterten wir auch hinauf zu den Eddakal-Höhlen. Eddakal bedeutet soviel wie "Stone in the Middle". Man sollte schon Schwindelfrei sein, wenn man zu den Höhlen hochklettert, die letzte Etappe führt über diverse Leitern, die als Kletterhilfen angebracht wurden.

Die Höhlen selbst sind bekannt für ihre eindrucksvollen Felsritzungen aus dem Neolithikum. So richtig ist es eigentlich keine Höhle, nach oben hin gibt es eine schmale Öffnung - daher der Name "Stone in the Middle". Man kann den Berg noch weiter erklimmen. Es geht durch einen äußerst schmalen Felsspalt, an Seilen einen steilen Abschnitt hinauf, dann immer weiter Bergauf. Man wird durch einen atemberaubenden Blick über die Region belohnt.

Mysore (Mysuru)

Nach zwei Tagen im Dschungel ging die Fahrt über die N212 weiter Richtung Mysore. Die Fahrt führte uns durch das Wayanad Wildlife Sanctuary. Unser Fahrer Bayju berichtete, es könne vorkommen das die Elefanten mitten auf der Straße stehen. Wir haben keinen gesehen. Auffällig war aber, im Naturschutzgebiet lag tatsächlich kaum Müll an den Straßenrändern. Sobald wir das Gebiet verließen war das aber auch schon wieder vorbei, selbst in nicht so dicht besiedelten Gebiet waren dann die Straßenränder gleichmäßig mit Müll bedeckt.

Mysore besticht durch seine baumbestandene Alleen, alte Kolonialvillen, große Plätze, sanfte Hügel, dazwischen der opulente Maharadschapalast. Ein gewisser nostalgischer Flair liegt über der alten Königsstadt. Der Legende nach gehörte die Gegend um das heutige Mysore dem Büffeldämon Mahishasura. Die Göttin Durga soll ihn dort erschlagen haben. Vom Namen des getöteten Dämons leitet sich der Name der Stadt her - Mysore = Stadt des Büffels".

Die Attraktion von Mysore ist der Maharadscha-Palast Amba Vilas. Er war Residenz der Maharajas des ehemaligen Fürstenstaates Mysore , deren Nachfahren noch heute einen Teil des Palastes bewohnen. Der Palast zählt zu den berühmtesten Palastbauten ganz Indiens. Auf den ersten Blick erinnert der Palast an den Buckingham Palast in London. Irgendwie strahlt er aber einen ganz anderen Glanz aus. Die goldfarbene Hauptkuppel, umrahmt von vielen kleineren Zwiebeltürmen, glitzert im Sonnenlicht. Sieben große Bögen bilden die Hauptfassade, der mittlere wird von zwei weiteren, kleineren Bögen flankiert.

Geradezu verschwenderische Pracht Marmor- und Mosaikböden, schwere Silber- und kunstvoll geschnitzte Holztüren, unzählige Säulen, kostspieliges Mobiliar aus aller Herren Ländern, Buntglasdekor und Spiegelwände sowie Gemälde und Wandbilder zeugen vom luxuriösen Lebenswandel der Mysore-Herrscher um die Jahrhundertwende. Die Räume sind dabei in einer verwirrenden Vielzahl an Stilen gestaltet. Besonders berühmt ist der mit Blattgold überzogene Thron in der riesigen Durbarhalle.

Auf dem Palastgelände befinden sich auch zwölf Hindu-Tempel , die aus dem 14. bis 20. Jahrhundert stammen. Die Sicherheitsbestimmungen waren streng. Vor dem Palast waren Soldaten hinter Sandsäcken und beobachteten alles. Fototaschen mussten abgegeben werden, jeder Besucher musste durch einen Metalldetektor, wie auf den Flughäfen. Die Ereignisse von Mumbai einige Monate zuvor hatten in Indien ihre Spuren hinterlassen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit von Mysore ist der heilige Berg Chamundi Hill. Über eine kurvenreiche Straße geht es den Berg hinauf, bis zu dem Platz, wo Mysores Schutzpatronin Chamundeshwari den Büffeldämon Mahisha besiegt haben soll. Ihr zu Ehren wurde hier bereits im 12. Jh. ein Tempel auf den Hügel gebaut. Auf halben Weg bergab steht dann die massive Figur von Nandi, dem Reittier Shivas. Die Skulptur stammt aus dem Jahr 1659 und wurde aus einem Stück Granit hergestellt.

Abends ging es dann in die Altstadt von Mysore, deren Mittelpunkt der alteingesessene Devaraja Market ist. Auf diesen bunten und quirligen Markt werden nicht nur Obst und Gemüse angeboten, sondern auch Blumen in allen Farben, Räucherwerk und vieles mehr. Ein Sturm auf alle Sinne, schlendert man durch die schmalen Gassen des Marktes.

Im Jahre 1932 wurde der Fluss Kaveri durch einen Damm aufgestaut. Unterhalb davon legte man ausgedehnte Terrassengärten mit Teichen und Springbrunnen an. Es entstanden die Brindavan Gardens, die allabendlich illuminiert werden. In vielen Bollywood Produktionen dienten die Gärten als Kulisse. Eine tolle Idee, würde man die ganze Anlage denn auch etwas pflegen. Leider sieht man den Verfall schon deutlich und schlendert man durch die Gärten ist man versucht einfach einmal einen Putzlappen zur Hand zu nehmen. Schade!

Ein weiteres Highlight der Gegend ist die Insel Srirangapatna. Hier findet man Tipu Sultans Sommerpalast. Inmitten eines mit Blumen bepflanzten Gartens steht der sehenswerte Holzpalast. Um die Malereien vor der Sonne zu schützen ist der ganze Palast mit Planen zugehängt. Doch beim betreten des zweistöckigen Gebäudes wird man sich schnell über die wahre Pracht im klaren. Beeindruckend sind die Miniaturmalereien, die wunderschönen dekorierten Wände.

Ganz in der Nähe befindet sich das Mausoleum Gumbaz, das Tipu nach dem Tod seines Vaters Hyder Ali erbauen ließ. Nach seiner Ermordung wurde er dort an der Seite seines Vaters beigesetzt. Heute ist das Mausoleum Ziel muslimischer Pilger.

Der westliche Teil der Insel Srirangapatna wird von einer Festungsanlage umschlossen, deren Mauerreste deutlich sichtbar sind. Nahe der Stelle, wo die Briten mittels eines Spions ins Innere der Festung gelangten und so einen entscheidenden Feldzug gegen Tipu Sultan gewannen, steht heute ein Obelisk. Bezeichnenderweise nennt man die Stelle auch Watergate. Innerhalb der Mauern befindet sich noch der Ranganathaswamy-Tempel. Sein Sanktum beherbergt eine mehrere Meter lange Skulptur Vishnus. Die Händler und Bettler an diesem Tempel sind äußerst Aggressiv und man kann leider kaum in Ruhe die Schönheit genießen.

Ooty

Unser Weg führte uns weiter, über die sich in Auflösung befindende N212 (gem. Zeitungsbericht die gefährlichste und unfallträchtigste Straße Indiens), in Richtung der Nilgiri-Berge. Von der Hitze der Ebenen ging es hinauf in die Berge zum ca. 2000 m hoch gelegenen Ooty. Der Ort wurde im 19. Jahrhundert von den Briten als Residenz der Madras-Regierung gegründet.

Unser Weg führte uns durch das Mudumalai Wildlife Sanctuary. Diese Fotos sind aus dem Auto heraus gemacht.

Der Ort entwickelte sich rasch, ein See wurde angelegt und die Plantagenwirtschaft hielt Einzug in diese Gegend. Vor allem Obst, Tee und Gemüse gedeihen auf dem fruchtbaren Boden. Noch heute versorgt Ooty die Großstädte des Südens mit Kohl, Karotten und Kartoffeln. Beeindruckend die riesigen Teeplantagen.

Queen of the Hills wird Ooty auch genannt und kann, obwohl der Ort auf uns einen schmuddeligen Eindruck machte, als Luftkurort bezeichnet werden. Recht erfrischend ist es auf dieser Höhe, gegen Abend gingen die Temperaturen auf die 10°C zurück. Waren wir froh über unsere dicken Pullover, die wir bei unserer Abreise anhatten. Viele Inder kennen solche Temperaturen nicht, so war es ein merkwürdiger Anblick zahlreiche indische Touristen mit dicksten Wollmützen und Ohrenschützern zu begegnen. Eine Kleiderordnung die wir bei Minusgraden nutzen würden - also so kalt empfanden wir es nun wirklich nicht. Zahlreiche Hotels stehen zur Auswahl, mit vernünftigen Restaurants wird es schon schwieriger.

Der Ort dient als Ausgangspunkt für Wanderungen, einige Wasserfälle gibt es in der Nähe. Im Ort selbst ist der Botanische Garten entlang einem Hügel sehenswert. Wenn auch total überlaufen, so kann man hier seltene Bäume, Orchideen, Rosen und andere Pflanzen bewundern.

Für Blumenliebhaber muss der Rosengarten ein wahres Paradies sein. An einem Hügel gelegen, werden hier sämtliche bekannten Rosenarten gepflanzt. Einen schönen Blick über den Ort hat man auch. Koloniale Atmosphäre kommt rund um das alte Collectors Office auf, wo auch die St. Stephens Church steht. Die Briten legten im Ort einen See als Wasserreservoir an. An dessen Ufer gibt es so etwas wie einen Rummelplatz. Zahlreiche Tret- und Ruderboote stehen zur Verfügung, einige Karussells gibt es auch. Die Anlage wirkte allerdings schon ziemlich heruntergekommen. Im See liegen die ausgebrauchten oder defekten Boote im Uferbereich. Für die indischen Touristen schien es allerdings ein Highlight zu sein.

Lohnenswerter fanden wir den Ausblick vom Kodonat-Aussichtspunkt. Auch dieser ist ziemlich überlaufen, aber der Blick auf das Mysore-Plateau ist schon ein Erlebnis.

Das absolute Highlight war für uns die Fahrt zurück in die Ebene mit der Nilgiri Blue Mountain Schmalspurbahn. Am Bahnhof von Ooty ging die Fahrt um 15.00 h los. Gute 4 1/2 Stunden sollte die Fahrt hinunter in die Ebene nach Mettupalayam dauern.

Die 46 km lange Fahrt geht durch 16 Tunnel, elf Bahnhöfe und 19 Brücken. Mitunter bekommt man den Eindruck, zu Fuß wäre man erheblich schneller, mit dem Bus wäre man es auch. Aber die Ausblicke, die sich einem während der Fahrt eröffnen sind einfach atemberaubend.

Von den Teepflanzern und britischen Bewohnern der Nilgiri finanziert, wurde die Strecke zwischen 1890 und 1908 gebaut. Ein Schweizer Zahnstangensystem, welches den kleinen Lokomotiven ermöglicht extreme Steigungen zu bewältigen, wurde genutzt. Von Ooty bis Conoor wird noch eine Diesellok genutzt, ab Conoor geht es dann mit einer Original Dampf-Lokomotive weiter. Nur diese hat die Vorrichtung für das Zahnstangensystem. Richtig romantisch hört sich das Pfeifen und Schnauben an, welches über die Täler hallt. In Mettupalayam angekommen wartete unser Fahrer Bayju schon um uns auf einer irrsinnigen Fahrt nach Coimbatore zu bringen, wo wir übernachteten. Ehrlich - wir sind nicht zu ängstlich, aber eine Autofahrt in Indien bei Dunkelheit sollte man vermeiden. Gut, dass wir einen routinierten Fahrer hatten.

Madurai

Unser nächstes Ziel sollte die Stadt Madurai sein. Früh morgens fuhren wir los, lagen doch so einige Kilometer vor uns. Unterwegs wollten wir uns in Palani den Muruga-Tempel ansehen. Auf der ganzen Strecke bis Pelani sahen wir Gläubige mit Opfergaben wandern. Baiyju erklärte uns, die Gläubigen müssen zu Fuß von zu Hause zum Tempel wandern. Dabei tragen sie die ganze Zeit ihre Opfergabe. Er meinte, jeder gute Hindu sollte einmal diese Wallfahrt machen. In Pelani angekommen, war der Tempel aber für Besucher gesperrt. Schade - dieser lag auf einem Berg, den die Pilger besteigen, manchmal tanzender Weise (so wurde uns berichtet). Für andere gibt es auch eine elektrische Seilwinde.

Am Nachmittag kamen wir dann in Madurai an. Eine Stadt, deren Geschichte und deren Ruhm sich, häufig verwoben mit zahlreichen Mythen, ca. 2000 Jahre zurückverfolgen lässt. Ein Tropfen göttlichen Nektars aus Shivas Locken soll hier auf die Erde gefallen sein. Daher der Name "Stadt des göttlichen Nektars" = Madhupur. Die hiesige Lokalgöttin trug den Namen (die Fischäugige) und war mit drei Brüsten ausgestattet. Ihr wurde prophezeit, sobald sie den richtigen Mann träfe, würde die überzählige Brust verschwinden. Sie traf Shiva und die beiden heirateten in Mandurai und so verwandelte sich die Gottheit in die Frau Shivas. Ihre Vereinigung wird jedes Jahr im April/Mai aufs neue gefeiert.

Der lukrative Handel mit Seide, Perlen und Gewürzen erlaubte es den Pandya-Herrschern den mächtigen Tempel Meenakshi-Sundareswarar zu erbauen. Die gewaltige Anlage, mit unzähligen mythologischen Figuren in allen Farben und gekrönt von goldenen Spitzen, ist nach wie vor die größte von Menschenhand geschaffene Sehenswürdigkeit des Südens. Gut 15.000 Menschen passieren täglich die Tempeltore. An einem Freitag (der Freitag ist der Göttin Meenakshi heilig) können es auch 25.000 Menschen sein.

So sind die vier Gopurams der Tempelanlage, die weithin sichtbar sind, die augenfälligsten Wahrzeichen des Heiligtums. Gut 50 m in die Höhe ragend sind sie über und über bevölkert mit himmlischen Wesen, Helden und Dämonen, die als bunt bemalte Gipsfiguren die Oberfläche der Torbauten bedecken. Von der East Market Street führt der Haupteingang ins innere des Tempels.

Die Vielzahl an Schreinen, Skulpturen und Kolonnaden ist schier verwirrend. Unser erster Besuch führte uns am Abend in den Tempel - die ganze Atmosphäre erschien uns irgendwie mystisch. Man muss sich schon viel Zeit lassen, um einen Überblick zu gewinnen. Immer wieder bleibt man bei einer der ca. 33.000 Götterdarstellungen aus Stein und Stuck stehen. Wie jeden Abend, so wurde auch an diesem Abend Meenakshi in einer aufwendigen Prozession quasi zu Shiva ins Bett gebracht. Wir konnten uns kaum losreißen, von diesem Tempel, der Rolf irgendwie an einen Indiana Jones Film erinnerte.

Am nächsten Tag kamen wir wieder in den Tempel. Man sagte uns, irgendeine Zeremonie findet fast immer statt. Sei es eine der endlosen puja-Zeremonien, Brahmanen-Jungen, die in den Veden unterwiesen werden, laute nagswaram- und tavil-Musik oder Hochzeiten. Irgendeine Zeremonie war auch im Gange, leider haben wir nicht herausgefunden was für eine. Trotzdem war es für uns Interessant. Der Tempel - einfach ein faszinierender Ort.

Gerne wären wir hier, außerhalb des Tempels etwas schlendern gegangen, aber auf jeden Schritt wird man angefasst, nach Geld gefragt (eigentlich so gut wir gar nicht von Bettlern) oder soll etwas kaufen. Wir flüchteten in ein "Antiquitäten"-Geschäft. Hier durften wir auf das Dach und Fotos über die Tempeldächer machen. Natürlich sollten wir auch etwas kaufen. Am besten einen echten, ganz hochwertigen Seiden- oder Wollteppich aus Kashmir. Ich fragte dann, ob denn im Preis auch das Echtheitszertifikat mit inbegriffen ist. Uns wurde gesagt, braucht man nicht. Doch, wenn das ganze, den Versprechungen des Verkäufers entsprechen Zollfrei sein soll, ist die Vorlage notwendig, ansonsten sind neben den 19 % Steuern noch 8 % Zollabgaben fällig (Stand 2009). Kann ein Händler kein Echtheitszertifikat vorlegen, kann es sich auch nicht um Handarbeit handeln, sondern es handelt sich um billige Konfektionsware. Lasst euch hier nicht das Geld aus der Tasche ziehen. Selbst wenn sich das alles lohnt, ist fraglich ob die Ware den Empfänger erreicht.

Die Spediteure arbeiten nicht ganz so, wie bei uns in Europa. Sicherheit wird eher klein geschrieben. Sollte die Sendung dann doch in Deutschland ankommen, sind meist, entgegen den Versprechungen, zig Kosten nicht beglichen. Also, so ein Kauf kann ein sehr, sehr teurer Spaß werden. Überlasst den Import den Fachleuten, letztendlich spart ihr bei dieser Variante mehr Geld. Ohne Fachkenntnisse seid ihr den Händlern einfach nur ausgeliefert - lasst sie stehen - alles was sie sagen ist gelogen. Nach diesem, wenn auch für mich mit Spaß verbundenen Erlebnis, war der Händler froh das wir den Laden verließen. Wieder auf der Straße kamen wieder alle an, die meinen alles was kein Inder ist, ist eine Rupien-Maschine. So machten wir uns doch schnellsten zur nächsten Sehenswürdigkeit auf.

 

Also fuhren wir zum Thirumallai-Nayak-Palast. Nur noch Reste sind von dem 1636 durch Thirumallai Nayak errichteten monumentalen Palast übrig. Im 19. Jahrhundert wurde der Palast von den Briten renoviert, trotzdem ist nicht mehr viel übrig. Geht man durch das Tor, kommt man direkt in den Innenhof von Säulen flankierten Innenhof. Gegenüber befindet sich die Audienzhalle mit dem geschmückten Thronsaal, der von einer großen Kuppel überwölbt ist. Alles ist mit reichem Stuckwerk, bestehend aus Elefantenprozessionen, Yatis, Vögeln und menschlichen Figuren geschmückt.

Zum Ende des Tages ging es dann zum alten Tamukkam-Sommerpalast aus dem Jahr 1670. Hier ein das Gandhi Memorial Museum untergebracht. Wir erhielten einen detaillierten Einblick in den indischen Unabhängigkeitskampf und Gandhis Lebensweg. Auch wenn wir schon viel über diesen Mann gehört und gelesen hatten, wir waren einmal wieder, des außergewöhnlichen Menschen wegen, beeindruckt. Das ganze wird durch eine gut ausgestattete Bibliothek mit Werken von über über Gandhi abgerundet.

Thekkady

Der Tempel in Madurai war wirklich mehr als sehenswert und ein tolles Erlebnis. Trotzdem waren wir froh, als die Fahrt uns wieder in die Natur führte. Unser Ziel war der Periyar National Park bei Thekkady. Steil bergauf ging die Straße und führte durch ausgedehnte Gewürzplantagen hinauf in die Kardamom Hills, den südlichen Teil der Western Ghats. Im Ort Kumily findet sich eine reiche Anzahl an Hotels und man findet schnell eine Unterkunft nach seinen Geschmack. Als Ausgangspunkt ideal um den Park zu erkunden, befindet sich der Eingang ganz in der Nähe.

Rolf & Petra sind da, wo der Pfeffer wächst.

Wie schon erwähnt, in dieser Gegend gibt es viele Gewürzplantagen. Diese kann man gut besichtigen, natürlich findet sich auch jemand, der einem alles erklärt. Es handelt sich um den Besitzer eines der Läden im Ort und nach der Besichtigung sollte man dort etwas kaufen. Wir fanden es wirklich interessant, zwar kennen wir fast alle Gewürze und nutzen diese, aber wie sie wirklich aussehen? Hier bekommt man einen Eindruck davon. Beim schreiben kommt mir doch glatt der Geruch wieder "in die Nase". Wir fanden es schön, einmal zwischen Kardamom, Vanille, Pfeffer, Kaffee, Betlnuss und anderen Gewürzen umherzustreifen und die exotischen Blüten zu bewundern.

Hier besuchten wir auch eine Kalarippayattu Vorführung. Es handelt sich hier um eine alte indische Kampfkunst, die noch heute im Süden verbreitet ist und deren Ursprung in Kerala zu finden ist. Die Idee war, unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Man ließ einfach zwei zwei Kalarippayat-Kämpfer gegeneinander antreten, die für die Herrscher einen Kampf auf Leben und Tod austrugen. Diese Krieger galten natürlich als besonders furchtlos und ihren Herrschern ergeben. Während der Kolonialzeit sollen diese Krieger die Briten oft in Auseinandersetzungen verwickelt haben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Ausübung während der dieser Zeit verboten wurde.

Kalarippayat wird fast nur in ländlichen Gegenden praktiziert und gilt als eine reine indische Kriegskunst, frei geblieben von äußeren Einflüssen. Der Meister oder Lehrer ist in seinem Dorf meistens auch der Dorfarzt und sind im Behandeln von Knochenbrüchen, Quetschungen und Stauchungen sehr gefragt. Sie sind vertraut mit der Ayurveda Heilkunst, die damit verbundene Kalari-Massagen werden mittlerweile auch in der westlichen Welt bekannt. Das Kalarippayat ist eigentlich eine waffenlose Kriegskunst. Die Waffen, die doch eingesetzt werden, werden lediglich als Verlängerung des Körpers verstanden. Wir haben es nicht bereut, uns diese Veranstaltung einmal anzusehen, auch wenn sie uns verdeutlicht hat, etwas mehr Bewegung kann nicht schaden. Zu einem gesunden Geist gehört halt auch ein gesunder Körper, die Beweglichkeit des Körpers sollte eigentlich auch die Beweglichkeit des Geistes wiederspiegeln. Die jungen Männer des Ortes waren auf alle Fälle mit Eifer bei der Sache.

Bei Sonnenaufgang machten wir uns dann, in Begleitung eines Rangers, auf einen ersten Treck in den Nationalpark. Schon in den 1930er kam der damalige Maharadscha darauf, sich für den Schutz des Waldes und ein Jagdverbot einzusetzen. Die Gegend ist bedeckt von immergrünen Dschungel, Laubwald und Grasland. Zu den Bewohnern des Parks zählen große Elefantenherden, viele Hirscharten, Wildschweine und verschiedene Affenarten. Auch wilde Tiger gibt es hier. Aber nur in ganz abgelegenen Gegenden und selbst bei einem mehreren Tage dauernden Treck ist es eher unwahrscheinlich einen zu Gesicht zu bekommen.

Ein richtiges Foto vom Hornbill ist uns nicht gelungen. Der Vogel war einfach zu schnell. Schade!

Nur langsam verzog sich während unserer Wanderung der Bodennebel. Mit Rolf und mir ging einmal wieder die Fantasie durch, was sahen wir nicht alles im Nebel. Etwas unheimlich wurde uns, als wir eine Elefantenherde hörten, aber nicht sahen. Dann ein merkwürdiges Geräusch, schnell wandten wir die Köpfe und wir sahen zum ersten Mal einen Hornbill mit eigenen Augen. Wir entdecken noch einiges Rotwild und verschiedene Vögel, unter anderem eine Art des King Fisher. Die Elefanten waren irgendwie die ganze Zeit in der Nähe, aber zu Gesicht bekamen wir keinen. Eine tolle Wanderung am Morgen.

 

 

 

Mitten im Schutzgebiet liegt ein weitverzweigter Stausee, der bereits 1895 errichtet wurde und das Wasser des Peryar River staut. Heute ist der See ein Ökosystem für sich und die Heimat zahlreicher Vogelarten. Wir wanderten am Nachmittag von Kumily zu diesem See. Unterwegs sahen wir wieder allerlei Tiere und bestaunten eine Affenherde - wir wurden wohl auch bestaunt. Hier trafen wir auch eines der indischen Riesenhörnchen. Dieses Hörnchen wollte wohl Fotomodell werden. Es posierte geradezu für die Kamera.

Natürlich machten wir auch eine Bootsfahrt auf dem Stausee. Wir waren in der Trockenzeit unterwegs, entsprechend niedrig war der Wasserstand des Sees. Eine Menge Kormorane konnten wir sehen, die auf den Spitzen der abgestorbenen Bäume saßen, die aus dem aufgestauten Wasser ragen. Eine Familie von Ottern genoss die Sonne, ein Elefant hatte Durst und kam nach an das Ufer. Wir begrüßten noch eine Wildschweinfamilie und eine Menge Rotwild zog es auch zum Wasser.

So langsam konnte ich nicht mehr laufen, etliche Kilometer hatten wir zurückgelegt. Ein Transportmittel musste her. So beschlossen wir zu einem Elefantencamp zu fahren (ja, Bajyu hatte uns aufgegabelt). Hier gab es eine kleine Vorführung, was so ein Elefant alles kann. Dann ging es noch einmal durch die Berge, für mich wesentlich besser als zu Fuß. Viele Tiere bekamen wir allerdings nicht mehr zu Gesicht, trotzdem ein schöner Trip.

Die Backwaters

Heute ging es hinaus aus den Bergen - die Backwaters waren unser Ziel. Bei den Backwaters handelt es sich um ein Netzwerk von Kanälen, Flüssen und Seen die ein fast 2000 qkm großes Gebiet bedecken. Die Region heißt eigentlich Kuttanad, hier mischen sich die Flüsse der Western Ghats mit dem salzigen Wasser des Arabischen Meeres. Eine Landschaft wurde geformt, die nicht mehr ganz Wasser, aber auch nicht ganz Erde ist.

Abschied von Bayju - unseren tollen Fahrer und Begleiter

Die rund 1500 km langen Wasserwege ziehen sich von Kochi im Norden bis Kollam im Süden, von Kottayam im Osten bis Alappuzha im Westen und sind von üppiger Vegetation umgeben. Seit Jahrhunderten werden sie als Handels- und Verkehrswege genutzt, denn Kuttanad ist ein fruchtbares Land und gilt als Reiskammer Indiens. Aber auch Kokospalmen, Kautschuk und Bananen gedeihen auf den unzähligen Inseln, die mit Dämmen vor Versalzung geschützt werden müssen und bis zu 2,20 m unter dem Meeresspiegel liegen.

Gut 2 Mio. Menschen wohnen in den Städten und kleinen Dörfern entlang der Kanäle. Die meisten leben von der Landwirtschaft, arbeiten in der Kokosverarbeitung oder anderen Kleinstindustrien. Kinder werden mit Booten zur Schule gebracht und die Erwachsenen zur Arbeit. Die Nutzung einer der wenigen Straßen würde zumeist nur einen Umweg bedeuten. Die alten Kettuvallam, alte Lastboote, wurden umgebaut und befördern heute Touristen statt Kopra und Sand. Sie sehen aus wie fasrige, braune Kokosnüsse, in deren Gehäuse gibt es allerdings gemütliche Kabinen. Ungefähr 15 m lang und ohne einen einzigen Nagel zusammengefügt tuckern diese Gefährte mit knappen 5 - 10 km/h durch die atemberaubende Natur.

Für die nächsten Tage sollte eines dieser Hausboote unser "Zuhause" sein. So nahmen wir in Kumarakom Abschied von Bayju, unseren sicheren Fahrer. Wir hatten Glück mit ihm, hatte er nicht nur den Wagen im Griff, er konnte auch sehr gut erklären und gab uns viele nützliche Informationen. An Bord gekommen, wurden wir erst einmal von der Crew begrüßt. Vier Mann wollten sich die nächsten Tage um uns kümmern. Kapitän, Maschinist, Koch und ein Führer - so wird die Crew auf so einem Hausboot zusammengestellt. Zunächst musste noch eingekauft werden, alkoholische Getränke sind nicht im Preis inbegriffen und unterwegs auch nicht zu bekommen. Lebensmittel werden täglich frisch eingekauft, so wurde erklärt. Unser Boot hatte zwei Kabinen, wir suchten uns eine aus. Der Weg zum Oberdeck (oder Sonnendeck) wurde gezeigt - Vorsicht mit den Köpfen - die Wendeltreppe ist eng. Dann ging die Fahrt auch schon los.

Wir fuhren direkt auf den Vembanad Lake. Windig war es hier und das Boot, für flache Gewässer ausgelegt, schaukelte ganz schön. Gleich wurde uns ein mehrgängiges Mittagsmenue gereicht. Was für Leckereien! Wir nehmen es hier einmal Vorweg, das Essen sollte für die nächsten Tage eine unserer Hauptbeschäftigungen werden. Eine Reise durch das kulinarische Kerala sonder gleichen. Der Tagesablauf sah wie folgt aus = mehrgängiges Frühstück / Zwischenmahlzeit / mehrgängiges Mittagsmenue / Zwischenmahlzeit / mehrgängiges Abendmenue. Alle Speisen von höchster Qualität und super zubereitet. Solltet ihr auch so eine Tour machen wollen, esst bloß nicht so viel vorab. So lecker alles schmeckt, man bekommt es einfach nicht auf und der Koch ist stets beleidigt, weil etwas übrig bleibt.

Auf der Reeperbahn....

Dann tauchten wir ab in die tropische Welt der Backwaters. Grazile weiße Kirchen, kleine schmucke Tempel, Moscheen und Dörfer ziehen vorbei. Die unendlich wirkenden Reisfelder schimmern durch die Palmen und stahlblaue Eisvögel schwirren durch die Luft. An irgendeinem Dorf wird gehalten und Lebensmittel eingekauft. Immer wieder wurde ein Stop eingelegt, um eine Sehenswürdigkeit oder andere interessante Dinge zu entdecken. Rot ist der Sonnenuntergang, Rot der Sonnenaufgang. Über Nacht wird in einem See geankert oder scheinbar fernab von allem am Ufer angelegt. Etwas vorsichtig mit seinen Habseligkeiten sollte man sein, leider versuchen immer wieder einige Diebe des Nachts an Bord zu kommen - daher auch die abgelegenen Liegeplätze. Gerade die vier Tages Tour führt in wirklich abgelegene Gegenden, die Kinder rufen nicht nur "give Pen, give Pen", sondern scheinen sich hier wirklich zu freuen einen zu sehen. Die Frauen waschen die Wäsche scheinbar Tag und Nacht an den Ufern. Tiere gibt es Zuhauf zu beobachten. Eines Abends konnten wir uns an Flughunden nicht satt sehen. Oder wir erinnern uns an riesige Entenfarmen - der Entenhirte auf dem Boot musste alle im Griff haben. Eine wirkliche Idylle, scheinbar perfekt.

Bei all dieser Schönheit sollte man nicht vergessen, das labile Ökosystem der Backwaters ist vielen Bedrohungen ausgesetzt. Pestizide und Industrieabfälle, wie auch Fäkalien führen immer wieder zu Fischsterben. Auch das immense Wachstum der Wasserhyazinthen nimmt den Tieren den Lebensraum und Sauerstoff. Nicht zuletzt auch der zunehmende Bootsverkehr. Die Regierung achtet auf saubere Boote (effektiver wäre es auch auf die Pestizide, Fäkalien und andere Umweltgifte zu achten - nicht nur Touristen machen Dreck) und zertifiziert saubere Boote mit einem Zertifikat aus. Ehrlich, es geht auch ohne Klimaanlage und mit Moskitonetz. Wir haben es überlebt und werden die fantastischen Eindrücke nicht vergessen.

Am Strand von Kovalam

Nach den fantastischen Erlebnissen in den Backwaters sollte jetzt der Teil des Strandurlaubes beginnen. Wir fuhren Richtung Kovalam. Aber in Kovalam selbst wollten wir nicht bleiben. Wir hörten, der Ort sei total verbaut und überlaufen mit viel Trubel. So sind wir einige Kilometer weiter Richtung Süden gefahren, das Hotel Coconut Bay Beach Resort wurde empfohlen. Wir fanden wirklich ein tolles Resort vor. Nach unserer Erkundung stellten wir dann aber fest, wir sind in einer reinen Ayurveda Hochburg gelandet. Fast ausschließlich von deutschen Kurgängern genutzt. Oh je - hier passten wir so richtig gar nicht hin! Die Gesprächsthemen gingen um die eigenen Krankheiten, was der Arzt so sagte oder auch nicht, wie es denn genau mit der Verdauung sei usw., usw. - wahrlich nicht die Gespräche an denen wir uns so beteiligen. Nicht, dass wir keinen Respekt vor dieser alten und bewährten Heilkunst und Lebensart hätten. Aber wir wollten nur entspannen und ein wenig Spaß haben.

So machten wir am nächsten Tag erst einmal einen ausgedehnten Spaziergang Richtung Norden, in Richtung Kovalam. In der Ferne sahen wir eine große Kirche, eine schöne Moschee und ganz weit hinten den Leuchtturm von Kovalam. Wir kletterten über die Felsen, direkt rechter Hand des Hotels. Hier fanden wir die ersten Stoffwechselendprodukte des menschlichen Körpers - dachten uns aber noch nichts dabei. Weiter ging es entlang der Steilküste. Eine wirklich hübsche Gegend. Irgendwann war die Steilküste zu steil, wir mussten ins Inland und durch ein Dorf. Dort wo man hätte klettern können, war alles mit Müll bedeckt, scheinbar einfach vom Dorf herunter geschmissen. Oh je! So viel Dreck! Also weiter durch das Dorf. Das die Abwasserentsorgung in asiatischen Ländern nicht so funktioniert wie bei uns, das ist uns von den anderen Reisen ja schon bekannt gewesen. Aber durch Pflege und Sauberkeit hatten wir noch nicht gesehen, besser gerochen, was hier im Dorf abging. So in der Mitte des Dorfes stand denn auch der Konfirmationskaffee ungefähr an der Oberkante der Unterlippe - das Luft holen wurde zur Qual.

Wir erreichten dann die Kirche - wirklich hübsch - mir war aber derart schlecht, so sind wir gleich weiter. Wir fanden wieder einen Weg zum Meer hinunter, die Rettung - frische Luft - schien nahe. Doch weit gefehlt! Am Strand angekommen stellten wir fest, hier war wohl das WC des Dorfes mit all den Hinterlassenschaften die man ohne Spülung so vorfindet. Der Steilhang war durchgehend als Mülldeponie genutzt worden. Also, schnell weiter in das nächste Fischerdorf. Wir kamen zu einem Hafen, voll mit Fischerbooten. Die Fischer boten ihre Ware auch gleich an. Tja, Fisch muss geschlachtet werden. Uns wurde beigebracht, man macht danach sauber. Aber der Fisch wurde inmitten der Überreste von wer weiß wie vielen Schlachtungen feil geboten. In praller Sonne - der Geruch - einfach unbeschreiblich. O.k. - natürlich riecht es auf einem Fischmarkt nicht nach Rosen - klarer Fall. Aber was wir hier erlebten - danke! Es wurde zwar mal eine tolle Hafenanlage gebaut, inkl. einem überdachten Umschlagplatz - aber darum hätte man sich vielleicht einmal gekümmert. Die überdachte Anlage wurde nicht genutzt, das dazugehörige Hafenbecken war total versandet. Hoffentlich sind das keine Entwicklungsgelder gewesen, bzw. hätte sich der Investor vielleicht einmal mit den Fischern vor Ort austauschen sollen. Ein Paradebeispiel für eine Fehlinvestition, oder ein Paradebeispiel für maßloses Desinteresse derjenigen, denen das alles zugute kommen sollte. Wir wissen es nicht. Noch ein Stückchen weiter kamen wir dann zur Moschee, aber zwischen all dem Dreck und Müll fanden wir diese nun auch nicht mehr interessant. Also weiter Richtung Kovalam. Nach einer Weile kamen wir an ein die Hawah Beach, an dem Fischer sich versammeln um ein riesiges Netz von Hand an Land zu ziehen, diese Arbeit wird mit rhythmischen Gesängen begleitet. Ein wahres Bild der Idylle. Oberhalb des Dorfes schauten wir dem Treiben zu. Leider kamen nach ein paar Minuten des Innehaltens die ersten Bettler. Ach ja, auch während unserer Wanderung kamen so alle 50 Meter irgendwelche Leute und meinten wir könnten doch mal ein paar Rupien geben. Rolf ging etwas die Treppe zum Strand hinunter. Gerade als ich ihm folgen wollte, kam er zurück und meinte nur: "Du willst doch nicht schon wieder durch eine Müllhalde laufen. Das sieht hier nur von oben schön aus." O.k. - haben wir es sein gelassen. Nachdem uns dann noch jemand mit Drogen versorgen wollte, setzten wir uns wieder in Bewegung.

Nun kamen wir direkt an den Hauptort Kovalam an. Meine Güte, waren wir froh nicht hier Unterkunft gefunden zu haben. Wir wären hier nicht geblieben, sondern sofort weiter gefahren. Bis auf den Strand Hotels, dicht an dicht gebaut. Jede Menge Restaurants und viel Jubel und Trubel. Beim schlendern, immer wieder irgendwelche Leute die einem irgendeinen Müll verkaufen wollen, abwimmelnd, gingen wir die "Promenade" entlang. Schnell stellten wir fest, die meisten der Restaurants hatten keine Lizenz für Alkohol. Machte aber rein gar nichts. Dann wird das Bier halt in großen Teebechern serviert, die Flasche kommt unter dem Tisch. Auf alle Fälle hatten wir uns erfrischt und sind dann mit einer Motor-Trikscha wieder zu unserem Kurhotel gefahren. Das Coconut Beach Resort liegt wirklich ganz schön abseits. Aber direkt am Strand vor dem Hotel hat sich Harry etabliert. Bei Harry darf eine Zigarette rauchen und bekommt, auf Bestellung, fantastisches Essen. Natürlich hat er auch ein Bier parat. Am ersten Abend probierten wir das Essen im Hotel. Bestimmt eine sehr gute Qualität - aber aufgrund der zumeist etwas älteren deutschen Gäste total auf deren Geschmacksnerven zubereitet. Das ganze hatte mit indischer Küche also so gut wie nichts mehr gemein. Der Morgenkaffee entsprach mehr lauwarmen Wasser, also auch dieser trug nicht zu unserem Aufbau bei. Harry hat das aber alles gerichtet. Gegen Mittag wurde abgestimmt, was es zum Abend zu Essen geben sollte. Er fuhr dann zum Markt und kaufte ein. Alles wurde uns im Rohzustand gezeigt und nur zubereitet, wenn wir es für Gut befunden hatten. Ehrlich - wir aßen nicht einmal mehr im Hotel. Zwischendurch brachte Harry immer wieder mal kleine Snacks - alles vom Feinsten. Das allergrößte aber war der Kaffee. Unbeschreiblich - ein Hochgenuss. Gerne wiederholen wir, das Hotel ist Super - da wir auch in den folgenden Tagen feststellen mussten, das Hotel war wirklich eines der Besten, blieben wir hier doch den Rest unseres Urlaubs. Das Personal stets aufmerksam, freundlich und hilfsbereit. Die Zimmer groß und sauber. Nach drei Tagen kam auch jemand vom Restaurant zu unserem Bungalow. Es war aufgefallen, wir waren hier nie Essen. Höflich fragte man, ob man denn irgendetwas für uns tun könne. Wir dankten höflich, angetan von dieser Aufmerksamkeit. Dank Harry, genossen wir denn auch unseren Aufenthalt. Gewiss, dann und wann sind wir Abends auch mal nach Kovalam gefahren, aber das Speisen direkt auf dem Strand unter dem Sternenhimmel - einfach Idylle pur.

Harry bekam unsere Eindrücke des ersten Spazierganges mit und musste uns zustimmen, Richtung Norden ist wirklich kein schöner Eindruck. Wir sollten doch mal in die andere Richtung gehen. Gesagt, getan - ab ging es am nächsten Tag Richtung Süden. Wieder kletterten wir über Felsen (immer mal wieder über menschliche Hinterlassenschaften hinweg). Traumhafte Buchten eröffneten sich uns. Zwar immer mit einem Luxushotel im Hintergrund, aber wirklich schön. Nach so ca. 8 km eröffnete sich dann ein Strand, wie aus einem Bilderbuch ausgeschnitten. Strand, soweit man sehen konnte. Auf dem Strand, tausende von Fischerbooten. Am Anfang des Strandes waren noch so einige Hotel, aber wir wanderten weiter. Leider wurde auch diese Wanderung abrupt gestoppt, merkten wir, wir sind wieder auf einer öffentlichen Toilette. So ca. alle 10 Meter hockte jemand - na ja - und machte das was die Natur dem Menschen so entringt. Weiter wäre es am Strand nur hüpfend und springend gegangen. Also schnell ins Landesinnere. Hier eröffnete sich uns eine Gegend, ähnlich den Backwaters. Wir gingen dann noch durch ein Dorf, halbwegs sauberer Natur. Da es mittlerweile früher Nachmittag war, ich nicht mehr laufen konnte, nahmen wir uns dann wieder eine Motor-Trikscha, die uns zurück zum Hotel brachte. Fazit des Tages, nicht nur in großen Städten ist es dreckig bis dort hinaus, nein, leider auch auf dem Lande. Überbevölkerung, Armut hin oder her - Sauberkeit kostet nicht die Welt. Wie sagte meine Mutter: "Du kannst arm sein wie eine Kirchenmaus, aber sauber kannst Du Dich halten." In anderen, weit noch ärmeren Ländern ist uns so etwas auch noch nicht unter gekommen.

An einem Tag sind wir dann auch nach Thiruvananthapuram gefahren, der Hauptstadt Keralas. Laut und dreckig empfing uns die Stadt. Wir gingen dann in den Publick Garden und besuchten zuerst einmal den dortigen Zoo. Eigentlich eine schöne Anlage. Vom nahen sahen wir noch einmal so fast alle Tiere, die wir schon in freier Wildbahn gesehen hatten. Nur - hier konnten wir viel bessere Fotos machen. Natürlich gab es auch allerlei Getier, die nicht hier beheimatet sind. Ein schöner und erholsamer Spaziergang, der Zoo wurde sauber gehalten. Gleich nebenan kann man dann noch den Kanakakunnu Palace besichtigen und ins das Napier Museum gehen. Aber irgendwie verließ uns an diesem Tage die Entdecker-Laune. Wir hielten noch bei dem Sri-Padmanabhaswamy-Tempel. Dieser war aber geschlossen, so machten wir einige Fotos von außen. Dann ging es wieder ins Hotel.

 

Wir machten dann noch einmal einen Tagesausflug an die Südspitze Indiens. Auf dem Weg hielten wir bei dem Padmanabhapuram-Palast der ehemaligen Rajas von Travancore. Ein wahres Schmuckstück der Holzarchitektur ist dieser Palast. Mehrere Holz- und Granitgebäude, verbunden durch lange Korridore und Gänge, gruppieren sich um diverse Innenhöfe. Kunstvoll geschnitzte Giebel verzieren die Ziegeldächer. Der älteste Teil des Palastes stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Decke der Eingangshalle ist mit 90 verschiedenen, fein geschnitzten Blumenmotiven verziert. Der Fußboden in der Versammlungshalle im 1. Stock ist eine Besonderheit. Dieser wurde aus eine heute nicht mehr gebräuchlichen Mischung aus Kokosnuss, Rohrzucker, Eiweiß, Kalk und medizinisch wirkenden Pflanzensäften hergestellt. Auch das reich verzierte Bett des Herrschers, das im Schlafzimmer geradezu thront, ist aus 16 verschiedenen, medizinisch wirkenden Hölzern gezimmert. Wirklich - ein prachtvoller Palast. Kaum außerhalb wird man allerdings sofort wieder von hunderten von Bettlern - wie immer, die meisten haben es nicht nötig zu betteln - in Empfang genommen die aggressiv versuchen an Rupien zu kommen. Ein Verweilen ist absolut nicht möglich.

Also ging es gleich weiter nach Kanniyakumari, den äußersten Süden Indiens. Dieser bei den Indern heilige Ort wirkte wie so viele eher schmuddelig. Außer die absolut weiß strahlende Kirche inmitten all der Hütten. Unser Fahrer brachte uns direkt zum Fähranleger, wo die Fähre zum Vivekananda Memorial ablegt. Er entließ uns erst hinter der Absperrung aus dem Wagen. Nachdem ich etwas unachtsam war, wusste ich auch warum. Kaum 1 Meter vor der Absperrung war ich umzingelt von sog. Händlern und Bettlern. Nur durch kräftiges ziehen von Rolf und unter Zuhilfenahme des Sicherheitsdienstes der Fähre, gelang ich wieder hinter die Absperrung. Dann ein kurzes Stück hinunter zur Fähre. Tja - Auftrieb ist schon ein Wunder, nur daran kann es liegen, das die Fähre noch schwamm. Man gut, wir können beide schwimmen und die Ansage war auch nur - immer am Rand der Fähre aufhalten. Das Vivekananda Memorial ist eine Gedächtnisstätte für den Philosophen Swami Vivekananda und wurde 1970 auf einer Felsinsel ca. 400 m vor der Küste errichtet. Der gute Mann hat auf dieser Insel meditiert, darum gibt es auch eine Meditationshalle. Außerdem kann man noch die angeblichen Fußabdrücke der Göttin Kanniyakumari bewundern, die hier Buße tat. Wenige Meter westlich erhebt sich auf einer weiteren kleinen Felsinsel die Statue des tamillischen Gelehrten und Heiligen Thiruvalluvar.

Wie schon erwähnt, ein schlendern durch die Gassen war hier an diesem Ort schier unmöglich. So fuhren wir dann wieder Richtung Kovalam, aber nicht ohne noch bei dem Suchindaram Tempel zu halten. Es handelt sich hier um einen ziemlich großen und lebendigen Tempel. Die Herren haben sich der Oberbekleidung zu entledigen, Fotos machen ist strikt verboten. Es handelt sich hier um einen Shiva-Tempel, der auch eine riesige Statue des Affengottes Hanuman beherbergt. Ein wirklich schöner Tempel, er erinnerte uns ein wenig an den Meenakshi Tempel in Madurai. Mit diesen Eindrücken ging auch dieser Tag zu Ende.

Wir machten uns noch ein paar schöne Tage am Strand, beobachteten die Fischer, die in ihren aus Kokosnussholz zusammen gebundenen Booten ihrer Arbeit nachgingen. Eventuelle Kolibakterien tapfer ignorierend gingen wir auch Schnorcheln. Eine felsige Landschaft, voll mit Muscheln eröffnete sich uns. Es gab auch viele Fische und wir versuchten Fotos zu machen. Gar nicht so leicht, die Strömung war nicht schlecht und durch die Welle war das Wasser ganz gut aufgewühlt. Ein paar sind aber doch so halbwegs gelungen. Das Schnorcheln hielt zwar keinen Vergleich mit dem Schnorcheln im südchinesischen Meer oder auch an anderen Orten stand, war aber eine schöne Abkühlung und Abwechslung. Lange Spaziergänge machten wir nicht mehr.

Dann ging es, morgens um 1.00 h los zum Flughafen nach Thiruvananthapuram. Wie auch schon vor großen Sehenswürdigkeiten, war der Flughafen durch Militär, verbarrikadiert hinter Sandsäcken gesichert. Der Flughafen selbst entspricht eher einem kleinen Landflughafen. Das "Highlight" dieses Flughafen ist aber der unglaubliche Dreck an jeder Stelle. Hier wurde wieder alles getoppt, was wir bisher auf unseren Reisen gesehen haben. Was für ein Ausklang.

Ihr habt es bestimmt schon den Berichten entnommen. Die kulturellen Highlights, die Tempel und Paläste haben uns mehr als beeindruckt. Von dieser Warte aus gesehen ist Indien mit Sicherheit eine Reise wert. Wir haben auch viele nette, freundliche Menschen kennen gelernt. Auf der anderen Seite, auf keiner unserer Reisen haben wir soviel Dreck und Müll gesehen. Ein Spaziergang in einem Ort ist fast unmöglich, ohne das an einem gezerrt wird und man Rupien verteilen soll. Nach der Reise war uns klar, warum Reiseveranstalter durchaus Rundreisen anbieten, aber der Strandurlaub eher auf den Malediven angeboten wird. Dabei gehören die von uns bereisten Gegenden Indiens noch zu den sauberen. Ehrlich - wir möchten nicht wissen wie es dann woanders aussieht. Die Probleme der Überbevölkerung, die Armut des größten Teiles der Bevölkerung - vieles sind eher politische Probleme. Vielleicht können wir uns da nicht rein versetzen, die totale Ignoranz gegenüber der Umwelt und das sich selbst aufgeben (diesen Eindruck machte die Haltung auf uns) - unverständlich. In anderen Ländern, in denen weitaus weniger Know-How und finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, haben wir ganz andere Dinge kennen gelernt. Wir wünschen den Indern nur, dass all diese Probleme einmal angegangen werden und so über die nächsten Jahrzehnte eine Besserung eintritt. Ansonsten haben wir es wohl bald mit der größten Müllhalde auf dieser Erde zu tun.
Discover the Earth - 2009