An dieser Stelle schwelgen wir in Erinnerungen. Ein Bericht über unseren ersten Urlaub, weit weg von zu Hause. Im Jahr 1987 zog es uns das erste Mal so richtig weit weg - unser Reiseziel sollten die USA sein. Es war das erste Mal, dass ich in einem Flugzeug gesessen habe. Heftige Turbolenzen gab es auf den Flug von Hamburg nach Schiphol. Hier wollte ich nicht weiter, magisch zog es mich zum Ausgang Richtung Bahnhof. Vielen Dank der Stewardess, die mir erklärte, in einem großen Flugzeug ist alles nicht mehr so schlimm. So ging es weiter, via Calgary nach Los Angeles.

So ein großes Land - 50 Bundesstaaten bilden die Vereinigten Staaten von Amerika - wir wollten in das flächenmäßig drittgrößte Land unserer Erde. Wo sollten wir da anfangen? Letztendlich entschied ein günstiger Flugpreis und die Aussicht auf halbwegs schönes Wetter. So kamen wir auf Los Angeles. Hier ein Auto gemietet und unser erstes Abenteuer konnte beginnen.

Bei dieser ersten Autofahrt stellte sich schnell heraus, Karten zu lesen ist nicht wirklich meine Stärke. Zunächst wollte ich kein Auto fahren, aber irgendwie fuhren wir nur im Kreis und landeten immer wieder an einer Mülldeponie. Also wechselten wir, Rolf wurde Navigator - ich der Fahrer - so ist es bis heute geblieben. Es zog uns natürlich erst einmal an das Meer, so leitete Rolf mich Richtung Huntington Beach. Nach dem langen Flug spazierten wir einige Stunden am Strand und genossen das milde Klima. Hier überlegten wir uns, was wir in der zweitgrößten Stadt (nach New York) der USA noch so machen wollten.

Aus zahlreichen Filmen kannten wir das riesige Hollywood Sign in den Hügeln von Los Angeles. Also fuhren wir Richtung Griffith Park Observatory - von hier aus hatte man einen tollen Blick auf das Zeichen. Wir ruhten uns dann in einem Park etwas aus. Rolf las etwas von einem Eisenbahnmuseum - da wollte er unbedingt hin. War schon schön anzusehen, wie man in alten Zeiten durch Amerika gereist ist. Gegen Abend wollten wir uns ansehen, wo denn so die Oskars verliehen werden. So ging es dann Richtung Hollywood Sunset Blvd. - wir wandelten auf dem Star Walk und bestaunten die Gegend. Obwohl - jetzt, nachdem so viele Jahre vergangen sind - fragen wir uns, was war eigentlich so zu bestaunen?

Ist man im Urlaub, möchte natürlich auch das Kind im Erwachsenen befriedigt werden. Was lag da näher, als die Mutter aller Vergnügungsparks - das 1955 eröffnete Disneyland. Vom Disneyland Paris war noch keine Rede, wir kannten alles aus dem Fernsehen und waren überaus gespannt. Schon der riesige Parkplatz war für uns beeindruckend. Erst einmal lernten wir, im Disneyland gibt es eine eigene Währung, den Disney-Dollar. O.k. - warum auch nicht - aus heutiger Sicht vielleicht die bessere Landeswährung. Als wir dann auf der Main Street waren, wurden unsere Augen wirklich groß wie Kinderaugen.

Auf alle Fälle hatten wir den Tag über viel Spaß in den einzelnen Ländern des Disneyparks. Zum ersten Mal waren wir in einer Achterbahn, die in völliger Dunkelheit durch eine "spacige" Atmosphäre flitzte. Auch die Schows fanden wir beeindruckend und lernten hier das erste Mal kennen, was Nationalstolz ist. Aber auch die anderen Länder faszinierten uns. Wir hatten einen tollen Tag und waren am Abend mehr als geschafft.

Hätten wir Los Angeles verlassen können ohne die Universal Studios zu besuchen? Nein! Auch von den Universal Studio's hatten wir schon eine Menge gehört. Wer wollte nicht wissen, welche Tricks so beim Filme machen angewendet werden. Star Wars war gerade mit dem 1. Teil in den Kinos, Kampfstern Galactica war noch in allen Köpfen. Miami Vice wurde im Fernsehen ausgestrahlt und erfreute sich großer Beliebtheit. Könnt Ihr Euch noch an den "Weißen Hai" erinnern? Mit Sicherheit! Oder der Hit "Zurück in die Zukunft". Alles nichts weltbewegendes, eigentlich eher seichte Unterhaltung. Damals betrachtete man das alles aber als den Gipfel der Unterhaltung. Und wir sahen die Kulissen und Requisiten. In Shows wurden Teile nachgespielt. Viele Tricks wurden offen gelegt und man musste schon manchmal schmunzeln, wenn einem gezeigt wurde wie leicht man getäuscht werden kann.

Wieder ein Tag, sehr anstrengend, aber für uns ein Highlight der Reise. Deutlich können wir uns daran erinnern, wie Müde wir am Abend waren und gerade noch so etwas zum Abendessen organisiert hatten bevor wir, eigentlich schon schlafend, ins Bett fielen. Auch heute noch, würden wir jederzeit wieder die Studios besuchen. Um die Erinnerungen aufzufrischen waren wir auch schon im Warner Studio Park in Bochum (auch sehr lustig).

Über den berühmten Highway No. 1 ging es dann nach San Francisco. Kojak lässt grüßen. Die Fahrt war wirklich atemberaubend - die Küstenstraße ist wirklich einmalig. Am Fisherman's Wharf hielten wir uns eine ganze Weile auf. Zum ersten Mal habe ich hier Krebse gegessen. Keine Frage, wir sind auch mit der Cable Car gefahren - auch ein Erlebnis.

San Francisco zu besuchen, ohne die Golden Gate Bridge zu überfahren, geht überhaupt nicht. Natürlich sind wir drüber gefahren und auch spaziert. Dann schauten wir uns noch die riesigen Redwood Bäume im nahe gelegenen Muir Woods an. In San Francisco lösten wir auch das Problem mit dem Essen. Abends in einem Pizza-Restaurant, aßen wir wohl die größte Pizza unseres Lebens und lernten zum ersten Mal den Ausdruck "Doggy Bag" kennen.

Nach so viel Großstadt zog es uns nun in die Natur. Was lag da näher, als der durch den Pionier John Muir entdeckte Tal des Nationalpark Yosemite (ausgesprochen Yoh-seh-mi-ti). Schon die Fahrt zum ca. 300 km von San Francisco entfernten Park, an den westlichen Hängen der Sierra Nevada gelegenen Park war beeindruckend. Im Park fanden wir dann schnell eine kostengünstige Unterkunft. Leider konnten wir, bedingt durch einen Unfall den ich einige Wochen vorher hatte (und der letztendlich die Reise finanzierte - Geld aus der Unfallversicherung), nicht so wandern wie wir es gewohnt waren. Trotzdem genossen wir die atemberaubende Natur.

 

Das eigentliche Tal des Yosemite Parks entstand durch Gletscher und ist nur 13 km lang und weniger als 1.600 Meter breit mit Granitwänden, die steil an beiden Seiten des Tales 1,000 Meter hochragen. Neun herrliche Wasserfälle stürzen in das Tal. Fünf davon sind über 300 Meter hoch. Das Wasser des Yosemite Falls fällt über 740 Meter, ehe es auf Felsen prallt. Wie in einem Märchenwald kam es uns im Mariposa Wald mit weinen gigantischen Mammutbäumen vor. Ein wirkliches Naturerlebnis, an das wir bis heute zurück denken.

Aus dem Gebirge heraus sollte es nun zum tiefsten Punkt unserer Reise gehen - zum Death Valley - dem Tal des Todes. Und wieder ein Erlebnis auf der Fahrt dorthin. Teilweise dachten wir, wir hätten uns verfahren, aber nein - wir waren auf dem rechten Weg. Der Wagen war unglaublich weich gefedert, so wurde ich doch tatsächlich, als Fahrer, gegen Mittag Seekrank. Na ja, nach einer halben Stunde Pause ging es wieder. Bis zum Abend fuhren wir, der Tank war leer - die letzte Tankstelle vor dem riesigen Nationalpark geschlossen. Wie gut, auf der gegenüberliegenden Seite gab es ein Motel. Recht teuer - aber sehr schön. Da die nächste Tankstelle mehr als 100 Meilen entfernt war, blieb uns nichts anderes übrig. Am nächsten Tag erkundeten wir dann das Death Valley.

Wir durchfuhren eine Wüste mit allen Schikanen, goldgelbe Sanddünen, Salzebenen, öde und farbige Felsen, deren alle nur mögliche Farben uns immer wieder überraschten. Aufgrund der geologischen Tieflage zählt das Death Valley zu den heißesten Plätze unserer Erde. Von Mai bis September herrscht eine brüllende Hitze. In dieser Zeit betragen die durchschnittlichen Höchsttemperaturen 47° C im Schatten. Die Bodentemperatur steigt auf bis zu 95° C an. An einem Julitag 1913 wurde 57° C (im Schatten) gemessen, die höchste jemals verzeichnete Temperatur. Wir bestaunten ein Borax-Mienen Museum und hielten häufig an, um diese Landschaft in uns aufzunehmen.

Ursprünglich war unser nächstes Ziel Las Vegas, hier kamen wir dann auch nach einer weiteren Übernachtung an. Aber irgendwie gefiel uns die Stadt nicht. Nun sind wir auch nicht Spielsüchtig und verlassen uns auch nicht gerade auf Fortuna um unsere Reisekasse aufzubessern. Also beließen wir es bei einem Mittagessen bei einer ach so berühmenten Bürger-Bude, dann ging es weiter Richtung Grand Canyon, wobei wir über den Hoover Damm fuhren. Was für eine grandiose Schlucht - 450 km lang und runde 1800 m tief durchzieht sie das Kaibabplateau. Man schätzt, so ungefähr 50 Millionen Jahre hat es gedauert, bis der Colorado diese tiefe Schlucht in das Gebirge gegraben hat.

Unglaublich die Ein- und Ausblicke die sich uns boten. Ein Naturwunder ohne gleichen. Wir versuchten über einen Trail ganz in die Schlucht zu wandern. Dort, wo keine Sonne hin kam hatte sich Eis gebildet, jedes mal wenn wir ein Stück tiefer waren, sah alles ganz anders aus. Man sollte aber den steilen Ab- und Aufstieg nicht unterschätzen. Die Nationalparkverwaltung rät daher auch dringend ab, beide Strecken an einem Tag zu bewältigen. Da ich ja noch ein Handicap hatte, sind wir nur ein Stückchen runter. Natürlich erkundeten wir auch den Rest der Gegend und fuhren wohl jeden Aussichtspunkt an, den man anfahren konnte.

Nachdem wir einige Tage die Gegend um den Grand Canyon erkundet hatten, ging es jetzt Richtung San Diego. Unterwegs hielten wir im Joshua Tree Nationalpark. Es handelt sich hier um eine Wüstenlandschaft im Südosten Kaliforniens, die den Übergang zwischen der Mojave-Wüste und der Colorado-Wüste bildet. Der Park ist nach der auffälligen, im Englischen „Joshua Tree“ genannten Josua-Palmlilie ( Yucca brevifolia ) benannt, der größten Art der Gattung der Palmlilien ( Yucca ), die auch Josuabaum genannt wird.

Teilweise muten die Joshua Tree's an, wie Außerirdische. So spielte natürlich unsere Fantasie in kürzester Zeit verrückt und wir bastelten lauter Geschichten um jeden Baum herum. Vorsicht ist geboten, wenn man sich auf die Felsen setzt, in dieser Gegend gibt es eine Menge Klapperschlangen. Also schön nachschauen, bevor man Platz nimmt oder irgendwo hinlangt.

Danach ging es weiter nach San Diego. Hier waren wir ein wenig "shoppen". Ansonsten sagte uns die Stadt nicht so viel. Wir sind dann in den Seaworld Park gegangen. Ein tolles Erlebnis. Ein Vergnügungspark, in dem Meerestiere die Hauptrolle spielen. Seelöwen, Seehunde, Seeotter, Delfine und Wale haben hier die Hauptrolle, in erstklassigen Shows zeigen sie ihre Kunststücke. Wenn die Hauptdarsteller der Tiershows gerade nicht im Einsatz sind, kann man sie im Schwimmbecken mit großen Unterwasserfenstern sehr gut beobachtet. Das größte Spektakel von SeaWorld ist die sicherlich die Show mit Killerwalen. Hier wir einem die enorme Sprungkraft, die Intelligenz der Tiere vorgeführt. Wir sahen dann noch den symphatischen Walfischen bei ihren akrobatischen Einlagen zu. Ganz witzig fanden wir die Show mit einem Walross, einem Seelöwen und einem Seeotter die den Hauptrollen.

Man konnte auch noch ein eine Art Pinguinhaus gehen. Hier wurde die natürliche Landschaft dieser Tiere nachgebildet. Natürlich gab es jede Menge weitere Aquarien. Ganz toll, an einigen Becken konnte man Delphine und kleine Wale füttern. Man muss dann nur auf die Möwen acht geben, die versuchen die Leckereien aus der Hand zu reißen. Ein richtig toller Tag.

Die letzte Nacht verbrachten wir dann in Los Angeles. Es war unser erster Urlaub, so richtig weit weg von zu Hause. Damals waren die USA für uns noch so etwas wie ein Traumland. Dieses Verständnis hat sich in den vergangenen Jahren um 180 Grad gewendet. Heute denken wir daran, es handelt sich hier um ein Land mit den größten sozialen Problemen. Eine kleine Anzahl Menschen hat fast das gesamte Kapital in Händen, die so genannte Demokratie wird ausgehebelt, wo es nur geht. Obwohl, auf jeden Fall bis vor kurzer Zeit, eines der reichsten Länder der Erde, wird nichts für die Bildung ausgegeben. Nicht umsonst heißt es, "Wissen ist Macht". Damit die Macht in den Händen einiger Bürger verbleibt, muss man wohl dafür sorgen, dass die Bildung für die anderen zu kurz kommt. Die schier unendliche Gier einiger Top-Manager müssen mittlerweile Millionen anständiger Bürger ausbaden. Die monetären Ressourcen wurden verscherbelt, zumeist an China, für die eigene Bevölkerung bleibt nichts. Dafür wird der Nationalstolz geschürt, wo man nur kann. Viele andere Möglichkeiten haben die Machthaber ja auch nicht mehr. Umwelt wird nur geschützt, wo es den elitären Machthabern genehm ist. Der Rest wird vernichtet - die wirklich schönen Naturparks reichen nicht aus, das Ökosystem instand zu halten. Wieder sind es die ganz normalen Bürger, die irgendwie mit den Folgen fertig werden müssen. Soziales Verständnis - einfach nicht vorhanden. Um von den eigenen Problemen abzulenken, werden schnell Feindbilder geschaffen. Schade - die Idee der Gründungsväter der Vereinigten Staaten derart ausverkauft zu sehen. Vielleicht gibt es ja doch noch einmal einen Wandel - bevor Schlimmes passiert.

Discover the Earth - 2009