Insel aus Feuer und Eis – so wird Island auch häufig genannt. Es sollte dieses Jahr also einmal ein ganz anderer Urlaub werden. Nicht in subtropische Regionen, ganz hoch in den Norden sollte es gehen. Ich gebe es zu, als Rolf mit diesem Vorschlag kam, war ich gar nicht so begeistert. Dort ist es zu kalt und zu windig, man hat nur Regen und es ist zu teuer – alles mögliche an Vorurteilen viel mir ein. Aber es half nichts – inspiriert durch Jules Vernes Reise zum Mittelpunkt der Erde ist die Fantasie mit ihm durchgegangen, er wollte unbedingt nach Island. Bezüglich des Wetters meinte Rolf nur: „Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung – Du kannst Dir was anziehen.“ In Bezug auf die Kosten: „Lass Dir was einfallen!“ Na ja, da lag dann eine tolle Aufgabe vor mir. So lange hatte ich wirklich noch nie nach Möglichkeiten, wie man den Urlaub gestalten könnte, gesucht. Dann fand ich die Webseite von Island Erlebnisreisen. Obwohl wir ja mehr als ungern mit Reiseveranstaltern zusammen arbeiten, hier machte es Sinn und wir fanden zusammen mit den Speziallisten Lösungen. Ich fing an, mich mehr mit dem Thema Island als Reiseland zu beschäftigen und mein Interesse wuchs mehr und mehr.

Wir wollten zur größten Vulkaninsel der Welt, knapp südlich des Polarkreises. Hier treffen die nordamerikanische und die eurasische Kontinentalplatte aufeinander, auch genannt der mittelatlantische Rücken. Noch immer entsteht durch den Austritt von Magma Land. Island gehört zu den aktivsten Vulkangebieten der Erde, ca. alle fünf bis sechs Jahre kommt es zu einen Vulkanausbruch. Kaum gebucht, war Island dann auch in allen Schlagzeilen, der Eyjafjallajökull war ausgebrochen. Noch lange werden wir an die Folgen des Aschenregens, den Flugverboten, zurückdenken. Mit guten 103.000 Quadratkilometern ist Island der zweitgrößte Inselstaat Europas. So um und bei 320.000 Einwohner hat Island. Touristisch ist das Land gut ausgebaut, ist aber bis jetzt vom Massentourismus verschont. Trotzdem übersteigt die Zahl der Touristen in den Hauptreisemonaten Juni/Juli die Zahl der Einwohner. Je mehr wir über das Land gelesen hatten, umso mehr stellte sich das Bild eines wilden, von Vulkanen und Gletschern geprägtes Land bei uns ein. Mit vielen Wasserfällen, heißen Quellen, Seen und tiefen Fjorden. So wurden wir immer neugieriger und konnten den Abflug kaum noch abwarten. Dann - endlich ging es Los – auf nach Island. 

Gegen späten Nachmittag (Ortszeit) landeten wir in Keflavik. Und gleich wurden wir mit einer Besonderheit konfrontiert. In Keflavik kann man vor der Einreise schon zollfrei einkaufen. Unsere Planung war, mit dem Geländewagen einmal die Insel zu umrunden, da braucht man für "lauschige" Abende dann auch mal das eine oder andere Bierchen. Ich passte auf das Gepäck auf, Rolf besorgte so das Eine oder Andere, was gemäß den Reiseführern im Land recht teuer ist. Normalerweise schiebt "ER" mit dem Gepäck durch den Zoll, "SIE" trottet hinterher. In Keflavik schiebt "SIE" das Gepäck - "ER" schiebt den voll geladenen Einkaufswagen. Ein witziges Bild - trotzdem raten wir aber allen, sich an die Zollvorschriften zu halten. Dann auf zum Schalter des Autovermieters. Alles ging recht schnell und reibungslos vonstatten, schon saßen wir in unserem Wagen und auf ging es. Ziel - ein Hof in der Nähe von Borgarnes - zu unserem ersten Ferienhaus.

Wir nahmen die Umgehungsstraße um Reykjavik herum, Richtung Arkanes. Es ging durch den langen Tunnel unter dem Hvalfjörður durch, immer weiter auf der Ringstraße. Linkerhand hatten wir die Berge, rechterhand sahen wir Schären und Sandbänke. Dann die Abzweigung nach Borgarnes über eine lange Brücke. Jetzt noch einmal so um die 38 km - dann waren wir an unserem Ziel. Ein wirklich sehr schönes Ferienhaus wartete auf uns - mit eigenem Hot Spot.  Natürlich hatten wir am Flughafen nichts für ein Frühstück eingekauft, zu Abend gegessen hatten wir auch noch nicht. Also - 38 km zurück nach Borgarnes. An einer Tankstelle, die in Island scheinbar der Treffpunkt aller sind, fanden wir etwas zum Abendessen und so etwas wie einen Supermarkt. Alle Bedürfnisse wurden gedeckt, für ein tolles Frühstück am nächsten Morgen war gesorgt. So ging unser erster Tag zu Ende.

Oh Gott - was für Betten!!! Ich bin kaum aus dem Bett gekommen. Hingelegt und irgendwie in einer tiefen Kuhle versunken, versuchte ich zu schlafen. Eigentlich bin ich froh - die Nacht ist zu Ende. Der Himmel war grau und es hat geregnet. Ich hatte es doch gesagt - nur Regen! O.k. - erst einmal ein ordentliches Frühstück. Wir ließen uns Zeit und besprachen, was wir denn so machen wollten. Rolf hatte mir Wasserfälle versprochen - also sollte unser erstes Ziel der Glymur sein.

Der Glymur ist einer der höchsten Wasserfälle Islands, gute 198 Meter stürzt sich dieser Wasserfall zu Tal. Man muss schon etwas wandern, aber was für eine Landschaft. Durch eine Höhle hindurch, dann den Berg runter. Im Tal der Botsná überquerten wir den Fluss auf einem Baumstamm.

Nicht fallen - das Wasser ist EISKALT!

Zum Glück, etwas präpariert, so dass der geneigte Tourist nicht sofort Gefahr läuft ins Wasser zu fallen. Auf der anderen Seite dann wieder Bergauf - recht steil. Aber was für Ausblicke - trotz Regen, der immer mal aufhielt, ich war besänftigt aufgrund des spektakulären Ausblicks. Sobald man ein paar Schritte gemacht hatte, eröffnete sich ein weiterer, traumhafter Ausblick. Mal vernebelten die Wolken die Umgebung, dann klarte es wieder etwas auf - alles sah anders aus. Gute drei Stunden krabbelten wir durch die Gegend und möchten keine Sekunde missen.

Mittlerweile war es Mittag und nach der Kletterei hatten wir Hunger. Man hatte uns vorab schon gesagt, in Island sind Restaurants etc. nicht immer als solche zu erkennen. Wir machten uns also auf den Weg. Natürlich kamen wir so an der einen oder anderen Tankstelle vorbei, aber auf Hamburger und Co. hatten wir keinen Appetit. So fuhren wir durch die unglaubliche Landschaft ... und fuhren ... und fuhren - nur zum Essen kamen wir nicht.

Mit einmal tat sich schon wieder ein Highlight auf. Wir landeten bei den Hraunfossar - den Lavawasserfällen. Auf einer Breite von fast einem Kilometer quellen unzählige, kleine Wasserfälle aus einem Lavafeld und bilden richtig gehende Kaskaden, die sich in die Hvitá ergießen. Staunend wanderten wir umher, um dieses Schauspiel aus allen möglichen Perspektiven betrachten zu können.

Ganz in der Nähe, der Barnafoss - der Kinderwasserfall. Mit bemerkenswerter Geschwindigkeit schießt hier das Wasser durch ein Loch und bildet eine tosende, gurgelnde Stromschnelle. Die traurige Geschichte zum Barnafoss geht wie folgt: Als die Bewohner des Hofes Hraunsás zur Weihnachtsmesse fuhren, ließen sie zwei Kinder zurück. Als sie zurückkehrten, waren die Kinder verschwunden, aber ihre Spur führte zum Fluss. Sie sollen von einem natürlichen Steinbogen abgestürzt, in den Fluss Hvítá gefallen und ertrunken sein. Daraufhin ließ die Mutter den Steinbogen zerstören, damit sich eine ähnliche Tragödie nicht mehr ereignen kann.

Leider gab es auch hier nichts Essbares, so fuhren wir, mittlerweile doch stark Hungrig, weiter und schauten, was uns noch so zu entdecken gab. Wir hatten von Lavahöhlen gelesen, die hier ganz in der Nähe sind. Einige Male den Reiseführer studiert, weiter ging es. Die Straße als solche hörte auf und es ging auf Schotter weiter. Das waren wir ja aus anderen Ländern schon gewohnt. Dann kam ein Abzweig - war dieser gemeint? Es ging weiter auf die Berge zu. Wo sonst sollten Höhlen sein. Also nahmen wir diesen Weg und entdeckten so manches.

 Das Hinweisschild bei der nächsten Abzweigung verspracht ja so einiges. Nur - wir waren nicht im Winter unterwegs. Rolf meinte aber, lass uns mal schauen, was es in dieser Richtung so gibt.

Ich erwähnte es noch nicht - anderen Autos zu begegnen gehört in Island zu den Ausnahmen. Zumeist ist man allein auf den Straßen unterwegs.

Wieder eröffnete sich eine urige Landschaft. Unterwegs hielten wir dann einmal an und wanderten ein wenig abseits der Straße. Was soll ich sagen, gleich tat sich wieder ein kleiner Wasserfall auf. Die Steine waren mit Moos bewachsen und recht hübsche Blumen gab es auch. Leider bin ich in der Botanik nicht so bewandert, so habe ich keinen Schimmer, um was es sich handelte - aber es sah hübsch aus. Rolf baute dann noch eine Steinpyramide. Während der kleinen Wanderung gesellten sich nur noch ein paar Schafe zu unserem Wagen.

Am Horizont konnten wir sehen, schlechtes Wetter zog auf. Gleichzeitig kam aber an einer anderen Stelle die Sonne durch und wir erblickten zum ersten Mal den Gletscher Langjökull. Jetzt wurden wir erst richtig Neugierig und fuhren auf den Gletscher zu.

 Wir kamen an ein Hinweisschild - aber da ging keine Straße lang. Einige hundert Meter später gab es dann eine Straße die rechts ab ging. Da also durch, über eine Brücke und dann wieder geradeaus. Rechterhand sahen wir wieder einen wunderschönen Wasserfall. Rolf meinte aber, wenn Du jetzt jeden Wasserfall besuchen möchtest, dann sind wir noch mindestens zehn weitere Leben hier unterwegs. So ging es dann direkt an den Rand des Gletschers. Hier war auch die Station der Mounteneers, die mit großen Geländewagen die Touristen auf das Eis fahren. Muss eine spaßige Sache sein, aber zu dieser Zeit war hier kein Mensch mehr. Es ging also wieder zurück - wir suchten ja noch immer die Lavahöhlen.

An der ursprünglichen Abzweigung wieder angekommen schauten wir noch einmal in den Reiseführer. Da soll eine Brücke kommen und vor der Brücke rechts abbiegen. Die Brücke fanden wir dann und bogen ab. Aber weit und breit keine Höhle. Langsam wurde es ganz schön spät - aber aufgeben zählt ja nicht. Wir überquerten besagte Brücke, noch einige Meter - da kam dann ein Hinweisschild. Schön blöde waren wir, der Reiseführer ist von der anderen Richtung ausgegangen. Aber wir kamen dann doch zu unserem Ziel - den Höhlen Surtshellir und Stefánshellir.

Die Lavahöhlen von Surtshellir und Stefánshellir entstanden, weil sich die Oberfläche eines Lavastromes schnell abkühlte. Die Oberfläche bildete dann eine feste Kruste, unter der die flüssige Lava weiter floss. Zurück blieben lange Fließkanäle, die dann unterirdische Höhlen bildeten.

In beide Höhlen kann man hinein klettern. An verschiedenen Stellen ist die Decke eingebrochen. Aber es ist eine mühselige Kletterei. Man sollte schon ein sehr gute Helmlampe und vernünftiges Schuhwerk anhaben. Regendichte Kleidung ist auch ratsam, es tropft ziemlich von den Decken. Ich erwähnte ja schon die Helmlampe, diese setzt einen Helm voraus. Den hatte ich natürlich nicht, dafür eine schöne Beule. Vorsicht!

Surtshellir hat eine Länge von 1.900 Metern - immer mal wieder durch die eingebrochene Decke unterbrochen. Stefánshellir ist gute 1.600 Meter lang. Innen haben die Höhlen eine Höhe von ungefähr fünf bis zehn Metern. Wie gesagt, es ist ganz schön anstrengend über die Felsen zu klettern. Teilweise ist der Rand ganz glatt. Irgendwie erinnerte uns die Szenerie an eine eingestellte U-Bahn-Baustelle. Man sagt, früher haben sich hier auch Geächtete versteckt. Da die Steine, gerade im Inneren der Höhle, in allen möglichen Farben quasi leuchten, ist der Fantasie natürlich jeglicher Freiraum gegeben. Dann sieht man auch neben Kobolden auch Geächtete.

Für diesen Tag hatten wir nun wirklich genug erlebt. Trotzdem blieben viele Interessante Orte der Gegend von uns unentdeckt. Der Tag war einfach zu kurz. Da es aber langsam dunkel wurde, ging es zurück Richtung Borgarnes. Ach ja - wir hatten ja noch immer nichts gegessen. Aber die vielen Eindrücke haben uns glatt den Hunger vergessen lassen. An der Tankstelle machten wir wieder halt und haben dort, endlich, etwas zu Abend gegessen. Ich hatte einen ganz schönen Muskelkater von der ganzen Kletterei. Rolf meinte, dafür ist der Hot Spot gerade gut. Ich zierte mich aber ganz gewaltig, denn es war draußen ganz schön kalt. Aber er überredete mich. Erst einmal im warmen Wasser, wollte ich nicht wieder raus kommen, es war da draußen ja immer noch kalt. Aber drinn bleiben, ging ja auch nicht. Es war dann auch gar nicht so schlimm. Und der Muskelkater - tatsächlich - den habe ich kaum noch gespürt. Wir ließen den Tag dann noch einmal Revue passieren, dann ging es ab in die Schlafkuhle, anders kann ich das Bett nicht beschreiben.

Dank unserer Schlafkuhle wachte ich wie gerädert auf - da half dann auch das abendliche Bad im Hot Spot nicht mehr. Um den Tagesanfang noch zu toppen, es schüttete wie aus Kübeln. Auch das ausgiebige Frühstück half nicht, es schüttete immer noch. Aber, man möchte ja etwas erleben. So beschlossen wir die Halbinsel Snæfellsnes zu umrunden. Der Name leitet sich von dem Berg Snæfellsjökull her - also Schneeberghalbinsel. Natürlich ist dieser Berg auch ein Vulkan. Eigentlich sollte man ihn schon von Reykjavik aus sehen; dank des wunderschönen Wetters hatten wir ihn nicht einmal auch nur halbwegs in seiner Pracht erblickt. Man sagt auch, Snæfellsnes ist Island in Miniatur. Alle Reize von Island kann man hier im kleinen bewundern.

So fuhren wir los, erster Stopp - tanken. Auch ein kleines Abenteuer und doch soooo einfach. Fast überall kann man mit Kreditkarte bezahlen. Ungewöhnlich für uns, bei vielen Tankstellen muss man vorab angeben, wieviel Liter man tanken möchte. Das abzuschätzen, bei einem Wagen den man nicht kennt, ist aber nicht so ganz einfach. Keine Bange, die Endabrechnung stimmt schon. Wir hatten keine einzige Zapfsäule, wo es nicht zumindest eine Bedienungsanleitung in Englisch gab.

Jetzt immer der Nase nach die Straße abfahren. Mal wieder so gut wie kein anderes Auto, aber Regen - eine wahre Pracht. Wir fuhren vorbei an den bis zu 900 m hohen Bergen. Dann kamen wir an das erste Lavafeld. Eine urige Landschaft, zumal wir durch den Regen alles wie durch einen Schleier sahen. Schwarzes Gestein, aber Moos bewachsen. Sofort ging die Fantasie wieder mit uns durch. Das gebe ich jetzt aber nicht zum Besten, sonst ruft noch jemand die Herrschaften mit den "Ich hab mich lieb Jacken". Das Spiel aus Licht, Wolken dem Gestein und den Pflanzen.... Wir haben versucht dies auf unseren Fotos festzuhalten - es ist uns aber nicht gelungen.

Arnastapi ist ein kleiner, hübscher Ort. Der Hafen ist von Felsen geschützt, schaut man die Küstenlinie entlang, entdeckt man immer wieder kleine Wasserfälle, die sich über die Klippen ergießen. Eine sehr weite Sicht hatten wir nicht, aber man hat schon einen tollen Eindruck bekommen. Wir entdeckten am Hafen schmale Säulen, die die Brandung von der Lava übrig gelassen hat. Ein anderer Fels war schon etwas größer, eigentlich noch ein kleiner Berg, aber mitten im Meer. Hier gab es eine Menge Vögel zu sehen. Eigentlich wäre es die Küste wert gewesen, einen Spaziergang zu machen - aber der Regen.

Weiter ging es an der Küste entlang. Und - oh Wunder - es hörte auf zu regnen. Wir waren kurz vor Malrif und sahen an der Küste so etwas wie ein Schloss. Nein, wir hatten keine Haluzinationen. Kurzerhand hielten wir auf einen Parkplatz und machten einen kleinen Spaziergang. Da wir immer wieder etwas neues an der Steilküste entdeckten, wurde der Spaziergang länger und länger. Das Schloss, dass wir von der Straße aus sahen, war natürlich nicht wirklich ein Schloss. Aber die Felsformation sah nun mal für uns so aus. Je näher wir kamen, umso mehr Formen erkannten wir.

Je nachdem, aus welcher Perspektive man schaute, sah man mal einen Drachen, einen Kobold und andere Fabelwesen. Es muss sich eindeutig um ein Koboldschloss gehandelt haben. Mittlerweile hatten wir uns ganz gut vom Auto weg bewegt. Was passierte - es fing wieder an zu regnen. Natürlich waren die Regenhosen im Auto. Trotzdem entdeckten wir auf dem Rückweg auch immer noch etwas, so dauerte es eine Weile bis wir wieder beim Auto waren - natürlich total durchnässt. Was hat uns das gelehrt? Verlasse in Island nie einen trockenen Unterstand oder das Auto ohne Regenkleidung. Schön, dass Regen halt nur Wasser ist und alles wieder trocknet.

Nach einiger Zeit waren wir also wieder halbwegs getrocknet und haben in Ólafsvík eine verspätete Mittagspause eingelegt. Auf den Weg dorthin sind wir am höchsten "Bauwerk" von Island vorbei gekommen. Eine Antenne einer amerikanischen Radar- und Wetterstation. Was man in Island immer gut bekommt sind Hot Dogs - schmecken echt prima, sind nicht teuer und der erste Hunger ist weg. Der Ort machte einen ganz gemütlichen Eindruck auf uns mit tollem Blick auf einen Berg mit Namen Enni. Ein paar nette Häuser gab es dort auch anzusehen. Ansonsten war in dem Handelszentrum für die Landwirte der Umgebung und dem Fischereihafen nicht viel zu sehen. Der Regen setzte wieder ein. Die gesamte Küste machte einen tollen Eindruck und es war schade das es so geregnet hat. Gerne wären wir öfter mal auf Erkundungen gegangen. Mittlerweile befanden wir uns ja auf der Nordseite der Insel. Jetzt war die Küstenlinie oft durch Fjorde eingeschnitten. Es ging über einige Brücken, die die Fahrt durch die Fjorde erleichterten. Wieder beeindruckte das Spiel aus Licht, Wolken und der Landschaft. Aber zum Aussteigen hat das Wetter wirklich nicht eingeladen. Dann waren wir mit einmal schon in Stykkishólmur. Schon auf dem Weg dorthin ist uns die Schärenlandschaft aufgefallen. So bezieht sich auch der Name des Ortes auf die Schären. Stykkið = Schäre. Groß geworden, immerhin heute ca. 1.111 Einwohner (damit einer der großen Orte in Island), ist der Ort durch Fischerei und Schiffbau. Einige sehr schöne alte Häuser gibt es in der Nähe des Hafens. Am nächsten Tag schon sollten wir den Ort wieder sehen, immerhin geht von hier die Fähre nach Flatey und Brjánslækur. Wir schauten uns den Ort näher an und genossen eine schöne Tasse Kaffee.

Unsere Fahrt ging jetzt noch ein wenig die Küste entlang, dann bogen wir ab Richtung Borgarnes. Wir kamen durch eine wieder völlig anders aussehenden Gegend. Viele Seen gab es und wir durchquerten ein riesiges Lavafeld, umgeben von Bergen. Dann waren wir fast wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen. Wir fuhren noch nach Borgarnes rein und kauften etwas zum Abendessen ein. Heute wurde selbst gekocht. Dabei hatten wir eine gute Portion Spaß. Wie das halt so ist, wenn man nicht in seinen eigenen Haushalt wirtschaftet. Das Kartoffelschälmesser war derartig stumpf - Rolf nahm das größte Messer, was es gab und schälte tapfer die kleinen Kartoffeln. So ganz nebenbei, man kann sich wirklich sehr gut selbst versorgen. Die Supermärkte lassen eigentlich keinen Wunsch offen. Obwohl das Gericht schon zig mal zu Hause gekocht wurde, es schmeckte total anders, war aber trotzdem lecker. Kein Ahnung woran das lag. Jetzt wartet nur noch die Schlafkuhle.

Kaum zu glauben - der Tag begann mit Sonnenschein. Gleich sah die Umgebung völlig anders aus. Wieder dieses Phänomen, andere Wolkenbildung, anderes Licht und alles sieht anders aus. Das ist uns so noch in keinen anderen Land aufgefallen. Ein letztes Frühstück in unserer idyllischen Hütte, dann machten wir uns auf den Weg nach Stykkishólmur. Mit der Fähre wollten wir nach Brjánslækur. So kamen wir auf einem relativ schnellen Weg mitten in die Westfjorde. Einen Teil der Strecke hatten wir ja schon am Vortag zurück gelegt. Aber bei Sonnenschein sah alles ganz anders aus. Wir sind nur erheblich früher Richtung Norden abgebogen. Wunderschöne Täler eröffneten sich. Eine wilde, karge Landschaft - wieder mit großen Lavafeldern. Natürlich sind wir unterwegs angehalten und haben die Landschaft bewundert.

  Trotz der Tatsache, dass wir erst recht spät von unserer Hütte gestartet sind und unterwegs einige Male angehalten hatten, kamen wir gegen Mittag in Stykkishólmur an. Nachdem wir uns die letzten Tage von Hot Dogs, Hamburgern und unserem selbst gekochten Essen ernährt hatten, nahmen wir jetzt die Gelegenheit war einmal in einem netten Restaurant unser Mittag zu genießen. In einem der alten Häuser des Ortes fanden wir dann auch ein ganz gemütliches Restaurant. Natürlich sind wir, gestärkt vom Mittagessen, dann auch auf das Kliff am Fährhafen geklettert. Eine tolle Aussicht über den Ort und den Breiðafjörður mit seinen Schären und Inseln. Dann ging es aber auch schon auf die Fähre.

Nachdem die Fähre den Hafen verlassen hatte wurde es ganz schön kalt und windig. Wir hatten aber gelernt und unsere Regensachen angezogen. Die halten auch sehr gut den Wind ab, so verbrachten wir die gesamte Überfahrt an Deck. Tausende von Inseln, Schären und Felsen gibt es in dem "Breiten Fjord". Früher waren noch sehr viele von den Inseln bewohnt, heute gibt es nur noch wenige besiedelte Inseln. Die abtragende Kraft der sich zurückziehenden Gletscher und die Kraft der Brandung ließen diese Inseln entstehen. Sehr viele Vögel konnte man auf der Fahrt bewundern und auch ganz gut Fotografieren.

Unterwegs hielt die Fähre bei der Insel Flatey. Diese ist noch bewohnt und man kann hier aussteigen und übernachten. Die kleine Siedlung besticht durch ihre bunt bemalten kleinen Häuser. Auf uns machte die Insel aber einen zu ruhigen Eindruck. Innerhalb kürzester Zeit hat man alles gesehen. Für Geschichtsinteressierte ist Flatey vielleicht schon ein Ziel, wude hier die größte alle isländischen Handschriften und entstand vermutlich Ende des 14. Jahrhunderts. Auch Vogelkundler kommen auf ihre Kosten. Angeblich soll man auch Seehunde beobachten können. Wir sahen keine.

Der Halt in Flatey dauert wirklich nur einige Minuten. Weiter ging die Fahrt durch den Fjord. Die Wolken und das Licht - wieder sah die Landschaft jede Minute anders aus. Wir kamen auf die Westfjorde zu, die Landschaft spiegelte sich richtiggehend im Wasser. Wieder versuchten wir die Eindrücke auf einem Foto festzuhalten. Aber so richtig wollte uns das nicht gelingen. Nach guten 2 1/2 Stunden waren wir dann in den Westfjorden angelangt. Der Fähranleger ist in Brjánslækur - eigentlich nur ein Hof in den Westfjorden. Viel zu sehen gibt es direkt dort also nicht.

Die Westfjorde warten jetzt auf uns - oder wir auf die Westfjorde. Noch gute 60 km bis Breidavik, unserer Unterkunft für die nächste Nacht waren zu fahren. Zunächst an der bezaubernden Küste entlang, dann über einen Pass. An der Küste entlang hieß es ganz schön aufpassen, Schafalarm. Ja, die Schafe laufen in Island überall herum und man muss gut aufpassen. Die haben das nicht so mit dem Links und Rechts schauen, ob ein Auto kommt. Auf dem Scheitelpunkt des Passes gab es einen Parkplatz mit riesigen Denkmal. Hier machten wir eine kleine Pause und genossen die tolle Aussicht. Jetzt aber zum Endspurt.

Vom Pass herunter kommend folgten wir erst die Küstenlinie (oder Fjordlinie - keine Ahnung, welcher Ausdruck richtig ist). Die schöne Straße löste sich in wohlgefallen auf und wir fuhren über eine Piste die mit jeden Kilometer schlimmer wurde. Genug Erfahrungen mit schlimmen Pisten haben wir ja bereits, diese gehört noch nicht in die Top 10 Liste - aber anstrengend ist das fahren schon gewesen. Man muss halt höllisch konzentriert fahren. Nicht zu langsam, dann holpert es nur noch schlimmer - aber nicht zu schnell, sonst hat man den Wagen gar nicht mehr unter Kontrolle. Unterwegs kamen wir an großen Sanddünen vorbei. Das sah mit einmal gar nicht wie Island aus. War aber sehr, sehr schön. Mit einmal stand ein Flugzeug der US Navy vor uns. Wohl ein Überbleibsel aus dem kalten Krieg, wo die Amerikaner Stützpunkte auf Island hatten. Wir waren an einem Hof, an dem es neben dem Flugzeug auch noch ein Boot und alte LKW gab. Alles war in einen guten Zustand, uns würde es nicht überraschen, wenn alles auch noch funktioniert. Jetzt waren es nur noch 10-15 Minuten, dann kamen wir zur Farm Breidavik, unserem Tagesziel.

Breidavik ist eine richtige Schaf-Farm mit ungefähr 700 Schafen. Gleichzeitig ist es aber auch Hotel. Absolut einsam gelegen, weit ab von jeder Stadt. Die etwas teureren Hotelzimmer sind in umgebauten 20' Containern untergebracht. Die Zimmer sind sehr zweckdienlich und ganz gut. Nur das Bild der aufgereihten Container will irgendwie nicht in die traumhafte Landschaft passen. Dann doch eher die kleine Kirche, die auch zur Farm gehört.

Das Highlight der Farm ist aber der Strand. Ein wahrer Traum! Kilometer weit geht es nach rechts und links - nichts außer Natur und so gut wie keine Menschenseele. Man kann sich fast einen Südseestrand vorstellen, nur ohne Palmen. Bedeutet - feiner, heller Sandstrand. Nicht wie sehr oft sonst in Island, schwarzer Lavasand. Wir erlebten hier einen Sonnenuntergang - auch mit nichts anderen zu vergleichen.

Zum Glück gibt es hier auch Abendessen. Eine eigene Küche ist natürlich nicht in den Zimmern. Wie in Island üblich wird aber spätestens um 19.30 h gegessen. Danach gibt es halt nichts mehr. Wie sagte schon meine Mutter: "Wer nicht kommt zur rechten Zeit ...."

Bis zum Sonnenuntergang war es sogar recht warm. Aber gleich danach - oh war das kalt. Da der Abend aber noch nicht so weit fortgeschritten war zogen wir uns etwas über und machten nach der langen Auto- und Fährfahrt einen richtig langen Spaziergang über den Strand. Sternenklarer Himmel machte das ganze zu einen Genuss. Das absolute Highlight aber - wir sahen tatsächlich ein Polarlicht. Erst wollten wir es gar nicht glauben, aber es war tatsächlich ein Polarlicht. Was für ein Anblick! Leider hatten wir diesen Abend keinen Fotoapparat mit. Schade!

Dann war es Zeit ins Bett zu gehen. Oh nein - wieder kein Bett, auch keine Schlafkuhle - das war ein Schlafschacht. Das Zimmer sah recht neu aus - aber dieser Schlafschacht - das ging gar nicht. An Schlaf war so gut wie gar nicht zu denken. Die halbe Nacht verbrachte ich damit das Bett irgendwie so hinzubauen, das man Schlafen konnte. Irgendwann siegte dann die Erschöpfung, aber von Erholung keine Spur. Obwohl es wirklich schön in Breidavik ist, in Anbetracht dieser Schlafstätte waren wir froh, nur eine Nacht hier gewesen zu sein.

Etwas müde, an Schlaf war ja, wie schon erwähnt, kaum zu denken, ging es am nächsten Morgen erst einmal zum westlichsten Punkt Islands nach Látrabjarg, der größten Steilklippe Islands. Wir kamen noch einmal durch eine wunderschöne Bucht, dann ging es bergauf und wir standen auf einer Klippe mit Leuchtturm. Hier soll man auch sehr gut Vögel beobachten können, vor allem Papageientaucher. Wir sahen auch eine Menge Möwen, nur keine Papageientaucher und das Beobachten war schwierig. Es war so windig, wir waren froh, nicht über die Klippe zu fallen. So hielten wir uns nur recht kurz hier auf und brachen dann zum nächsten Tagesziel auf - Ísafjörður.

Die ganze Holperstrecke vom Vortage ging es erst einmal wieder zurück. Ein kurzes Stück konnten wir dann eine schön asphaltierte Straße genießen, dann ging es wieder weiter auf Sandpisten. Immer an den Fjorden entlang, eine traumhafte Kulisse, sind doch die Fjorde eingerahmt von majestätisch aussehenden Bergen. Da musste ich schon ganz schön beim Fahren aufpassen. Beides zusammen, die Landschaft anschauen und Auto fahren, das ging nicht so gut. Also hielten wir immer mal wieder an. Überall gab es einen Wasserfall zu sehen, einen schönen Fluss oder eine tolle Bucht. Rolf hatte Recht, man kann nicht alle Fotografieren und genau betrachten, dann kommt man in Island wirklich nicht voran. Da die Westfjorde wahrlich nicht dicht besiedelt sind, fuhren wir zumeist durch einsame Gegenden, ohne eine Menschenseele zu sehen. Verkehr, den gab es eigentlich gar nicht. Ab und an begegnete uns mal ein anderen Auto. Dafür lernten wir das Achtung Schild für auffliegende Vögel kennen. Manchmal konnte man die Fahrt direkt an einem Fjord entlang abkürzen indem man über einen Pass fuhr. Wieder beeindruckende Ausblicke und wieder tat sich in der Ferne ein Gletscher auf. Geologisch gesehen sind die Westfjorde der älteste Teil von Island. Hier gibt es weniger Erdbeben, aber auch heiße Quellen, wie im Rest des Landes.

Wir kamen in das Naturschutzgebiet Dynjandisheiði und fuhren an den Arnarfjörður Fjord. Hier stürzt sich der Dynjandifoss über viele Stufen gute 100 Meter in die Tiefe. Dabei wird er von Stufe zu Stufe immer breiter. Von weitem hört man das Dröhnen des Wasserfalles, was denn auch gleich wieder auf den Namen schließen lässt. Dynjandi bedeutet soviel wie der Dröhner. Früher einmal hieß der Wasserfall Fjallfoss. So wird er in einigen Reiseführern auch beschrieben, also nicht verwirren lassen.

Wie fast die gesamte Landschaft, so verdankt auch dieser Wasserfall sein entstehen der letzten Eiszeit. Aufgrund ihrer großen Masse konnten sich die Talgletscher mehr eintiefen als die Gletscher der Nebentäler. Nachdem nun die Eismassen abgeschmolzen sind, blieben an den Nebentälern Gefällestufen zurück. Über viele dieser Einkerbungen fließen heute Flüsse und Bäche in die Tiefe. Unterhalb des Wasserfalles gibt es einen Parkplatz. Als wir ankamen, standen hier tatsächlich einige Autos. Unter anderem war auch eine große Gruppe Hobbyfotografen dabei. Daher nahmen wir erst einmal den Fußweg hinauf zum Dynjandi. Auf dem Weg liegen noch fünf kleinere Wasserfälle, alle mit Namen versehen (Hundafoss, Strokkur, Göngumannafoss, Hrísvaðsfoss und Sjóarfoss). Wieder haben wir viel gesehen und die wunderbare Aussicht genossen. Auf den Weg abwärts kam dann auch ganz toll die Sonne durch. Zurück am Parkplatz stellten wir fest, kein Mensch mehr da. Wir ließen noch eine ganze Weile den Wasserfall auf uns wirken. Neben dem Parkplatz ist ein kleiner Campingplatz mit Toilettenhäuschen - auch das Thema war dann abgehakt - auch diese Toilette war super sauber. Auch wenn ich jetzt etwas vorgreife, auf der gesamten Reise ist uns nur eine dreckige Toilette begegnet. Egal wie einsam die Gegend auch war, oder ob viele Menschen zugegen waren oder nicht, die Toiletten waren immer sauber. Es war dann aber doch Zeit, unseren Weg nach Ísafjörður fortzusetzen.

Es ging also weiter - immer den Fjorden entlang. Man kann sich einfach nicht sattsehen an dieser Landschaft. Die Hauptstadt der Westfjorde, so bezeichnet man Ísafjörður, kam immer näher.

Kurz vor Ísafjörður gibt es dann ein tolle Abkürzung, einen 9.120 m langen Tunnel, der die Fahrt über den Pass überflüssig macht. Kaum in den Tunnel her eingefahren, was für ein Schreck. Mit einmal stand direkt vor mir ein Auto.

Ich hatte mich so erschrocken, dachte ich im ersten Moment an einen Fahrfehler. Hatte ich einen Hinweis übersehen und bin jetzt ein Geisterfahrer? Nein - ich hatte schon alles richtig gemacht. Der Tunnel ist einspurig, für die talaufwärts fahrenden Autos

gibt es Ausbuchtungen (mit einem M gekennzeichnet), hier fahren die rein und dann kommt man vorbei (hoffentlich kommt kein LKW mit Überbreite). Trotzdem ein uriges Gefühl. Mitten im Tunnel gibt es sogar noch eine Abzweigung nach Suðureyri.

Am Ende des Tunnels eröffnete sich dann der Skutulsfjörður. Ein toller Blick über die Stadt und den Ort wurde uns beschert. Hier wohnten wir in einem richtigen Hotel und checkten erst einmal ein.  

Wir hatten es ja schon erwähnt, mit seinen guten 4.000 Einwohnern ist Ísafjörður die größte Stadt der Westfjorde. Der Ort selbst liegt auf einer Sandbank, eingefasst von den schroff abfallenden Hängen des Eyrarfjall und des Kirkjubólsfjall. Durch das stetige aufschütten der Sandbank wurde die Stadt kontinuierlich vergrößert, dabei entstand der geschützte Hafen. Die Geschichte des Ortes geht bis 920 zurück, aus dieser Zeit stammen erste Aufzeichnungen. Der älteste Teil des Ortes, mit schönen Häusern, stammt aus der Zeit des dänischen Handelsmonopols. Heute bilden diese Häuser ein kleines Freilichtmuseum. Zu einem gewissen Wohlstand kam die Stadt durch die Fischerei. Heute ist die Haupteinnahmequelle der Tourismus.

Durch den Ort ist man recht schnell geschlendert. Es gibt schöne Einkaufsmöglichkeiten und eine gute Auswahl an Restaurants. Immer wieder gibt es hübsche, kleine Häuser zu sehen, neben den Gebäuden der Moderne. Immer wieder fällt der Blick auf die Kirche des Ortes, eigenwillig gebaut und ockerfarben. Wir können es wohl nicht verhelen, sobald ein Ort einen Hafen hat, zieht es uns auch immer gleich dort hin. Natürlich lagen vornehmlich kleine Fischerboote im Hafen, aber wir sahen auch einen Walfänger, was uns nicht so glücklich gemacht hat. Die Kinder des Ortes sind wirklich hart gesotten. Was macht man im Sommer, baden gehen. Mittels Trockenanzug scheut sich auch die Jugend des Ortes nicht, die Freizeit mit einem Sprung ins kühle Naß zu verbringen. Warum sollten die Kid's hier auch anders sein, als irgendwo sonst auf der Welt.

Wir nahmen die Empfehlung der netten Dame an der Rezeption unseres Hotels an und gingen zum Abendessen in das Restaurant beim Freilichtmuseum. Wir wurden erst einmal begrüßt mit der Nachricht, das Boot ist noch nicht da, daher wissen wir noch nicht was es zum Abendessen gibt. Dann kam man aber mit einer Tafel mit Fischbildern, sagte uns, was es für Fisch gibt und wir suchten uns etwas aus. Fazit des Abendessens war, wir hatten noch nie so guten Fisch gegessen. Für uns ein gelungener Abend. Noch einmal bummelten wir durch die Stadt, jetzt bei absoluter Dunkelheit. Man mag es kaum glauben, das Bett im Hotel konnte man wirklich als ein solches bezeichnen. Endlich einmal vernünftig schlafen, was für eine Wohltat.

Schön ausgeschlafen ging unsere Reise weiter Richtung Osten. Am Flugplatz vorbei, entlang des Fjordes verließen wir Ísafjörður. Der nächste Fjord hieß Álftafjörður an dem der Ort Sudavik liegt. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Insel Vigur. Die Fjorde sind zum größten Teil tief in das Land eingeschnitten. So fährt man Kilometerweit erst landeinwärts, auf der anderen Seite dann die ganze Strecke wieder zurück. Da schläft einem schon mal der Fuß für das Gaspedal fast ein. Immer geradeaus, immer im gleichen Tempo. Tipp von mir, Tempomat einschalten, dann wird der Fuß auch mal etwas entlastet und man fährt nicht ausversehen viel zu schnell. Auf der anderen Seite aufpassen, ab und an muss man doch auf die Straßenverhältnisse reagieren. So umfuhren wir den Hestfjörður (nur 1,5 Kilometer breit reicht aber 12 Kilometer weit in das Land - man fährt satte 15 Kilometer um tatsächlich 1,5 Kilometer weit zu kommen), den Skötufjörður und dem Mjóifjörður. Wir sind dann gute 35 km Luftlinie weg von Ísafjörður, aber satte 140 km gefahren.

Unterwegs hatten wir einen Blick auf die Küste von Snæfjallaströnd und sahen den Gletscher Drangajökull, den nördlichsten Gletscher von Island. Etwas genauer gesagt, wir sahen die Gletscherzunge die in die Kaldalòn Bucht hinabreicht. Als wir an der Landzunge bei Reykjanes ankamen, entschlossen wir uns einen Abstecher zu dieser Gletscherzunge zu machen. Sehr weit hatte sich das Gletschereis zurückgezogen, überall stürzten kleine und etwas größere Wasserfälle zu Tal.

Wir wanderten eine ganze Weile auf die Gletscherzunge zu, da fing es an wie aus Kübeln zu schütten. Außerdem ließ uns jetzt doch die Zeit davon, so mussten wir etwas verfrüht wieder umdrehen. Auf dem Rückweg ist uns tatsächlich jemand begegnet. Ein älterer Herr, der uns erklärte, wo wir jetzt stehen war noch vor einigen Jahren die Gletscherzunge (wir waren bestimmt 3 km weit entfernt). Er müsse noch bis zur Gletscherzunge und messen, wie weit sich das Eis zurückgezogen hat. Wir meinten, es wäre doch traurig, dass sich die Landschaft so verändert. Daraufhin erzählte er uns, letzten Nachmittag ist eines seiner Schafe gestorben, aber schon heute Nacht wurde ein neues geboren. Recht tiefsinnige Geschichte.

Nach dem Ausflug also weiter Richtung Drangsnes. Wir fuhren durch eine Seenlandschaft, eine völlig abgelegene Landschaft. Eine Trollfrau mit Robbenkopf mit Namen Selkolla soll hier ihr Unwesen treiben. Wir sind ihr aber nicht begegnet und überquerten die Halbinsel unbeschadet. Zu dem Ort Drangsnes gibt es eine schöne Geschichte, die wir vor unserem Hotel lesen konnten (hier war einer der Punkte, wo diese Sagen oder Geschichten dargestellt werden - zig-fach findet man auf Island diese Hinweisschilder). Eine Trollfrau wurde bei dem Versuch, einen Graben zwischen den Westfjorden und den restlichen Island schaufeln zu wollen, nicht fertig. Sie grub zu langsam und wurde von der aufgehenden Sonne überrascht.

So wurde sie sofort zu Stein - die vorgelagerte Insel Grimsey ist entstanden. Der Ort ist wirklich klein und abgelegen. Das einzige Restaurant war bei unserem Hotel. Man war gerade dabei Fische zu schlachten und zu filetieren als wir ankamen. Auf die Frage, ob wir Fisch essen, antworteten wir sofort mit ja und suchten uns gleich etwas schönes aus. Kurz wurde die Zeit für das Abendessen abgesprochen, so war der wichtige Teil der Nahrungsmittelaufnahme gesichert.

Wir schlenderten durch den Ort, der durch eine Salzfischfabrik geprägt ist. Am Strand gibt es den öffentlichen Hot Pott, der Ort hat aber auch ein richtiges Schwimmbad. Das war es denn auch schon. Das Abendessen war köstlich und wir ließen den Tag langsam ausklingen. Zu unserer Freude - auch hier gab es vernünftige Betten.

Wir verließen die Westfjorde, eine Strecke von guten 348 km lag vor uns. Zunächst war die Straße noch eine Sandpiste, wir kamen dann aber bald auf die an dieser Stelle gut ausgebaute Ringstraße. Der Verkehr ist ja nicht das Problem am vorankommen, so flogen die Kilometer nur so dahin. Immer durch eine beeindruckende Landschaft die faszinierte.

Kurz vor der Halbinsel Vatnsnes wollten wir noch zu den Wasserfällen in der Schlucht von Kolugljufur. Dann wollten wir weiter über eine Strecke die am Hochland knapp vorbei führt. Wir sind auch eine Weile vorwärts gekommen. Unterwegs konnten wir beobachten, wie die Schafe von den Bergen herunter getrieben wurden. Leider war die Straße dann gesperrt. Ein anderer Trail hätte uns weiter ins Hochland gebracht und wir wären dann nach Akureyri gekommen, aber dafür hätten wir zu lange gebraucht. Also sind wir umgedreht und schauten uns dafür die Halbinsel Vatnsens genauer an. Hier sollte man auch recht gut Robben beobachten können - wieder einmal sahen wir nicht eine einzige. Dafür hatten wir einen schönen Blick auf einen Schafpferch in der Nähe von Hamarsrétt. Auch hier wurden die Schafe zusammen getrieben.

Viele Pferde gab es auch zu sehen, die auch gerne mal auf die Straße gelaufen sind. Nicht nur auf die Schafe aufpassen, auch auf die Pferde! Wir fuhren um die gesamte Halbinsel herum. Machten aber noch einen Abstecher über eine Holperpiste nach Borgaviki (Burgdorf). Basaltsäulen von 10 - 15 Meter Höhe umschließen kreisförmig eine Mulde. So war schon eine natürliche "Burg" vorhanden. Diese natürlichen Basaltsäulen wurden dann noch einmal durch weitere Gesteinslagen von 1- 2 Meter Höhe und bis zu 30 Meter Länge aufgestockt. In der Mitte kann man die Reste von 2 Hütten erkennen, die vermutlich aus der Wikingerzeit stammen. Die Burg ist in mindestens zwei Sagen schon beschrieben, was auf eine Entstehung schon vor der Wikingerzeit hindeutet. Klettert man ganz nach oben, gute 177 Meter Höhe, wird man durch einen grandiosen Ausblick auf die Umgebung belohnt.

Man muss aber schon Trittsicher sein, um ganz nach oben zu klettern. Wir umfuhren die gesamte Halbinsel und mussten uns jetzt beeilen, um noch zu einer halbwegs zivilisierten Zeit bis nach Akureyri zu kommen. Wir nahmen die Ringstraße und dann ging es wieder immer der Nase nach. Die Landschaft wechselte sich ab, die Wolken und das Licht machten den Rest. Ein paar mal haben wir angehalten, unter anderem an einer schönen Schlucht. Natürlich mußten wir auch mal Tanken, diese Unterbrechnung nutzten wir auch um uns einen Hot Dog zu genehmigen - soviel Zeit muß sein. Aber für weitere Unternehmungen war die Zeit wirklich zu knapp.

Gegen Abend kamen wir dann in Akureyri an. Natürlich fuhren wir erst einmal an der Stelle vorbei, an der wir den Schlüssel für die Hütte abholen sollten. Fehler bemerkt - Fehler behoben. Etwa 2 km vor Akureyri befand sich die Hütte direkt am Fjord. Da Akureyri ein größerer Ort auf Island ist, sind wir zum Abendessen in den Ort gefahren. Wir fanden ein tolles italienisches Restaurant und genossen unser Abendessen. Leider war die Hütte nicht ganz so toll, die Betten glichen wieder mehr Schlafkuhlen. Aber für drei Nächte sollte es denn schon gehen, solange wollten wir in Akureyri bleiben.

Akureyri ist eine Hafenstadt, gelegen am Eyjafjörður der weit in das Land hineinreicht. Mit seinen knapp 20.000 Einwohnern ist Akureyri das zweitgrößte Ballungsgebiet von Island dar. Wir waren im Norden von Island angekommen und nur 50 km weit vom Polarkreis entfernt, der über der Insel Grimsey verläuft. Ab und an wird die Stadt auch von großen Kreuzfahrtschiffen angesteuert. Wir nutzten die Stadt um die Umgebung mit ihren vielen interessanten Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

Wir fuhren Richtung Mývatn, unser erster Halt war aber der Godafoss, einem der bekanntesten Wasserfälle von Island. Das Wasser des Skjálfandafljót stürzt über einer Breite von ca. 30 m etwa 12 m in die Tiefe. Beeindrucken wie sich die Wassermassen donnernd über die Fallkante stürzen.

Godafoss bedeutet Götterwasserfall und hat seinen Namen aus der Kristni Sage. Der Gode Þorgeir, Gesetzessprecher auf einer Pingsitzung sprach sich, wohl aus politischen Gründen, für die Annahme des Christentums als offizielle Religion aus. Der norwegische König Olaf drohte mit einem Holzembargo, sollten die Isländer sich weiter den heidnischen Gebräuchen widmen. Ohne den Holzimport wären die Isländer aber ziemlich aufgeschmissen gewesen, unter anderem wäre der Schiffbau zum erliegen gekommen. Um den Übertritt zu bezeugen, warf Þorgeir nach der Pingsitzung seine Götterbilder in den nächsten Wasserfall der seitdem seinen Namen hat - Goðafoss . Geht man von den Hauptfällen etwas zurück in Richtung Ringstraße, kommt man noch an einigen schönen Aussichtspunkten vorbei. Nur hier kann man die Naturbrücken und Höhlen ansehen, die das Wasser im Laufe der Jahrhunderte geformt hat.Vom gegenüberliegenden Ufer hat man dann nochmal eine andere Perspektive auf den Godafoss.

Wir fuhren weiter Richtung Mývatn durch eine grüne Anhöhe. Hier gibt es einen kleinen Parkplatz von dem aus man noch einmal einen wunderschönen Blick auf den Wasserfall hat.

 Der Mývatn ist ungefähr 100 km von Akureyri entfernt und kann als einer der Höhepunkte einer jeden Islandreise angesehen werden. Übesetzt bedeutet Mývatn der Mückensee - diese, in Island nicht stechenden, Plagegeister sind aber auch eine gute Beute für Fische und Vögel. So ist der Mückensee auch für seine Artenvielfalt bekannt.

Entstanden ist der See durch einen Vulkanausbruch vor 3.800 Jahren. Die ausfließende Lava verschloss das Mývatnbecken, so konnte der See entstehen. Sein heutiges Aussehen verdankt der See einen weiteren Vulkanausbruch vor 2.000 Jahren. Heute hat der See eine Fläche von 37 qkm mit einer Uferlänge von 70 km. Tief ist der See nicht gerade, die mittlere Wassertiefe beträgt 2,5 - die größte Tiefe beträgt 4,5 m. Neben zwei Zuflüssen mit kaltem Wasser, wird der See aber noch von Quellen unter dem durchlässigen Untergrund mit ca. 20°C warmen Wasser gespeist. Daher friert der See im Winter auch nicht vollständig zu.

Das ganze Gebiet ist auch heute noch vulkanisch aktiv, da die Grenze zwischen der Eurasischen und der Amerikanischen Kontinentalplatte hier verläuft.In dieser Gegend finden sich extrem viele Arten von unterschiedlichen Vulkankratern, ungewöhnliche Lavaformationen, kochende Schlammtöpfe und farbenfrohe Geothermalgebiete. Kürzer ausgedrückt - es gibt sehr viel zu entdecken.

Der erste Blick auf den See mit den Bergen im Hintergrund, ein Erlebnis für sich - wirklich beeindruckend. Wir fuhren am See entlang bis Reykjahlid. Hier machten wir einen kurzen Stopp, hier gibt es eine Touristeninformation und eine Supermarkt. Der hat auch am Sonntag geöffnet. Wir kamen an einem Samstag Abend in Akureyri an und hatten vergessen einzukaufen. Kann man überall in Island etwas vernünftiges an den Tankstellen kaufen, in Akureyri war das nicht so. Kaffee und Filtertüten haben wir bekommen, aber Toast und Eier, oder etwas ähnliches für ein vernünftiges Frühstück - Fehlanzeige. Da waren wir natürlich glücklich, wir konnten unsere Vorräte auffüllen. Super - dann ging es weiter auf Entdeckungstour.

Eines der bekanntesten Solfatarengebiete von Island ist das von Námaskjað (in einigen Quellen wird das Gebiet auch Hverarönd genannt). Was ist eigentlich ein Solfatar? So nennt man Stellen, an denen Wasserdampf, richtiger Schwefel und andere Mineralien aus der Erde austreten. Hier finden wir laut blubbernde Schlammtöpfe und zischende Hügel aus denen Dampf austritt. Das ganze wird begleitet durch den Geruch fauler Eier, dem Schwefelgeruch. Die Schlammtöpfe haben eine Farbgebung von lebhaft schwarz/grau bis blau. Daneben sind in allen möglichen gelblichen Tönen die Schwefelablagerungen. Um das ganze abzurunden, auch noch rötliche Farbe durch das austreten von Eisenoxiden. Der Boden ist warm bis heiß und man sollte sich nicht von den ausgeschilderten Pfaden bewegen. Teilweise kann der Boden bis zu 100 °C heiß sein. Das hält keine Schuhsohle aus, also Vorsicht. Außerdem soll das Gebiet auch noch möglichst lange erhalten bleiben.

Direkt hinter dem Solfatarengebiet (vom Parkplatz aus gesehen) ist der Námafjall, der Bergwerksberg. Seinen Namen verdankt er dem Schwefelabbau, der hier noch bis in das 19. Jahrhundert stattfand. Der Berg ist ein aktiver Vulkan, der zum Kraflasystem gehört. Bedeckt ist der Berg auch mit Solfataren und Fomarolen (= Dampfaustrittsstellen; zumeist handelt es sich um Wasserdampf und vulkanische Gase). Wir sahen, wieder vom Parkplatz aus gesehen, auf der linken Seite einen Pfad den Berg hinaufführen. Diesen nahmen wir und kletterten die 482 Meter den Berg hoch. Nehmt diesen Pfad nicht! Der hört nämlich gute 100 Meter unter dem Gipfel auf und man muß zusehen, wie man die glatte Felswand hinauf kommt. Ich nehme es mal vorweg, auf der rechten Seite ist ein sehr schöner Pfad den Berg hinauf. Völlig außer Atem kamen wir oben an, aber mit frischer Luft war hier nichts - der Schwefelgerucht war wirklich stark (wie auch schon unten, aber da haben wir uns nicht so angestrengt). Die Aussicht über das Hochtemperaturgebiet ist einfach genial. Man wanderten ein wenig durch die Dampfschwaden und genossen die Umgebung. Auch wenn der Aufstieg mehr als anstrengend war, es hatte sich gelohnt.

Nachdem wir uns den Gipfel ausgiebig angesehen hatten und die Landschaft versuchten förmlich in uns aufzunehmen, nahmen wir den leichteren Weg bergab. Immer wieder sind wir angehalten, weil es wieder etwas Neues zu entdecken gab. Zurück am Parkplatz überlegten wir uns, was wir uns als nächstes ansehen wollten. Die Attraktionen in diesem Gebiet sind vielfältig, also mussten wir uns entscheiden, was wir noch so entdecken wollten.

 Wir entschieden uns dafür, weiter zum Krater der Krafla, der Stóra Viti, zu fahren. Wie schon erwähnt, gehört die Krafla zur aktiven Vulkanzone Islands. Der Krater Viti entstand bei einem Ausbruch im Jahre 1724 und der Name spricht eigentlich für sich, um zu beschreiben was damals geschah - Viti = Hölle. Man nennt diesen Ausbruch auch das "Mývatn-Feuer".

Das Land war damals im Umkreis von 10 km hoch mit schwarzer Asche bedeckt. Ausbrüche bis vor 100.000 Jahren sind nachgewiesen. In diesen vorgeschichtlichen Ausbrüchen muss die Caldera entstanden sein. Es kam aber immer wieder zu heftigen Ausbrüchen, der Mývatn entstand dadurch, es bildeten sich Spalten und die Umgebung veränderte immer wieder ihr aussehen. Die letzte große Ausbruchsserie nennt man das Krafla-Feuer und ist noch gar nicht so lange her, wir sprechen hier von den Jahren 1975 bis 1985. Es kam zu Grabenbildungen und noch immer dampfen die Solfatare und Fumorolen. Teilweise weiteten sich die Spalten während dieser Zeit um bis zu 900 mm. Mittlerweile sprechen die Wissenschaftler davon, ein erneuter Ausbruch in diesem System sei überfällig. Deutlich erinnern wir uns an die Diskussion und die Befürchtungen aus dem Frühjahr diesen Jahren (2010) als der Eyjafjallajökull ausgebrochen ist. Unser Weg führte uns erst einmal entlang der Dampfrohre des Kraftwerkes. Man fährt dann fast durch das Kraftwerk hindurch, eine Rohrbrücke überquert hier die Straße. Kurze Zeit später erreicht man dann einen Parkplatz. Natürlich geht es erst einmal sehr steil den Berg hinauf. Der Blick auf den türkisblauen See entschädigt für die Anstrengung. Wir umrundeten den 320 Meter im Durchmesser großen See. Der Krater selbst hat eine Tiefe von 33 Metern. Auf der gegenüberliegenden Seite des Parkplatzes kommt man nach einen weiteren Abstieg an einigen Solfataren vorbei.

Es eröffnet sich bei der Umrundung ein wunderschöner Blick auf die Umgebung, auch auf die Spalte Leihnjukur, aus der noch immer Schwefeldämpfe austreten. Auch hier kann noch eine sehr schöne Wanderung machen, wir hatten aber andere Pläne.

 Wir wollten jetzt etwas entspannen und fuhren ein wenig die Strecke zurück zum Naturbad Jarðböð. Hier kann man in dem warmen Wasser die Umgebung betrachten und im warmen Wasser entspannen. Wenn nur nicht der Weg von der Umkleidekabine bis zum Wasser wäre - puh - war das kalt. Wie gesagt, das Wasser ist aber warm und hat eine konstante Temperatur von 36°C - 40°C. Gespeist wird die Lagune über Leitungen die vom Bohrloch der Nationalen Energieversorgung in Bjarnarflag bis hier reichen. Dabei wird das Wasser mittels Dampfdruck durch die gut 1 km lange Leitung gepumpt.

Allerdings, wenn das Wasser an der Lagune ankommt, hat es noch gute 130°C und wird erst einmal gekühlt. Es handelt sich hier also nicht um eine natürliche Lagune, sonder um eine rein künstlich geschaffene. Der Boden ist mit Kiesel und Erde bedeckt. Aufgrund der Zusammensetzung des Wassers gedeihen in der Lagune keinerlei unerwünschte Bakterien und es kommt zu keinen unerwünschten Pflanzenbewuchs, sodass der Zusatz von Chlor oder anderen Desinfektionsmitteln nicht nötig ist. Wegen des hohen Schwefelgehalts des Wassers sollte man Kupfer- und Silberschmuck lieber ablegen, das verfärbt sich. Man kann hier auch ein schönes Dampfbad genießen. Alles in allem, eine schöne Erholung zum Abschluss des Tages.

Danach ging es wieder zurück nach Akureyri. Wir fuhren um den restlichen Teil des Sees und hielten noch ein paarmal an. Immer wieder faszinierten die urigen Lavagebilde. Die vielen Inseln im See lassen die Gegend geradezu mystisch aussehen. Ein toller Tag mit vielen Erlebnissen und Eindrücken ging zu Ende.

 Whale Watching stand auf dem Programm. So fuhren wir nach Húsavík, von hier aus soll es schöne Touren geben. Liest man die diversen Reiseführer, so steht in jedem ein anderer Ausgangspunkt als der Beste. Also, warum nicht von Húsavík aus starten. Der Ort hat einen Fischereihafen und ist Versorgungszentrum für die Umgebung. Die Kirche wurde Anfang des letzten Jahrhunderts aus Holz gebaut, welches aus Norwegen importiert wurde. Neben dem Walmuseum gibt es noch das einzige Penismuseum der Welt in Húsavík. Für uns das wirkliche Highlight - eine Walbeobachtungstour.

Schnell hatten wir eingecheckt und es ging auch recht bald mit einem kleinen Boot los, in die Bucht von Skjálfandibucht. Es ging direkt auf die 1.000 m hohen, schneebedeckten Kinn-Berge zu. Ein netter, junger Mann erklärte uns, wie wir uns sicher an Bord bewegen können und das für alle auch noch Thermoanzüge bereit liegen. Auch eine kurze Unterweisung, wie man denn überhaupt einen Wal von weitem erkennt, gab es. Noch eine kurze Belehrung, wie denn angesagt wird wo sich ein Wal befindet.

Ganz einfach - das Uhrmodell wird genutzt. 12:00 h = geradeaus (Fahrtrichtung) / 15:00 h = rechts / 9:00 h = links. Kurz wurde das ausrufen und richtige hinschauen geübt, dann kamen auch schon die ersten Wale in Sicht. Wobei ich gestehen muss, ich habe sie mehr erahnt als gesehen. Zwergwale waren in der Bucht, auch Minkwal genannt und gute 11 m lang. Aber halt sehr schwer zu sehen und sehr scheu. Wenig später kamen aber auch andere Wale dazu. Leider war keine so richtig dazu bereit, als Fotomodell auszuharren. Zumeist tauchten die Wale sehr schnell wieder ab. Der Kapitän versuchte dann, an die Stelle zu gelangen, wo sie wieder auftauchen könnten. So kam es zu einigen turbulenten Fahrten, mit überkommender See und allem was dazu gehört. War aber alles ganz harmlos, es war nur etwas feucht. Wozu hat man sich wetterfeste Kleidung angezogen. Das ganze war wirklich ein tolles Erlebnis. Nur mit dem Fotografieren war es nicht so einfach, da muss man wirklich schnell sein. Das Boot schaukelt und die Wale warten auch nicht - ziemlich schwer.

Auf der Rückfahrt gab es dann noch einen warmen Kakao und etwas Kuchen. Wir sind dann noch ein wenig im Ort umhergeschlendert, dann ging es aber weiter zum nächsten Tagesziel.

 Nun ging es zum Jökulsárgljúfur-Nationalpark. Der erste Halt war beim Vesturdalur und wir beschlossen, trotz des einsetzenden Regens etwas spazieren zu gehen. Unser Weg führte uns Richtung Rauðhólar. Der Weg führte uns zum Fluss Jökulsá á Fjöllum und wir erblickten die eigentümlichsten Basaltformationen. Die ganze Gegend scheint aus bizarren Schluchten und sehr markanten vulkanischen Bergen zu bestehen. Es stellte sich uns gleich die Frage, wie können solche Basaltgebilde entstehen? Normalerweise kühlt Lava recht schnell ab und bildet ein zusammenhängendes Gesteinsgefüge. Verzögert sich jedoch die Abkühlung, bilden sich durch das zusammenziehen häufig sechseckige Säulen, die sich senkrecht zur Abkühlungsfläche bilden. Man nennt das ganze dann Säulenbasalt. Man hätte hier noch stundenlang weiter wandern könne, aber der Regen wurde stärker und wir wollten uns noch mehr ansehen.

 Weiter ging es über die nur für Allrad-Fahrzeuge geeignete Straße, die parallel zum Jökulsá á Fjöllum verläuft. Einige Flüsse führten zu dieser Jahreszeit kein Wasser, so mussten wir diese nicht durchfurten, sondern konnten durch das trockene Flussbett fahren. Der Name Jökulsá á Fjöllum bedeutet soviel wie: " Gletscherfluss aus den Bergen". Wir stoppten bei einem Parkplatz, von dem ein Wanderweg zum Hafragilsfoss führt. Unser Ziel war aber der etwas kürzere Weg zum Jökulsá-Canyon. Schließlich kamen wir zum Urridafoss. Ein total schöne Umgebung tat sich auf, viele kleine Bäche und Flüsse münden in den Jökulsá. Eine ganze Weile kletterten wir hier herum. Von einer Insel im Fluss hat man den besten Ausblick auf die Umgebung. Die Erosion ist so stark, das der äußere Teil der Insel gesperrt war. Hier war der Untergrund schon ausgehöhlt und es besteht die Gefahr, das der Felsen jederzeit abbricht. Leider wurde der Regen wieder stärker, aber auch ohne Sonnenschein war es ein toller Spaziergang. Nur bis zum Hafragilsfoss wollten wir dann nicht mehr gehen, der dritten Fallstufe des Jökulsá.

 Die Schotterstraße ging weiter und führte durch eine wirklich urige Gegend. Wir kamen dem Dettifoss, der zweiten Fallstufe des Jökulsá, immer näher. Die Landschaft änderte sich, bestaunten wir eben noch die Sträucher, deren Farbenpracht an den Indian Summer erinnerten, so wurde die Gegend jetzt eher zu einer Mondlandschaft. Na ja, der Fluss mit einer Länge von guten 206 km durchfließt halt die verschiedensten Landschaften. Er beginnt an der Nordseite des Gletschers Vatnajökull, hinzu kommen Abflüsse der Gletscherzungen Dyngjujökull und Brúarjökull. Auf den ersten 150 km fließt er gemächlich dahin und unterscheidet sich nicht so sehr von anderen Flüssen. Auf diesen ersten Abschnitt beträgt das Gefälle pro Flußkilometer gerade mal einen halben Meter. Wir kamen dem Dettifoss immer näher, als sich plötzlich eine riesige Baustelle auftat. Die Straße wird hier neu gemacht. So schlängelten wir uns durch die Baustelle und umfuhren die riesigen Baustellenfahrzeuge. Dann gelangten wir zum Parkplatz. Zunächst ist vom Wasserfall absolut nichts zu sehen, der Weg führt weiter durch eine Mondlandschaft. Dann aber hört man das Donnern der Wassermassen. Die Schlucht des Jökulsá tut sich auf.

 Wir sahen zum ersten Mal die zweite Fallstufe des Flusses, der hier auf einer Breite von rund 100m über 44m in die Schlucht stürzt. Die Wassermenge, die hier so herunterstürzt, beträgt im Sommer gute 1.500 cbm pro Sekunde. Damit ist der Dettifoss der wasserreichste Wasserfall Europas. Beeindruckend sind auch die Schwebeteile und Geröllmassen die dieser Fluss so mit sich trägt. Würde man die Geröllmenge eines Tages in Waggons laden, so hätte man einen Güterzug mit 2.400 Waggons, was einer Menge von ungefähr 120.000 Tonnen entspricht. Gerade diese Geröllmenge trägt zur besonders starken Erosion bei. So verändert sich die Landschaft täglich. Der Fluss vertieft sich und die Fallkanten der Wasserfälle wandern, im Bereich des Dettifoss pro Jahr etwa einen halben Meter bis einen Meter flussaufwärts. Wir werden bestimmt nicht vergessen, wie sehr der Boden bebte, als wir am Rande des Wasserfalles entlang gingen.

 Der Regen setzte wieder heftig ein, wir ließen uns davon aber nicht beeindrucken und wanderten weiter zum ersten Wasserfall des Flusses, dem Selfoss. Der Selfoss ist erheblich breiter als der Dettifoss und hat eine Höhe von 13 Metern. Auch dieser Anblick ließ uns wieder den Atem stocken. Von allen Seiten stürzt das Wasser in eine V-förmige Schlucht. Regen hin oder her, auch hier verweilten wir noch eine ganze Zeit. Wir hatten jetzt die gesamte Strecke der Wasserfälle des Jökulsá abgefahren, immer entlang der größten Schlucht Islands. Der Fluss überwindet im Bereich der Wasserfälle eine Höhendifferenz von 300 Metern, wobei das Gefälle pro Kilometer 10 Meter beträgt. Alles in allem, ein tolles Schauspiel der Natur. Glücklich und erschöpft fuhren wir zurück nach Akureyri.

 Der Tag begann mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang. Heute sollten wir Akureyri verlassen, der Osten von Island lockte. Hütte aufräumen, alles packen - das waren dann die ersten Tätigkeiten des Tages. Strahlender Sonnenschein begrüßte uns, da wir an alles mögliche gedacht hatten, nur nicht an Sonnencreme, hielten wir erst einmal in Akureyri um diesen Umstand zu beheben. Durch die Sonne schön ausgeleuchtet sieht die Stadt natürlich noch besser aus. Wir begegneten in der Stadt dann auch noch den einen oder anderen Troll. Noch ein paar Postkarten gekauft, dann sagten wir Tschüss zu Akureyri.

Der Weg führte uns zunächst wieder Richtung Mývatn. Noch einmal kamen wir am Godafoss vorbei. Spontan hielten wir dann, des tollen Wetters wegen, in Dimmuborgir. Wir wollten uns diese dunklen Burgen (das ist die Bedeutung von Dimmuborgir) noch ansehen. Viel zu viel haben wir in dieser wunderschönen Gegend nicht gesehen, das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Bei einem Vulkanausbruch vor ungefähr 2.000 Jahren lief die Lava hier über ein Sumpfgebiet. Das Ende vom Lavafeld (die Lavafront) kühlte sich ab und bildete einen Damm hinter dem sich ein kochender Lavasee aufstaute. Natürlich kühlte auch die Oberfläche dieses Lavasees allmählich ab. Das darunter liegende Wasser des Sumpfgebietes verdampfte und suchte sich seinen Weg an die Oberfläche. Teilweise wurde der Dampf unter so hohem Druck nach oben gedrückt, dass es die Lava förmlich zerriss.

Die Wände dieser Aufstiegswege erstarrten ebenfalls, da dieser Wasserdampf kühler war als die Lava selbst. Es bildeten sich Kamine und Wände aus glühenden Gestein. Irgendwann brach der Lavadamm und das flüssige Gestein floss ab. Dadurch brach natürlich auch die schon erstarrte Decke des Lavasees ein. Zurück blieben Türme, Wände und Höhlen, die eine unheimliche, mystische Landschaft hinterließen. Heute wachsen Pflanzen zwischen diesen Gebilden.

 

Das Lavafeld befindet sich an einem der trockensten Orte von Island. Der Boden ist daher sehr anfällig für Erosion, die Steine sind spröde und zerbrechlich. So war denn auch Dimmuborgir Anfang der 40iger Jahre fast völlig von Sand bedeckt und dieses Naturwunder drohte völlig zu verschwinden. Dank der Eigentumsübertragung des Besitzers der Farm Geiteyjarströnd, auf deren Land Dimmuborgir liegt, an den damaligen Naturschutzverband, wurde dieses Denkmal der Natur gerettet. Das Gebiet wurde eingezäunt, man errichtete Steinbarrieren als Windschutz und säte Lymegras.

Dieses Gras bedeckt mittlerweile einen großen Teil des Gebietes und das Problem der drohenden Versandung wurde gestoppt. Schlendert man durch Dimmuborgir, so erinnern einen die Steinformationen an Ruinen von Burgen und Türmen.

In der isländischen Mythologie wird Dimmuborgir als Unterkunftsort von Elfen und Trollen gesehen. So kommen dann auch ab Dezember jeden Tag die 13 Weihnachtskobolde täglich hierher. Ja, die Isländer geben sich nicht nur mit einem Weihnachtsmann mit roter Mütze ab. Bei den 13 Weihnachtstrollen handelt es sich um die Söhne der Trollfrau Grýla die gerne böse Kinder verspeist. Die faulen Leute werden dagegen von ihrer Hauskatze Jólaköttur (die Weihnachtskatze) gefressen. Die fleißigen Leute dagegen bekommen zu Weihnachten Jólaföt ( Weihnachtskleidung). Einmal im Jahr treffen sich die 13 Kobolde - zu Weihnachten. Ab dem 12. Dezember steigt jeden Tag einer der Kobolde von den Bergen herab und ergattert sich etwas von den Bauernhöfen der Umgebung, bis sich dann alle zu Weihnachten getroffen haben.

Die Länge dieses Abschnittes verrät es, wir haben uns hier eine ganze Weile aufgehalten und ließen unserer Fantasie freien Lauf. Dann mussten wir aber aufbrechen, noch etliche Kilometer bis Djúpivogur lagen vor uns. Die Fahrt ging immer auf der Ringstraße entlang, über eine große, trockene Hochebene zunächst bis Seyðisfjörður am gleichnamigen Fjord. Hier machten wir noch einmal eine Pause und haben etwas gegessen. Unsere Fahrt führte uns dann über den Pass Breidalsheidi. Die hier unbefestigte Straße mit ihren Serpentinen sind nichts für schwache Nerven. Was Autofähren, auch in schwierigen Gelände angeht, sind wir keine Kinder von Traurigkeit. Uns erwartete auf dem Pass allerdings dichter, absolut dichter, Nebel. Ich konnte das Ende der Motorhaube erkennen, das war es dann. Nichts mit schöner Landschaft. Rolf musste die Seitenscheibe herunter kurbeln und gab mir an, etwas mehr rechts oder links. So schlichen wir über den Pass und meisterten irgendwie auch die Serpentinen. Wir fahren beide schon lange Auto und wir denken, wir haben auch viel Erfahrung - aber diese Überquerung des Passes, so etwas hatten wir noch nie erlebt. Aber, wir haben es ja geschafft. Es ging dann durch ein schönes Tal, soweit wir halt schauen konnten, dann kamen wir an das Meer.

Auch wenn es auch hier etwas neblig war, wir hielten erst einmal an und betrachteten die Umgebung. Spät kamen wir dann an unserer Unterkunft in Djúpivogur an. Dieses Mal hatten wir ein kleines, absolut süßes Cottage auf einer Farm. Unsere Ankunft war gerade richtig zum Abendessen.

Am nächsten Tag ging unsere Reise um Island herum weiter. Die Südküste sollte noch viele Überraschungen für uns bereit halten und viele Abenteuer warteten noch auf uns. Vielleicht habt ihr ja Geschmack bekommen und wollt noch mehr über Island und seine Naturwunder erhalten. Dann klickt einfach Island II an - da geht unsere Reise weiter.

Discover the Earth - 2010