Hier nun der 2. Teil unserer Erlebnisse auf der Insel aus Feuer und Eis - Island. Den Nordwesten, die Westfjorde, den Norden bis hin zu den Ostfjorden waren wir schon gekommen. Jetzt ging es von Djupivogur aus weiter, die Südküste wollte entdeckt werden. Viele Erlebnisse hatten wir schon auf dieser wunderschönen Insel. Die Natur beeindruckte immer wieder mit ihrer Vielfalt. Das Licht auf Island kann einen nur begeistern. Vom Wetter her hatten wir fast alles, was man von Island auch erwartet - Regen, Sonnenschein und Wind. Damit einem der Spaß gerade bei Regen nicht vergeht ist vernünftige Kleidung eine Grundvoraussetzung für einen Urlaub auf Island. Das fahren mit dem Auto, auch das ist kein Problem auf Island. Auf jeden Fall nicht auf der Ringstraße die einmal um die ganze Insel führt. Im Gelände sollte man schon etwas Erfahrung haben. Viele Naturwunder liegen nicht direkt an der Ringstraße, daher würden wir einen Geländewagen empfehlen. Auch wenn man die meisten Orte auch mit einem normalen PKW anfahren kann, es nervt aber doch ganz schön, wenn man Kilometerweit über Holperpisten fahren muss. Wir sind mit unserem Geländewagen gut zurecht gekommen. Wer den 1. Teil schon gelesen hat, wird bemerkt haben, auf dieser Reise sind wir eigentlich nicht einen Millimeter von den Touristenpfaden abgewichen. Trotzdem konnten wir alles genießen, ohne großartigen Rummel, wie man es oft an anderen Orten der Welt erlebt. So waren wir gespannt, was uns im Süden dieser wunderschönen Insel noch so alles erwartet.

Die Nacht verbrachten wir auf einer Farm, eigentlich schon mehr Hotel, in der Nähe von Djúpivogur. Am Morgen regnete es mal wieder und es war auch ganz schön stürmisch. Immer an der Küste entlang fuhren wir Richtung Höfn. Es ging vorbei an einer grandiosen Berglandschaft aus Gletschern, Wasserfällen und tief eingeschnittenen Tälern. Wobei sich meistens alles ziemlich im Nebel verbarg. Aber man konnte schon erahnen, was die Natur hier so zu bieten hat.

Zuerst war die Ringstraße hier nur eine Sandpiste, immer mal durch asphaltierte Strecken unterbrochen. Je mehr wir aber Richtung Westen fuhren, umso besser wurde
die Straße. Wir kamen dann an den Gletscherfluss Jökulsá í Lóni und überquerten die Brücke. Vorher machten wir aber noch einen Halt, denn die Aussicht war einfach beeindruckend.

Weiter ging es Richtung Höfn. Einige Zeit nach der Brücke geht es dann durch einen Tunnel, so spart man sich die Fahrt über einen Pass. Gegen Mittag kamen wir dann in Höfn an. Das Wort Höfn bedeutet schlicht und einfach Hafen. Auch dieser Ort gilt als eine Versorgungsstätte für die Umgebung und hat mal gerade 2.000 Einwohner. Etwas Industrie hat sich hier angesiedelt und es gibt einige Museen zu erkunden. Am Hafen kann man den Kutter "Akurey" bestaunen. Wenn es nicht gerade regnet, soll man einen wunderschönen Blick auf die Gletscherzungen vom Vatnajökull haben. Wie schon erwähnt, es regnete und war recht stürmisch. So probierten wir eine weitere Attraktion des Orten - Hummer. Wir fanden ein schönes Restaurant und bestellten. Wirklich lecker Hummer! So gestärkt konnten wir unseren Weg Richtung Westen fortsetzen.

 Linkerhand der Ringstraße begleitete uns jetzt immer der Gletscher Vatnajökull und seine Gletscherzungen. Immerhin ist der Gletscher mit seinen guten 8.456 qkm einer der größten Gletscher Europas. Er nimmt ungefähr 8 % der Fläche Islands ein. Um einen besseren Eindruck zu bekommen - der Gletscher ist ungefähr halb so groß wie Schleswig-Holstein.

Irgendwann konnten wir dem Drang, einmal näher an eine Gletscherzunge heranzufahren, nicht widerstehen. Schnell bogen wir von der Straße ab und gelangten auf eine Allradstrecke. Immer näher kam die Gletscherzunge. Eine merkwürdige Atmosphäre, wie sich die Gletscherzunge so aus dem Nebel herausschält. Wir fuhren heran bis zu dem Gletscherfluss - da kamen wir dann wirklich nicht mehr weiter. Obwohl die Sonne nur ganz schwach durch die Wolken kam erschien das Eis teilweise richtig blau. Eine Weile wanderten wir umher und sogen die Eindrücke nur so in uns auf.

 Wieder auf der Ringstraße kam dann schon nach einigen Kilometern die nächste Attraktion - der Jökulsárlón - die Gletscherflusslagune. Schon von weitem konnten wir das Naturschauspiel erahnen. Auf diesem Gletschersee schwimmen riesige Eisberge. Der Breiðamerkurjökull kalbt in die Gletscherlagune, die Eisberge werden dann langsam Richtung Meer getrieben.

Noch Ende des 19. Jahrhunderts reichte die Gletscherzunge fast bis ans Meer, jetzt ist sie über 3 km von der Küste entfernt. Immer wieder brechen Haushohe Eisklötze vom Gletscher ab und schwimmen auf dem Wasser. Man sieht allerdings nur 1/7 der Eisberge, der Rest ist unter Wasser. Kaum zu glauben, es eröffnet sich eine farbenfrohe Welt. So sind frisch abgebrochene Eisblöcke schillernd blau. Da dieses Eis frei von Luftblasen ist reflektiert es den blauen Anteil des Lichts. Wieder waren wir von dieser Farbgebung beeindruckt. Wie muss das alles bei Sonnenschein aussehen? Ach so, warum das Eis später dann weiß wird? Nach einigen Tagen dringt Luft in das Eis ein und der gesamte Spektralbereich des sichtbaren Lichtes wird reflektiert.

Man kann eine Bootsfahrt zwischen diesen Eisblöcken machen. Klar, da waren sofort dabei und bestiegen schon kurz nach unserer Ankunft eines der Landungsboote auf denen diese Ausflüge stattfinden. Um der Gefahr einer Kollision mit dem unter dem Wasser liegenden Teilen der Eisblöcke zu entgehen, sind die Boote mit Sonar ausgestattet. Eine gute halbe Stunde schipperten wir durch die Eisblöcke - eine absolut faszinierende Welt.

Wen wundert es da, dass eine solche Gegend als Filmkulisse dient. So wurden hier Filmszenen für James Bond – Stirb an einem anderen Tag , Tomb Raider und Batman Begins gedreht. Der 248 Meter tiefe See hat ja eine direkte Verbindung zum Meer und wird dadurch mit Salzwasser versorgt. Das sorgt unter anderem dafür, dass der See nicht zufrieren kann. Damit Fahrzeuge auf dem See fahren können, wurde beispielsweise für den James-Bond-Film der Zugang zum Meer verschlossen, was innerhalb von 24 Stunden zu einer geschlossenen Eisdecke führte.

Als wir schon wieder ins Auto steigen wollten entdeckten wir noch zwei Seehunde. Natürlich sind wir nicht eingestiegen und schauten den beiden Gesellen noch eine Weile zu. Dann wurde es aber wirklich Zeit aufzubrechen.  Auf der Fahrt über die Brücke des Jökulsárlón blickten wir noch einmal über die Eisgebilde, dann ging es weiter Richtung Skaftafell.

Jetzt erstreckten sich ausgedehnte Sand- und Geröllfelder, die mit Moränen durchsetzt sind, entlang der Ringstraße. Entstanden ist dieses Gebiet durch die Gletscher und den immer wieder auftretenden Gletscherläufen. So gibt es in dieser Gegend auch wenige Höfe, da die Vulkanausbrüche und Gletscherläufe das Leben in dieser Gegend dann doch zu schwer machen.

Man nennt das Gebiet auch Öræfasveit - Ödland. Früher war das Gebiet fast unzugänglich - Erleichterung brachte erst die Fertigstellung der Ringstraße. Man überbrückte das Sandergebiet und traf auch Vorsorge für die nächsten Gletscherläufe.

Die Brücken wurden auf schwimmfähige Pontons gebaut. Werden sie jetzt weggerissen, können zumindest Teile der Brücke wiederverwendet werden. Es braucht nur ein Boot auf dem Meer danach Ausschau halten und die Teile wieder an Land ziehen. So ist die Ringstraße zumeist schnell wieder repariert, wenn etwas passiert.

 Unser Tagesziel war für heute aber Kirkjubæjarklaustur. Wir machten zwar noch einmal einen Ausflug zu einer Gletscherzunge, mussten dann aber zusehen zum Zielort zu gelangen. Wir durchfuhren das durch den großen Gletscherlauf von 1996 total veränderte Skeiðarársandur. Die Straße verläuft hier über einen 17 km langen Damm und über Brücken. Dann kamen die Berge wieder näher, über denen die Wolken dicht dahinzogen - was für ein Anblick. Dann waren wir endlich in Kirkjubæjarklaustur und fanden auch recht schnell unsere Hütte. Für das Abendessen war dann Grillen angesagt. Da es ohne Ende geregnet hat und der Sturm immer stärker wurde, war auch dies ein Erlebnis der besonderen Art. Aber wir hatten ein wirklich tolles Abendessen und ließen den Tag langsam ausklingen.

 Die Nacht über hatte es gestürmt, richtig gestürmt. An Schlaf war so richtig nicht zu denken, das ganze Haus erzitterte. Trotzdem starteten wir um die Umgebung zu erkunden. Aber erst einmal stand Einkaufen auf den Plan, wir mussten unsere Vorräte auffüllen. Dann aber ging es Richtung Skaftafell. Wieder fuhren wir durch das riesige Sandergebiet der Skeiðará.

Die Skeiðará entspringt dem Gletscher des Skeiðarárjökull und ist berüchtigt für die gewaltigen Gletscherläufe die regelmäßig wiederkehren. Unter der Eiskappe des Vatnajökull befinden sich mehrere Vulkane, unter anderem auch der Grímsvötn. Durch die vulkanische Aktivität entstehen unter dem Eis zum Teil riesige Seen. Alle 5 - 10 Jahre steigt der Wasserspiegel derart, dass der See sich entleert und als Flutwelle - sog. Gletscherlauf - über die Sanderebenen abfließt. Die Skeiðará entspringt dem Gletscher des Skeiðarárjökull und ist berüchtigt für die gewaltigen Gletscherläufe die regelmäßig wiederkehren. Unter der Eiskappe des Vatnajökull befinden sich mehrere Vulkane, unter anderem auch der Grímsvötn. Durch die vulkanische Aktivität entstehen unter dem Eis zum Teil riesige Seen. Alle 5 - 10 Jahre steigt der Wasserspiegel derart, dass der See sich entleert und als Flutwelle - sog. Gletscherlauf - über die Sanderebenen abfließt.
Normalerweise fließen im Sommer ca. 200 cbm Wasser pro Sekunde ab. Während einer der normalen Gletscherläufe erhöht sich die Wassermenge dann auf bis zu 7.400 cbm pro Sekunde. Im Jahr 1996 aber geschah das Unglaubliche - ganze 45.000 cbm pro Sekunde stürzten zu Tal und überschwemmten das ganze Gebiet. Die Ringstraße wurde durch die Fluten und die mitgerissenen Eisberge, von denen einige bis zu 10 m hoch waren und ein Gewicht von etlichen Tonnen hatten, zerstört. Auch eine Brücke wurde total zerstört, wir hielten auf einen Parkplatz, wo Reste dieser Brücke an dieses Ereignis erinnern. Bedingt durch diese immer wiederkehrenden Gletscherläufe entstand der Skeiðarásandur, ein riesiges Sand- und Geröllfeld mit einer Fläche von 1.000 km.

Der nächste Halt war an der Gletscherzunge Svinafellsjökull, die durch einen wilden Bergkamm vom breiteren, ruhigeren Skaftafellsjökull getrennt wird. Hier kann man sehr nahe an den Gletscher herankommen, wobei man auf keinen Fall ohne entsprechend ausgebildeten Führer auf das Eis gehen sollte. Irgendwie sah die Umgebung faszinierend und bedrohlich zugleich aus. Durch den Rückzug des Gletschers haben sich viele Spalten gebildet, so dass diese Gletscherpassage nicht mehr begehbar ist.

Eine Gedenktafel erinnert an zwei junge Deutsche, die hier zu Tode gekommen sind. Man nimmt an sie wollten versuchen den Hvannadalshnukur zu erreichen. Im Jahr 2007 fand man ihr Basislager. Trotz intensiver Suche hat man die beiden Männer bis heute nicht gefunden.

Im Vorfeld, sehr beeindruckend, der kleine Gletschersee. Deutlich wird hier die Kraft, den der Gletscher auf die Erde ausübt und wie sehr sich die Landschaft verändert.

Jetzt ging es zum Besucherzentrum des Nationalparks. Von hier ist es ein kurzer Weg bis zur Gletscherzunge Skaftafellsjökull an deren Ende wir die Möränen sahen, die der Rückzug des Gletschers hinterläßt. Der Regen setzte wieder ein und wir wurden so richtig naß. Das hielt uns aber nicht davon ab, weiter zu wandern.

Die Landschaft wird hier geprägt durch die 1.000 - 1.500 m hohen Berge und macht einen fast alpinen Eindruck. Man sollte nicht vergessen, unter diesem Teil des Gletschers liegt einer der größten Vulkane Europas, der Hvannadalshnúkur. Im Gegensatz zu anderen Vulkanen auf Island steht seine Aktivität nicht in einem Zusammenhang mit dem Vulkanismus am mittelatlantischen Rücken. Schon vor 3 - 4 Mio. Jahren war dieser Vulkan aktiv und brach zuletzt 1727 aus. Der Vulkan gilt als der gefährlichste und unberrechenbarste von Island. Auf der anderen Seite besticht die Umgebung durch ihre Pflanzenvielfalt. So ist die ganze Umgebung sehr Kontrastreich und mit jedem Schritt verändert sich der Eindruck, den die Landschaft hinterlässt.

Natürlich sind wir auch zum Svartifoss gewandert. Auf dem Weg kamen wir aber noch an einem anderen, wirklich sehr schönen Wasserfall vorbei.

Leider finde ich absolut nicht den Namen. Zuerst führte uns der Weg immer den Berg hinauf, was ganz gut anstrengend war. Aber die Landschaft entschädigte uns für die Mühen. Svartifoss bedeutet "schwarzer Wasserfall". Den Namen verdankt der Wasserfall den schwarzen Basaltsäulen die ihn wie Orgelpfeifen förmlich umrahmen. Der Stórilækur stürzt hier über die Felskante. Der Name Stórilækur verrät es eigentlich schon - großer Bach - es handelt sich hier nicht gerade um einen der wasserreicher Fluss. Auf den Weg zum Svartifoss hörte es allmählich auf zu regnen, dafür wurde es nebelig. Eigentlich hat man auf dem Weg zum Wasserfall einen schönen Blick auf diesen, aber es verschwand bei uns alles im Nebel.

Erst als wir schon sehr nahe dran waren, löste sich der Nebel auf. Irgendwie eine beeindruckende Szene, wie sich der Wasserfall aus den Nebelschwaden herausbildete. Unsere Wanderung ging dann auf der anderen Flussseite wieder zurück zu unserem Parkplatz. Ein wenig lichteten sich auch die Wolken und gaben die schneebedeckten Berge etwas frei. Alles in allem eine tolle Wanderung.

Mittlerweile war es Nachmittag und wir machten uns so langsam auf den Weg zurück nach Kirkjubæjarklaustur. Unterwegs hielten wir noch bei den Basaltsäulen Dverghamrar. Man nennt diese Basaltsäulen auch die Zwergfelsen. Ursprünglich ist die Lava hier nicht an die Oberfläche vorgedrungen, sondern das darüber liegende Erdreich wurde abgetragen und legte die Basaltsäulen frei.

Der Ort ist seit Jahrhunderten sagenumwoben, viele Geschichten sind verloren gegangen, einige haben die Zeit überstanden. Die meisten Geschichten beziehen sich auf den Durchlass zwischen den beiden Blöcken und dem Gesang der hier gehört wurde, was wohl auf das Pfeifen des Windes in den Säulen zurückgeht. Steht man in der Mitte der beiden Blöcke hat man einen schönen Blick auf den Wasserfall Foss á Siðu, der sich vom Plateau ergießt. Man sollte nicht vergessen, erst durch die Anhebung des Landes und die Gletscherläufe wurde das Land, auf dem sich auch Dverghamrar liegt, dem Meer entrungen. Die Küstenlinie hat sich nach Süden verschoben, davor waren die Berge mit ihren 767 m Höhe die höchste Steilküste der Welt.

 Zurück in Kirkjubæjarklaustur erkundeten wir die Umgebung des Ortes. Übrigens, Kirkjubæjarklaustur zählt mit seinen 120 Einwohnern zum größten Ort der Umgebung. Von 1186 bis zur Reformation 1550 gab es hier eine Benediktinerinnen-Abtei die dem Ort vermutlich auch seinen Namen gaben. Sehenswert ist der Kirkjugólf, das so genannte Kirchenpflaster.

Es handelt sich um sechseckige Lavasäulen, die durch Gletscherschliff so mit dem Erdboden nivelliert sind, dass sie tatsächlich wie Pflastersteine aussehen. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, es handelt sich tatsächlich um den Fußboden einer Kirche.

Ein kleines Stück hinter dem Kirkjugólf gibt es einen wunderschönen Wasserfall. Diesen betrachteten wir erst einmal von der einen Flußseite, dann von der anderen. Es ist nur ein kurzer Weg, aber die Eindrücke sind schon schön.

Unser letzter Besuch galt dem am Ortsrand gelegenen Systrafoss, dem Nonnenwasserfall. Der Systrafoss teilt sich wenige Meter nach dem Fall, sodass zwei Teile des Wasserfalls nebeneinander verliefen und anschließend am Fuße des Berges wieder zusammen fließen. Der Wasserfall hat seinen Ursprung im See Systravatn, der oberhald der Felsen liegt.

Ein sehr steiler Weg führt am Rande dieses Wasserfalles auf den Berg. Oben angekommen eröffnete sich uns ein hervorragender Blick über die Küste. Auf dem Plateau führen noch einige Wanderwege entlang, aber es war mittlerweile recht spät geworden. So kletterten wir den Berg wieder herunter und fuhren zu unserer Hütte.

Ein ereignisreicher Tag ging zu Ende und wir hatten wirklich viel erlebt. Zum Glück hatte der Sturm nachgelassen, auch mit dem Regen wurde es besser. Zum Abendessen wurde wieder gegrillt, das ging viel besser als am Vorabend. Wir schauten uns die Bilder des Tages noch einmal an und gingen die Erlebnisse des Tages noch einmal durch.

 Weiter ging es heute Richtung Westen - die Ringstraße ist einmal mehr die Richtschnur für unseren Weg. Etwas hinter Kirkjubæjarklaustur beginnt das Lavafeld Eldhraun, auf Deutsch bedeutet das Feuerlava. Dieses Lavafeld entstand bei einem Ausbruch des Laki-Krater im Jahre 1783 und hat eine Größe von guten 600 qkm. Die Lava ist hier mit einem dicken Teppich aus Zackenmützenmoos bedeckt, was dem Boden eine grau/grüne Farbe verleiht. So sahen die eh schon skurrilen Lavaschollen noch skurriler aus. Unvermeidlich, wir kamen dann auch an Laufskálavarða vorbei. Hier stand früher einmal der Bauernhof Laufskógar der bei einem Vulkanausbruch der Katla 804 zerstört wurde. Jeder, der hier zum ersten Mal hinkommt, baut ein Steinmännchen. Von Reisenden zu Reisenden weiter gegeben scheint dies jetzt eine Art Tradition zu sein.

Einmal wieder durchquerten wir eine Sanderfläche, den Mýrdalssandur. Die Gletscherläufe des Vulkans Katla, der unter dem Eis des Mýrdalsjökull liegt, sind für die Entstehung dieser Sanderfläche verantwortlich. Immerhin verschob sich die Küstenlinie nach einem großen Gletscherlauf 1918 um einen halben Kilometer Richtung Süden. Am Ende des Mýrdalssandur liegt die Vulkaninsel Hjörleifshöfði. Fasziniert blickten wir auf diese Insel, die vulkanischen Ursprungs ist. Zu Urzeiten war die 221 Meter hohe Insel von Meerwasser bedeckt. Im Laufe der Jahrtausende hob sich die Insel und war eine richtige, vom Meer umspülte Insel. Etliche Gletscherläufe der Vergangenheit spülten soviel Sand und Geröll mit sich, dass die Insel jetzt nicht mehr Meerumschlungen war, sondern sich mittlerweile auf dem Festland befand. Der Fjord war mit Wasser angefüllt. Durch den schon erwähnten Ausbruch des Katla wurde dann noch einmal soviel Sand, Stein und Geröll heruntergespült, dass die Landzunge Kötlutangi jetzt weit ins Meer hinausreicht, die Insel liegt gänzlich auf dem Trockenen. Wann kann man schon einmal eine Insel trockenen Fußes umrunden und sehen, was sonst das Meer verbirgt? Quasi Tauchen ohne Tauchgerät. Kurzentschlossen umrundeten wir die Insel und staunten der bizarren Formen und der Höhlen, die die Brandung in den Fels geschliffen hat.

Eine große Höhle tat sich auf - im Inneren konnten wir Spuren eines Lagerfeuers finden. Scheint so, als würde hier manchmal wildes Camping stattfinden.

 Am Fluss Múlakvísl bogen wir noch einmal von der Ringstraße ab, dieses Mal Richtung Inland. Wir durchfuhren eine geradezu malerische Landschaft. Grün bewachsene Berge tauchten aus dem Nebel auf. Wir kamen an verfallenen Hütten vorbei, die an und in die Felswände gebaut wurden. Warum und wieso, wir haben es nicht in Erfahrung bringen können. In einem Reiseführer wird vermutet, es handele sich um Filmkulissen. Nur - für welchen Film?

Vom Aussichtspunkt Höfdabrekkuheidi hat man eine grandiosen Blick auf den Múlakvísl der sich vom Selfjall aus seinen Weg ins Meer bahnt. Das trübe, graue Wasser riecht hier deutlich nach faulen Eiern, ein Zeichen für den aktiven Vulkanismus unter dem Eis des Mýrdalsjökull. Unter diesem Gletscher verbirgt sich der Vulkan Katla. Da wachsende Wassermengen dieses Flusses ein wichtiger Indikator für bevorstehende Vulkaneruptionen der Katla sind, wird er sehr genau überwacht.

Wir kamen nach Pakgil, einer tollen Schlucht mit Campingplatz. Dieser Platz hat nur im Juni und Juli geöffnet. Auf den Weg dorthin mussten wir durch einen Fluss fahren, der aber nicht viel Wasser führte. So war die Durchfahrt mehr ein großer Spaß und unser Auto wurde ein wenig sauberer. Trotzdem, immer Vorsicht, wenn es mit dem Auto durch Flüsse geht. Auch wenn der Fluss nicht viel Wasser geführt hat, so sind wir erst einmal recht langsam hindurch gefahren. Am Campingplatz gibt es eine Lavahöhle, die als Esszimmer benutzt wird. Wir fuhren dann noch weiter ins Inland, ein weiterer Fluss musste durchquert werden. Wieder eröffnete sich uns ein wunderhübsches Tal, mit Wasserfall am Ende und allem drum und dran. Leider war der Weg dann so weit ausgefahren, dass wir mit unserem Fahrzeug nicht mehr weiter kamen - wir hatten einfach nicht genug Bodenfreiheit. So blieb uns nichts anderes übrig, als die Strecke die wir gekommen waren wieder zurück zur Ringstraße zu nehmen.

  In Vik angekommen machten wir eine kleine Pause und betrachteten die drei Felsnadeln, die das Wahrzeichen der Gegend darstellen. Diese Felsnadeln haben natürlich auch Namen - Skessudrangar, Landdrangar und Langhamrar. Sie sind bis zu 66 Meter hoch und natürlich gibt es eine Geschichte dazu. Es sind nämlich gar keine Felsnadeln, es handelt sich hier um versteinerte Trolle, die von der aufgehenden Sonne überrascht wurden, als sie Schiffbrüchige an Land ziehen wollten. Wir verließen Vik und fuhren nach Reynisfjall. Hier gibt es auch einen wunderschönen Strand mit schwarzem Lavasand. Bemerkenswert die Höhle Hálsanefshellir die mit schönem Säulenbasalt geradezu verziert ist. Von hier hat man auch einen guten Blick auf Kap Dyrhólaey.

Selbstredend, wir fuhren danach auch zu diesem Kap - mit deutschen Namen Türlochfelsen. Das Loch im Felsen, welches die Brandung hier hineingefressen hat, ist so groß, da kann man sogar mit einem Boot durchfahren. Entsprechende Touren mit Landungsbooten werden angeboten. Entstanden ist der Felsen vor guten 80.000 Jahren durch einen Vulkanausbruch unter Wasser.

Ein weiterer Halt an diesem Tag war bei dem Sólheimajökull, einer Gletscherzunge des Mýrdalsjökulls. Eine fürchterliche Piste führt entlang des Jökulsa a Solheimasandi bis zur Gletscherzunge. Hier kommt man wirklich direkt an den Gletscher heran. Zuerst muss man aber die Schotterfläche überwinden, die der sich zurückziehende Gletscher hinterlassen hat. Achtung, das schwarze Geröll gibt an einigen Stellen extrem nach und man kann hier ziemlich tief einsinken. Das Eis des Gletschers ist auffällig mit schwarzen Schichten durchzogen, die von den Ascheregen früherer Vulkanausbrüche stammen. Von hier kann man auch geführte Wanderungen auf den Gletscher unternehmen, Steigeisen zum klettern auf dem Eis werden gestellt. Wir schauten direkt in das Gletschermaul - was für ein Anblick. Der Fluss soll extrem nach Schwefel riechen, Grund einmal mehr die vulkanische Aktivität unter dem Eis. Uns ist der Geruch allerdings nicht in die Nase gestiegen.

Leider hatten wir nicht mehr genug Zeit uns auch einer der geführten Touren anzuschließen. Trotzdem hat sich der Ausflug gelohnt.

Es erwartete uns der Ort Skógar mit sage und schreibe 24 Einwohnern. Zuerst besuchten wir das Heimat- und Freilichtmuseum des Ortes, wobei wir uns auf das Freigelände beschränkten. Zuerst kommen die Grassodenhäuschen, die verdeutlichen in welch ärmlichen Verhältnissen die Bauern des 19. Jahrhunderts lebten. Die Häuser sind begehbar, so dass man sich die gute Stube, den Vorratsraum und den Schlafraum ansehen kann. Für die Erbauung dieser Häuser verwendete man Treibholz, die Wände bestehen aus aufgeschichtetem Tuffgestein und Basalt, die mit großen Steinplatten bedeckt sind. Das Dach besteht, wie der Name dieser Häuser verrät, aus Grassoden. Die Schule, die zum Museum gehört, stand einmal in Litli-Hvammur und wurde dort 1901 erbaut. Auch das erste Holzhaus der Region wurde hier wieder aufgebaut; es besteht zu 100 % aus Treibholz. Man scheute wirklich keine Mühen, ein ganzes Gehöft wurde hier wieder aufgebaut, samt Kuhstall und darüber liegendem Wohnraum, Schuppen, Küche und gute Stube - alles kann bestaunt werden.

Aus diversen alten Kirchen wurde 1998 die Skógarkirkja neu erbaut.

Es folgte die zweite Attraktion dieses kleinen Ortes - der Skógafoss. Nachdem sich die Küstenlinie Richtung Süden verschoben hatte, blieb über hunderte von Kilometern ein Steilabfall Richtung Meer zurück. Über eine solche Stelle ergießt sich der Skógafoss über eine Breite von 25 Metern 60 Meter in die Tiefe. Der Wasserfall wird gespeist durch die Skóga. Interessant noch, Skógar liegt unterhalb des Eyjafjallajökull, der im Frühjahr 2010 durch seinen Ausbruch für Schlagzeilen sorgte. Jetzt sah man aber gar nichts mehr von dieser Katastrophe. Wir sind gar nicht mehr erstaunt, auch zu diesem Wasserfall gibt es eine Geschichte.

Einer der ersten Wikingersiedler in dieser Gegend, Þrasi Þórólfsson, vergrub einen Goldschatz in einer Höhle hinter dem Skógafoss. Þrasi riet einer Frau ihren Sohn auf seinen Namen zu taufen und bis zu seinem 12. Lebensjahr nur mit Schafs- und Pferdemilch aufzuziehen. Wenn er dann zum Wasserfall geht, würde er die Goldkiste finden. Jedoch ging der junge Þrasi zu früh zum Wasserfall und fand nur den Griff der Schatzkiste. Die Sonne stand schon relativ tief, so wurde der Wasserfall, zu unserer großen Freude, durch einen herrlichen Regenbogen verziert. Teilweise kann man sehen, wie auf natürliche Art und Weise das Licht polarisiert wird. Stürzt das Wasser eher mit bräunlicher Farbe über die Klippe, so sind die schäumenden Wassermassen im Einzugsbereich des Regenbogens richtig weiß.

Unser Tag war aber noch nicht zu Ende. Wir kamen jetzt zum Seljalandsfoss der auch über die ehemalige Küstenlinie 66 Meter in die Tiefe stürzt. Die Sonne schien direkt auf diesen Wasserfall, das Licht war atemberaubend und ein schöner Regenbogen tat sich auch hier auf. Das besondere an diesem Wasserfall ist, man kann komplett um ihn herumgehen. Wer hat denn schon mal einen Wasserfall von hinten gesehen? Für uns war das schon ein Erlebnis der besonderen Art durch den Wasserschleier auf das Land draußen zu blicken. Auch dieser Wasserfall liegt unterhalb des großen Gletscherschildes Eyjafjallajökull. Zurück auf der Ringstraße wurde diese gerade repariert, scheinbar hatte diese durch den Gletscherlauf im Frühjahr etwas gelitten.

Nun mussten wir uns aber wirklich beeilen um noch zu einer halbwegs zivilisierten Zeit zu unserer Unterkunft in der Nähe von Selfoss zu gelangen. Zu unserem Glück habe ich auch noch eine wichtige Abfahrt verpasst und wir mussten einen ziemlichen Umweg fahren bis wir nach Hveragerði gelangten. Den Schlüssel zu unserer Hütte sollten wir einen Ort vorher an einem Hotel abholen. Dort angekommen war keine Menschenseele zu finden. Wir fragten an einem Haus in der Nähe und eine wirklich nette Frau rief dann jemanden an, der uns den Schlüssel brachte. Zum Glück fanden wir im Ort ein Restaurant, so war für das Abendessen auch gesorgt. Das war vielleicht ein ereignisreicher Tag.

 Unsere Hütte für die nächsten Tage lag also bei Hveragerði. Die Gegend liegt in einem Hochtemperaturgebiet. So ist es nicht verwunderlich, dass man hier diese geothermale Energie nutzt. Hier gibt es viele Gewächshäuser, in denen Tomaten, Orangen und andere Südfrüchte angebaut werden. Außerdem gibt es viele heiße Quellen in der Umgebung. In einer dieser Quellen soll 1906 ein Mann ums Leben gekommen sein, als er bei Dunkelheit hineingefallen ist. Dies soll der Anlass gewesen sein, die Straßen von Hveragerði nachts zu beleuchten. Von unserer Hütte aus hatten wir einen schönen Blick über die Stadt und wir können bestätigen, es ist wirklich hell bei Nacht. Direkt auf der Wiese vor unserer Hütte war auch eine heiße Quelle die so vor sich hin dampfte. Auch auf dem Grundstück gab es eine Quelle aus der Energie gewonnen wurde. Wir waren ja schon an verschiedenen Orten, an denen die geothermale Energie genutzt wurde. Man merkt es, sobald man den Warmwasserhahn aufdreht - es riecht eindeutig nach verfaulten Eiern, also Schwefel. Daran muss man sich beim Duschen schon etwas gewöhnen.

Nach den ganzen Erlebnissen vom Vortage sind wir diesen Tag ruhig angegangen. Erst einmal mussten wir unsere Vorräte auffrischen, zuerst also in einen Supermarkt. Dann aber wollten wir mehr von Island entdecken. Zunächst fuhren wir Richtung Hekla, einem der bekanntesten und aktivsten Vulkane der Insel. Die Hekla muß schon seit langer Zeit bekannt sein, wird sie doch in vielen Mythen als "Eingangstor zur Hölle" bezeichnet. Dieses schlechte Immage mag an den fürchterlichen Ausbrüchen der Vergangenheit liegen. Die Hekla hat während ihres Bestehens ein Lavavolumen von etwa 8 km³ ausgestoßen und immer wieder weite Teile des Landes zerstört, aber auch Land neu geformt. Dabei sieht sie bei Sonnenschein mit ihrer Schneekappe harmlos aus. Obwohl, so richtig zu sehen bekommen haben wir den Vulkan zunächst nicht, dicke Wolken verbargen die Hekla. Unser Weg führte uns durch alte Lavafelder und sandige Ebenen. Die Umgebung wirkte eher verlassen. Wir sahen zwar einige Schilder, die unserer Deutung nach Land zum Kauf anboten, kamen aber für uns zu dem Schluss, das ist zu weit ab von allem.

Weiter die Straße entlang kam dann eine Abzweigung zum Wasserfall Hjálparfoss. Kurz vor dem Zusammenfluss mit der Fossá stürzen sich die Flussarme der Þjórsá gute 9 Meter in die Tiefe. Obwohl es mal wieder regnete, sah der Sturz der Wassermassen zwischen Basaltsäulen hindurch schon ein wenig malerisch aus. Frei übersetzt aus dem Isländischen bedeutet der Name Hjálparfoss so etwas wie "Hilfewasserfall". Diesen Namen verdankt der Wasserfall der Tatsache, dass in der Vergangenheit, nach einer Inlandquerung über wüstenähnliche Landschaften, hier die erste Stelle war, an der man wieder frisches Wasser und Futter für die Pferde bekam.

Wir fuhren weiter durch die wüstenähnlichen Berge. Die Straße war nur eine Sandpiste und wir waren froh niemanden vor uns zu haben. Das hätte die Sicht auf Null reduziert. Weite, trockene Lavafelder begleiteten uns. Unterwegs kamen wir an einer neu gebauten Brücke vorbei. Daneben aber noch eine alte Brücke, scheinbar nur für den Transport von Schafen gedacht, um diese unbeschadet über den Fluss zu bringen.

Mittlerweile waren wir schon sehr weit in die Berge vorgedrungen, da sahen wir ein Hinweisschild Landmannalaugar. Im Reiseführer hatten wir gelesen, ein lohnenswerter Ausflug. Also folgten wir den Weg dorthin. Zuerst war die Straße ja auch ganz in Ordnung, als wir aber beim Kraftwerk Búrfell abbogen, wurde die Strecke zusehends schlechter. Die Landschaft wurde jetzt wirklich faszinierend. Weite Lavafelder erinnerten an eine Mondlandschaft, teilweise kamen wir uns vor wie auf einen anderen Planeten. Etwas später beeindruckten uns die Berge durch ihre Farbenvielfalt. Gegensetzlich, grandios, so würden wir diese Gegend beschreiben.

  Unterwegs hielten wir noch einmal am Zusammenfluss mehrerer Flüsse. Ein idyllischer Ort an dem wir ein wenig verweilten. Dann ging die Fahrt weiter, an einem See vorbei, immer durch die total verlassene Landschaft die absolut ursprünglich auf uns wirkte. Vorbei ging der Weg an den Vulkankrater Hnausapollur und Ljótipollur. Kurz vor Landmannalaugar mussten dann noch zwei Flüsse durchfurtet werden.

 Für den Namen Landmannalaugar haben wir zwei Übersetzungen gefunden, die wie folgt lauten: - 1. die warmen Quellen der Menschen aus Land - 2. warme Bad der Landmänner. Wie auch immer, es hat alles etwas mit den 70°C heißen Wasser, welches aus der Lava des Lavastromes Laugahraun fließt und sich mit kaltem Wasser eines Gletscherflusses mischt, so dass eine angenehme Badetemperatur erreicht wird.

Wir sahen hier tatsächlich ein Vorsicht-Schild, welches vor der zu heißen Temperatur im Bach warnte. Zahlreiche Besucher kommen jedes Jahr an diesen Ort. So soll sich die Keimzahl im Badewasser erheblich erhöht haben. Wir sahen auch einige Tümpel, die schon mit Algen zugewachsen waren. Wir konnten nicht so richtig unterscheiden, ob die Blubberblasen in einigen Tümpeln Wasser war, was aus dem Untergrund kam, oder ob es sich um Faulgase handelte. Wir sind jedenfalls nicht zum Baden gegangen. Bei unserem Besuch waren nicht arg soviele Menschen hier, aber der Toilettenanlage sah man schon an, sie ist für eine Masse an Menschen errichtet. Ehrlich - im Sommer möchte ich hier nicht sein. Obwohl die Wanderungen, die man von hier aus unternehmen kann, wirklich toll sind. Es gibt kürzere Strecken, aber auch Wanderungen für richtig Anspruchsvolle. Uns interessierte jetzt noch, warum die Berge in einer solchen Farbenpracht erscheinen. Es liegt an den unterschiedlichen Gesteinen der Vulkane in der Umgebung. Der Vulkan Bláhnjúkur besteht zum Beispiel aus grau blauem Pechstein, während der Brennisteinsalda aus Rhyolithgestein besteht, der eine rötlich-braune Farbe hat. Es kommt aber auch zu Schwefel- und Kalkbildung, dies hinterlässt eine bläuliche und weiße Farbgebung. Zum Schluss kommt dann auf allen noch ein wenig Moos für einen entsprechenden Grünton. Das Laugahraun besteht aus Obsidian, welches eine schwarze Farbe hat, fehlt nur noch ein Schneerest, dann haben wir auch glänzendes weiß dabei. Schöne Beschreibung, aber ehrlich - man muss es einfach gesehen haben. Wir haben versucht etwas dieser Farben auf die Bilder zu bannen, so richtig gelungen ist es uns aber nicht. Es war später Nachmittag und wir mussten leider wieder zurück fahren. Ich wollte eigentlich den Weg über Jökuldalir, die Gletschertäler, und zur Eldgjá nehmen. Rolf meinte aber, wir kämen dann doch leicht in die Dunkelheit.
Da aber mehrere Flüsse zu furten waren, haben wir die Strecke gelassen und sind zurückgefahren wie wir gekommen sind. Am Kraftwerk machten wir noch einmal Halt und bewunderten den dortigen Wasserfall.

Es war schon recht spät, als wir wieder in Hveragerði eintrafen. Viel Spaß hatten wir wieder beim Grillen. Leider war der Hot Pott der Hütte eher ein Cold Pott, so konnten wir diesen nicht benutzen. Zum Glück funktionierte die Dusche, so war für die nötige Hygiene gesorgt. Dann machten wir Pläne für den nächsten Tag. Ach so - auch hier war das Bett ein Bett und keine Schlafkuhle. Die Erlebnisse der ersten Nächte in Island wiederholte sich nicht mehr - zum Glück.

Für diesen Tag hatten wir uns ein reichhaltiges Programm ausgedacht. Was heißt ausgedacht - warum das Rad neu erfinden, wenn es das schon gibt. Wir begaben uns auf den Weg des "Golden Circle", oder wie man in Island sagt " Gullni hringurinn", was soviel bedeutet wie "Goldener Ring oder Goldene Rundfahrt". Die meisten Touristen besuchen die drei wichtigsten und sehenswertesten Sehenswürdigkeiten von Island während eines Tagesausfluges von Reykjavik aus. Da man diese Sehenswürdigkeiten fast wie in einem Kreis abfahren kann der Name "Golden Circle".

 Unser Weg führte uns erst einmal zum See Þingvallavatn zu dem Ort Þingvellir. Es handelt sich hier um eine altisländische Thingstätte, die Ebene der Volksversammlung. Ein Ort von wahrer historischer Bedeutung, war hier von 930 bis 1789 der Regierungssitz. Jedes Jahr wurde hier zwei Wochen lang das sogenannte Alþing abgehalten, quasi eine Gesetzgebende Versammlung. Wobei alle drei Gewalten - Legislative, Judikative und Exekutive - ausgeübt wurden. Nach den Griechen eine der ältesten Parlamente. Die Dänen lösten dann 1789 das Alþing auf. Im Jahr 1.000 wurde hier auch das Christentum beschlossen (woraufhin Þorgeir nach der Pingsitzung seine Götterbilder in den nächsten Wasserfall der seitdem seinen Namen hat - Goðafoss). Gleichfalls wurde hier 1944 die Unabhängigkeit vollendet. Die Dänen konnten nicht zu Verhandlungen erscheinen, so konnte durch einen Parlamentsbeschluss, also auch durch eine Volksabstimmung darüber entschieden werden, den Unionsvertrag mit Dänemark formell aufzulösen. Noch heute finden alle wichtigen Staatsfeierlichkeiten in Þingvellir statt.

 Þingvellir liegt mitten in der aktiven Vulkanzone am mittelatlantischen Rücken, also dort, wo die nordamerikanische und europäische tektonischen Platten aufeinanderstoßen. Sichtbar wird die "Tätigkeit" im Untergrund durch die imposanten Felsspalten und Risse. In den letzten tausend Jahren hat sich der Boden um 40 Meter gesenkt und das Land beidseits der Schlucht Almannagjá ist um 20 Meter auseinandergedriftet.

Es gibt hier dann noch die scheinbar erste Kirche von Island zu sehen, die Þingvalla-Kirche. Daneben stehen noch fünf Holzhäuser, die auch noch bewohnt sind. Hier sind der Direktor des Nationalparks und der Pfarrer zu Hause. Seit 1939 ist hier auch der Ehrenfriedhof von Island, wobei bis dato nur drei Dichter hier begraben wurden, die sich im Unabhängigkeitskampf engagiert haben. Durch das Tal fließt der Fluss Öxará, wir wanderten zum Ende der Schlucht Almannagjá um uns den Wasserfall Öxarárfoss anzusehen. Teilweise war es so windig, da ging das Wasser nicht nach unter, sondern wurde nach oben weggeweht. Ein erstaunlicher Anblick - ein Wasserfall rückwärts, oder so ähnlich.

Der große Geysir

Smidur

Litti-Geysir

 Das nächste Highlight des Golden Circle befindet sich im Tal des Hochtemperaturgebietes Haukadalur. In diesem Tal gibt es eine Vielzahl von heißen Quellen und, die größte Attraktion, den großen Geysir und den Strokkur. Nach dem Stóri Geysir (=großer Geysir) haben alle Springquellen auf der Welt ihren Namen erhalten. Der Bischof Brynjólfur Sveinsson verwendete diesen Begriff um den "Ding" einen Namen zu geben. Er entdeckte diese Springquelle und spielte mit dem Wort geysa = wildes strömen, das Wort Geysir war geboren. Die Springquellen haben einen engen Eruptionskanal der mit Wasser gefüllt ist. Am Boden des Spalts wird dieses Wasser nun vom Magma erhitzt, es entsteht Wasserdampf. Dieser Wasserdampf dehnt sich dann explosionsartig aus und schleudert die darüber liegende Wassersäule aus den engen Eruptionskanal. Die herausgeschleuderte Wassersäule kann eine Höhe von bis zu 100 Metern erreichen. Aber der große Geysir ist faul geworden. Er bricht nur noch ab und an mal aus und erreicht dabei nicht mehr die einst 60 Meter hohe Wassersäule. Das kann sich aber durchaus wieder ändern, denn schon einmal hatte dieser Geysir seine Tätigkeit für einige Jahrzehnte eingestellt. Nach einem Erdbeben im Jahr 2.000 nahm er seine Aktivität plötzlich wieder auf.
Daher sammeln sich die meisten Menschen um das Butterfass, den Strokkur. Dieser bricht regelmäßig alle 3 - 5 Minuten aus. Voller Erwartung starrt man auf die Wasseroberfläche. Immer wieder blubbert es mal etwas heftiger, dann steigen Dampfblasen auf. Der Schwefelgeruch wird intensiver. Jetzt wölbt sich die Wasseroberfläche glockenförmig auf. Finale - innerhalb des Bruchteiles einer Sekunde schießt das Wasser explosionsartig in die Höhe. Manchmal passieren diese Ausbrüche auch ganz kurz hintereinander. Nachdem die Wassersäule in sich zusammen gefallen ist, fließt das restliche Wasser zurück in den Spalt des Quelltopfes. Dann geht das ganze Spektakel wieder von vorne los. Ein wahrlich faszinierender Anblick.

Wie schon erwähnt hat Haukadalur aber noch andere heiße Quellen zu bieten, zugegeben - nicht ganz so spektakulär. So gibt es noch die Blesi, die aus zwei Teilen besteht. Der höhere, heiße Teil fließt dabei in ein Becken mit leuchtend blauer Farbe. Die in dem Wasser enthaltenen Mineralien nehmen im kälteren Wasser des zweiten Beckens eine Struktur an. Diese Struktur reflektiert das blaue Licht. Oh Wunder, was die Natur so alles für uns bereit hält. Es gibt auch noch weitere kleine Geysire, wie die Fata, die lustig vor sich hin köchelt. Überall haben wir Blubberlöcher und ähnliches gefunden. Heute ist das ganze Gebiet 500 m lang und 100 m breit. Man findet aber in der ganzen Umgebung (ein Gebiet von 200.000 m2) Silikatplatten, die typisch sind für die Abdeckung von Springquellen.

Die ganze Zeit über hat es in strömen geregnet, trotzdem konnten wir uns kaum losreißen von diesem Anblick. Man gut, beim Café gegenüber konnten wir uns etwas aufwärmen und unsere Eindrücke etwas verarbeiten. Natürlich wurde der Souvenirshop auch inspiziert, aber nach sovielen Tagen in Island gleicht sich irgendwann ein Laden dem anderen.

Die letzte Station des Golden Circle ist der Gullfoss, der goldene Wasserfall. Dieser Wasserfall wird von der Hyitá gespeist, dem weißen Fluss. Den Namen hat der Fluss wegen seines milchig aussehenden Wassers erhalten. Über zwei Fallstufen rauscht das Wasser in die Tiefe. Die erste Stufe ist nur 11 Meter, die zweite Stufe dann schon 21 Meter hoch. Die beiden Fallstufen stehen im fast rechten Winkel zueinander. Die Schlucht, in die das Wasser stürzt ist 70 Meter tief und 2,5 km lang und sehr, sehr schmal. Auch an diesem Wasserfall sind starke erosive Kräfte am werken. Der Boden besteht hier, aufgebaut wie ein Sandwich, aus Lavaschichten mit Schotter dazwischen. Der Schotter ist weich und wird leicht durch das Wasser ausgespült, die darüber liegende Lavaschicht bricht ein. Die tiefe Schlucht ist so innerhalb von nur 10.000 Jahren entstanden. Immerhin zieht sich die Fallkante hier um bis zu 30 cm pro Jahr zurück. Natürlich verleitet die enorme Kraft die so ein Wasserfall in sich birgt dazu, diesen zur Stromgewinnung zu nutzen. Britische Spekulanten wollten schon 1907 den Gullfoss kaufen und hier ein Kraftwerk errichten. Sigríður Tómasdóttir, Tochter des Landbesitzers auf dem der Gullfoss liegt, kämpfte verbissen gegen dieses Vorhaben an. Letzte Drohung ihrerseits, nach langem juristischen Kampf, war, sich selbst in die Fluten zu stürzen. Die dankbaren Isländer haben ihr neben dem Wasserfall ein Denkmal gesetzt. Heute befindet sich der Wasserfall in Staatsbesitz und steht unter Naturschutz. Trotz des Regens war es ein Vergnügen diesen Wasserfall von der Schluchtkante bis zum höchsten Punkt über dem Besucherzentrum zu erkunden.

Man kommt sehr nahe an den Wasserfall heran und die kalte Gischt durchweicht einen. Was für uns kein Problem darstellte, wir waren eh schon völlig durchnässt nachdem wir den ganzen Tag im freien waren.

 Auf dem Rückweg zu unserer Hütte hielten wir dann noch einmal beim Krater Kerið. Der Kerið liegt im Eruptionsgürtel des Reykjanes–Langjökull–Gebiet und gehört einer Reihe von insgesamt 5 Kratern. Die Größe bemisst sich auf 225 x 170 Metern mit einer Tiefe von 55 Metern, wobei der Kratersee eine Wassertiefe von 7 - 14 Metern hat. Die Höhe des Wasserspiegels ist dem Grundwasserspiegel angepasst. Lange Zeit glaubte man, es handele sich hier um einen Explosionskrater. Man fand aber nie eine Ascheschicht die eine Explosion ausgestoßen hätte. So geht man heute davon aus, dass es sich um einen Schlackekrater handelt, bei dem kurz vor Ende des Ausbruchs die Lava unter dem Krater einen plötzlichen Abfluss fand, so dass die Decke der schon erkalteten, oberen Lavaschicht eingebrochen ist. Da es aufgehört hatte zu regnen, wanderten wir einmal um den ganzen Krater herum. Ein wenig kam die Sonne zum Vorschein, was die Farbenpracht intensiv aufleuchten ließ

Wir hatten an diesem Tag wirklich viel erlebt und waren ganz schön erschöpft, als wir wieder an unserer Hütte ankamen. Heute hätten wir den Hot Pott wirklich gebraucht, aber man kann halt nicht alles haben. Gut geschlafen haben wir auf alle Fälle, nach so einem aufregenden Tag mit so vielen Entdeckungen und Erlebnissen.

 Diesen Tag sind wir wieder ruhiger angegangen. Nach ausgiebigen Frühstück sind wir noch einmal durch das Tal der Pjórsá gefahren, dieses Mal zum Hof Stöng. Die Geschichte des Hofes Stöng ist mit der Hekla verbunden. Wir hatten ja schon berichtet, die Hekla ist ein äußerst aktiver Vulkan der regelmäßig wieder ausbricht. Einer der letzten großen Zyklen war so um 1104. Zahlreiche Bauernhöfe wurden damals vernichtet, das Land war von gut 2 1/2 Kubikkilometer Asche bedeckt. Unter dieser Aschenschicht wurde auch der Hof Stöng seinerzeit begraben.

Erst 1939 wurde die Ruine des Hofes entdeckt und ausgegraben. Das Langhaus wurde zum besseren Erhalt überdacht. Man kann dort jederzeit hineingehen und sich ansehen, wie damals so gelebt wurde. Man sieht die Feuerstellen, an denen früher gekocht wurde. Die Abluft wurde dann zum Heizen benutzt. In die Wände wurden Alkoven eingelassen und es gibt auch ein paar kleine Nebenräume. Zur 1.100 Jahr-Feier Islands wurde das Langhaus 1974 genau rekonstruiert. Allerdings liegt das Museum auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dabei hat man sehr viel Wert auf eine detailgetreue Rekonstruktion gelegt. Das Museum ist leider ab Ende August geschlossen. So konnten wir uns diese Nachbauten nur von außen ansehen. Aber, Arbeiter waren dabei die Torfwände zu erneuern. Aufgrund dieser Arbeiten konnten wir deutlich sehen, wie sich die Wände aus verschiedenen Schichten aus Torf zusammen setzen. Neben dem Langhaus wurde auch eine kleine Kirche rekonstruiert.

 Geht man vom Fundort des Hofes Stöng aus weiter den Fluss entlang, eröffnet sich ein wunderschönes Tal. Obwohl es immer mal wieder geregnet hat, für uns sah es hier aus wie im Paradies. Wir waren in der Schlucht Gjáin, was soviel bedeutet wie Schlucht. Zahlreiche kleine Wasserfälle fließen in diese Schlucht. Man krabbelt durch kleine Höhlen und Torbögen und der Fluss hat teilweise eine wunderschöne blaue Farbe. Am Ende dieser kleinen Schlucht liegt der Wasserfall Gjárfoss. Schade, dass es immer mal wieder geregnet hat, trotzdem hielten wir uns in dieser schönen Schlucht eine ganze Weile auf.

 Wir hatten den Tag nicht so richtig ausgeplant. Aufgrund des immer wieder einsetzenden Regens sind wir dann Richtung Küste gefahren, nach Þorlákshöfn. Dieser Ort hat den einzigen Hafen der Nordsüdküste (der nächste ist erst wieder in Höfn, gute 400 km entfernt). Da das Gewässer an der Südküste ziemlich flach ist, gibt es auch nicht so viele Häfen. Von hier aus fährt die Fähre nach Heimaey auf den Vestmannaeyjar. Wir sind durch den ganzen Ort gefahren, viel mehr gibt es hier nicht zu sehen.

Also, weiter Richtung Westen, immer an der Küste entlang. Wir gelangten dann, mitten im Nirgendwo, zur Strandarkirkja. Wen wundert es, auch zu dieser Kirche gibt es eine Geschichte. Ein Schiff geriet in Seenot und die Seemänner beteten in ihrer Not um Rettung. Dabei schworen sie, sollten sie gerettet werden, als Dank eine Kirche zu bauen. Wie man sieht, sie wurden gerettet, eine Kirche wurde gebaut und man nennt Strandarkirkja auch die "Kirche der Seeleute". Die Spenden der Seeleute mussten sehr, sehr hoch ausgefallen sein, zählt die Kirche, die ohne Gemeinde ist, zu der reichsten der ganzen Insel.

Auf den Weg zurück nach Hveragerði haben dann noch bei der Lavahöhle Raufarhólshellir halt gemacht. Auch bei dieser Höhle handelt es sich eigentlich um eine Lavaröhre. Es handelt sich hier um Lavakanäle, deren Oberfläche abkühlte und erstarrte, während darunter die flüssige Lava weiter strömte, bis die Eruption zum Stillstand kam. Raufarhólshellir hat eine Länge von 1.350 Metern und führt unter der Straße 39 hindurch. Es ist wirklich äußerst schwierig eine solche Höhle zu erkunden. Viele Felsbrocken liegen im Weg über die geklettert werden muss, dabei sind nicht alle immer fest. Außerdem ist es auch ganz schön feucht. Aber die Farbenvielfalt hier unten ist einfach beeindruckend und entschädigt für alle Mühen.

Nach diesem aufregenden Ausflug sind wir wirklich wieder zur Hütte gefahren. Unterwegs hatten wir noch einmal einen wunderschönen Regenbogen und einen tollen Blick über das Tal von Hveragerði.

Wir genossen einen letzten Abend in dieser Hütte, bevor wir am nächsten Tag dann die Halbinsel Reykjanes erkunden. Die Tage in dieser Gegend haben wir genossen und viel erlebt. Obwohl, vieles hatten wir auch nicht gesehen, die Zeit war mal wieder nicht gerade für uns. Wir denken, man kann es durchaus einige Tage länger in der Umgebung Selfoss aushalten.

Die letzte Etappe unserer Island-Rundfahrt stand bevor. Natürlich, erst einmal wieder die Hütte aufräumen, dann aber ging es los. Die Halbinsel Reykjanes wartete auf uns. Aktiver Vulkanismus beherrscht die Halbinsel, stellt sie doch die über dem Meeresspiegel liegende Fortsetzung des Mittelatlantischen Rückens dar. Es warteten also so einige Entdeckungen auf uns.

Die Strecke führte direkt am Fjord entlang, auf der anderen Straßenseite die 70 m hohen Klippen des Krisuvikurberg. Diese Klippen sind ein Paradies für Seevögel, diese hatten sich aber an diesem Tage rar gemacht. Das lag bestimmt an den ausgewachsenen Sturm. Es sah schon ein wenig komisch aus, wie die Wellenkämme förmlich vom Wind weggeblasen wurden.

Einige Zeit später waren wir beim Geothermalgebiet Seltún angekommen. Als wir aus dem Auto ausgestiegen waren, mussten wir aufpassen nicht vom Wind umgeblasen zu werden. Der Sturm hatte gewaltig an Kraft zugelegt. Zuerst waren wir an einem kleinen See mit Namen Grænavatn. Es handelt sich um ein bläulich/grünlich schimmerndes, mit Wasser gefülltes, Maar. Gleich daneben der große Schlammtopf Fúlipollur. Etwas weiter die Straße hinauf dann das eigentliche Gebiet von Seltún. Hier gibt es eine Menge Schlammtöpfe und heiße Quellen zu sehen. Einige Kilometer weiter kam der See Kleivarvatn. Wie auch in einigen anderen Seen, so soll auch in diesen ein Seeungeheuer leben, wobei es uns nicht begrüßt hat. Natürlich gibt es in dieser aktiven Vulkanzone auch noch häufig Erdbeben. Nach einem dieser Erdbeben im Jahr 2.000 senkte sich der Wasserspiegel des Sees dramatisch und die Fläche verringerte sich um ein 1/5 - nach einige Zeit stieg das Wasser wieder. Für das absinken des Wasserspiegels macht man Spalten unter der Wasseroberfläche verantwortlich, in denen das Wasser versickert. Im Laufe der folgenden Jahre stieg der Wasserspiegel aber wieder. Dieses Phänomen hat man in der Vergangenheit schon öfters beobachtet. Unter dem Seewasser liegen einige heiße Quellen. Wir konnten so eine heiße Quelle sehen, als wir am Ufer entlang gingen.

Kurz hinter dem Geothermalgebiet hielten wir noch einmal bei den Grundmauern einer alten Kirche. Dann kam ein abenteuerlicher Abstecher zu einen Punkt an der Küste, von dem aus man eigentlich sehr gut Vögel beobachten können soll. Es ist ja schon erwähnt worden, dieser Tag war äußerst stürmisch und uns war klar, auf den Felsen werden wir alles sehen, nur keine Vögel.
Witzig war aber, dort wo man eigentlich die Vögel sieht, hatten sich Schafe verkrochen, um so Schutz vor dem Sturm zu bekommen (das glauben wir zumindest). Weiter ging es Richtung Grindavik, wobei wir an der Abzweigung zur blauen Lagune vorbei gefahren sind. Viele werden sagen: "Warum denn das?" Wir wollten nicht einfach nur Baden gehen. Auch wenn die Blaue Lagune eine der Attraktionen von Island ist, wir können uns das Badevergnügen dort nicht vorstellen. Unser nächster Halt war dann am südlichsten Punkt der Halbinsel, in Reykjanesviti. Ab und an kam die Sonne durch die Wolken und strahlte den Nachbau des ersten Leuchtturms Islands an, der 1878 errichtet wurde. Der wirkliche erste Leuchtturm wurde bei einem Erdbeben 1878 zerstört. Die Küste an dieser Stelle sieht wirklich, unwirklich schön aus.

Der Tag war aber noch lange nicht zu Ende. Nächste "Attraktion" - die Brücke über die Kontinente. Die Brücke wurde über eine Lavaspalte zwischen den beiden Kontinentalplatten gebaut. So kann man bequem von Europa nach Amerika gehen, das ganze ohne Ausweiskontrolle. Auf den Grund unter der Brücke wurden allerhand Stein-Gebilde gelegt, das ganze sieht recht witzig aus.

Der Sturm brauste noch immer mit aller Gewalt. Um den Wind etwas zu entgehen bin ich in die Spalte hineingegangen, um etwas Schutz zu suchen. Funktionierte auch, aber Rolf entdeckte immer wieder etwas und rief mich dazu. Es ist faszinierend zu sehen, welche Gewalten auf unserer Erde wirken und dieser Spalt hat es uns noch einmal verdeutlicht - wie dies vorher ja auch schon an vielen anderen Stellen in Island geschehen ist. Hier also driften die beiden Kontinentalplatten auseinander. Auf Tafeln wird der Vorgang veranschaulicht und erklärt. Die Brücke gilt übrigens auch als Symbol für die Freundschaft zwischen Europa und Amerika und soll eine Brücke des Glücks sein.

Der Weg führte zum Ort Hafnir, der früher ein bedeutender Handelsposten und Fischerort war. Danach kam Hvalsnes mit dem für Island bedeutensten Gotteshaus, der aus behauenen Naturstein gebauten Hvalsneskirkja. Bedeutend ist diese Kirche deshalb, weil der berühmte Dichter, der Pastor Hallgrímur Pétursson, hier von 1644 - 1651 Kirchenvorstand war. Auf dem Friedhof sieht man noch den Grabstein seiner Tochter mit einem Gedicht des Meisters. Über Sandgerði fuhren wir nach Garður, bis zum alten und neuen Leuchtturm. Auf einer Tafel wird auf die vielen Schiffsuntergänge hingewiesen. Die Riffs und Untiefen der Gewässer dieser sturmumtosten Küste fordern immer wieder ihren Tribut. Hier gab es eine Menge Vögel zu beobachten, aber der Wind war so stark, man konnte kaum die Kamera halten, geschweige denn das Stativ benutzen (das wäre sofort umgeweht worden). Da es aufgrund des Sturmes hier wirklich nicht gerade einladend war, machten wir uns wieder auf den Weg. Kurze Zeit später fuhren wir am Flughafen Keflavik vorbei - wir hatten die Insel einmal komplett umrundet. Für unsere letzte Nacht auf Island quartierten wir uns in einem Motel in Vogar ein.

In Vogar gibt es eigentlich nichts, absolut nichts. Aber - wir waren noch gar nicht in Reykjavik. Lange fahren mussten wir von Vogar aus ja nicht und das es schon später Nachmittag war, fanden wir auch sofort einen Parkplatz. Wir schlenderten eine ganze Zeit durch die Innenstadt. Vorbei am Parlament, dem Rathaus, dem Nationalmuseum, der lutherischen Domkirche und natürlich auch zu der alles überragenden Hallgrimskirkja. Die untergehende Sonne schien fast direkt auf dieses Bauwerk und ließ es wunderschön erleuchten. Benannt ist die Kirche nach dem uns nun schon bekannten Dichter und Pastor Hallgrímur Pétursson. Alles in allem, eine tolle und schöne Hauptstadt haben die Isländer. Zum Abendessen suchten wir uns ein schickes Restaurant und genossen richtig schönen, frisch zubereiteten Fisch. Ein schöner Ausklang für unser Abenteuer Island.

Früh, sehr früh am nächsten Morgen ging es dann zum Flughafen. Das Auto abgegeben, dann ging auch schon bald der Flieger Richtung Frankfurt. Dann noch ein paar Stunden Zug fahren - wir waren wieder zu Hause. Ein toller, abenteuerlicher Urlaub war zu Ende. Dafür, dass ich eigentlich gar nicht nach Island wollte, wirklich bemerkenswert. Wir haben viel nicht gesehen, aber das was wir gesehen haben war einfach nur traumhaft. So viele Schönheiten der Natur, alle gebündelt auf relativ kleinen Raum. Ein unglaublich abwechslungsreiche Landschaft, die eine Kraft ausstrahlt, die ich gar nicht beschreiben kann. Das Licht auf der Insel, auch das kann ich nicht in Worte fassen. Ich bin eigentlich jetzt schon sehr sicher, Island wird uns noch einmal wieder sehen. Da warten noch eine ganze Menge Abenteuer auf uns. Wenn ich nur an das Hochland denke, da waren wir gar nicht. Aber auch in allen anderen Regionen gibt es noch sehr viel zu entdecken.

Discover the Earth - 2010