Rolf schaut einfach zuviel Fernsehen. Eines Tages zeigte er auf den Bildschirm und sagte: "Da müssen wir mal hin." Gezeigt wurde eine Ruinenstadt, die unübersehbar in den Bergen lag. Frage meinerseits: "Wo um Himmels willen ist das?" "Na ja, das ist Madschu Pitschu." "Bitte was?" "Das kennt doch jeder, such mal, wie wir das am besten hin bekommen."
Klare Ansage - und keinen Schimmer. Aber wofür gibt es das Internet und ach so berühmte Suchmaschinen. Ich gab also den Suchbegriff "Madschu Pitschu" ein und sogleich wurde die Maschine fündig. Meinten Sie: "matschu pitschu" - hab ich eine Ahnung, drück einfach mal drauf. Es folgen so ungefähr 7.040.000 Ergebnisse. So fand sogar ich heraus, das liegt in Südamerika, genauer gesagt in dem Land Peru.
Zum Glück werden ja auch Bilder mit angezeigt und es gab einen eindeutigen Wiedererkennungswert. Der erste Eintrag ist dann auch bei Wikipidia - Machu Picchu (auf deutsch auch Machu Pichu). Bevor ich mich aber jetzt schon mit Details Machu Picchu befasse, muß ich erst mal herausfinden, wie kommen wir am besten nach Peru, wann ist es am besten, was kann man da noch so machen.
Einige Tage später, stolz berichtete ich was ich alles herausgefunden hatte, wurde aber gleich unterbrochen. Ähnliche Ergebnisse hatte auch Rolf erzielt. Ihm viel ein, davon schon einmal gelesen zu haben - Tim & Struppi im Sonnentempel gaben ihm fast die gleichen Informationen. Das zur Technik mit ihren Enzyklopädien und einem Comic (obwohl - Herge, das ist kein schnöder Comic, da kann man schon von Unterhaltung mit Sinn reden, auch wenn man nicht von großer Literatur reden kann - liebe Fans: Entschuldigung!). Schnell war uns klar, das ganze Land und alle Sehenswürdigkeiten kann man unmöglich in einem Urlaub schaffen. Ergo mussten wir uns auf die Highlights konzentrieren, aber allein davon gibt es unzählige. Also, noch mal sieben - dann bleibt das Who is Who von Peru über. Einmal wieder Richtung Südamerika - warum auch nicht! Einige Zeit brauchten wir für die Planung, es gibt da so einige Dinge zu beachten - aber davon später.

Peru liegt in Südamerika und ist einer der sogenannten Andenstaaten. Die Anden durchqueren das gesamte Land von Nord nach Süd und prägen es deutlich mit einer Höhe von über 6.000 Metern und den vielen noch aktiven Vulkanen. Die Gegend an der Pazifikküste ist absolut trocken, man kann von einer Wüste sprechen. Westlich der Anden erstreckt sich dann das Amazonasbecken mit seinen riesigen Regenwald. Peru ist also ein Land, in dem man sich Vielfältig betätigen kann.

Das Gebiet des heutigen Peru zählt, historisch gesehen, zu der Zentralregion des ehemaligen Inka-Reiches. Immerhin waren die Inkas davon überzeugt, die größte Zivilisation auf der Erde zu sein. Durch Eroberungskriege weiteten sie ihren Einflussbereich von Peru auf Nordchile, Westargentinien, Teile Boliviens, Ecuador und die südlichen Regionen Kolumbiens aus. Die nur knapp 40.000 Inkas kontrollierten somit ein riesiges Gebiet und beherrschten mehr alls 12 Millionen Menschen, die aus 100 verschiedenen Völkern stammten und über 20 verschiedene Sprachen sprachen. Dieses größte, bekannteste Reich Amerikas prägt bis heute den gesamten südamerikanischen Raum.

Gewaltsam beendet wurde das Inka-Reich dann von den spanischen Eroberern, so um 1532 bis 1536. Nur zwanzig Jahre nach der Entdeckung durch Kolumbus brauchten die Spanier um erst Mexiko zu erobern, dabei die Azteken auszurotten, dann kam bald schon Peru an die Reihe. Die Gier der Konquistadoren nach Edelmetallen war einfach unermesslich, eingeschleppte Krankheiten, wie die Pocken, taten ihr übriges. Eine Hochkultur wurde vernichtet. Leider hatten wir in diesem Jahr wirklich nicht viel Zeit für unseren Urlaub.

So blieb uns nichts anderes übrig, als uns an den "Gringo Trail" - also den Weg für den weißen Ausländer - zu halten. Trotzdem war die Vorfreunde auf die Reise fast unermesslich und wir waren, wie eigentlich vor jeder Reise, ziemlich aufgeregt, als es zum Flughafen ging.

Es ist ja nicht gerade so, als würden wir das erste Mal fliegen. Aber Fehler unterlaufen halt jeden. Für den Flug wählte ich einen schönen Pullover aus. Problem - schon in Hamburg auf dem Flughafen bin ich fast weg geschwommen. Meine Güte - der war viel zu warm. Nur im T-Shirt, dafür war es zu kalt. Was soll man tun - schnell einen neuen, dünneren Pullover kaufen. Das mach mal einer nach, noch nicht einmal abgeflogen, schon das erste Souvenir gekauft (und ganz nebenbei, den Gepäckeinsparer Rolf ausgetrickst - jetzt hatte ich einen Pullover mehr). In Amsterdam hatten wir dann überhaupt keine Zeit. Trotz einer Stunde Aufenthalt schafften wir es gerade zum Boarding. Scharf waren die Kontrollen dieses Mal - Gott sei Dank - die Spinner dieser Erde dürfen keine Chance erhalten. Natürlich landeten wir in Lima, der Hauptstadt von Peru - wo denn auch sonst. Die Einreise ging wirklich absolut unproblematisch, auch die Schlange bei der Einwanderung wurde zügig abgebaut. Schnell zu einem Hotel im schönen Stadtteil Mia Flores. Auch wenn es in Lima viel zu entdecken gibt, wir blieben nur eine Nacht. Dafür war das Hotel o.k. und in dem Stadtteil war es leicht, ein gemütliches, kleines Restaurant zu finden und erste Eindrücke der Küche des Landes zu sammeln. Ganz schön kaputt waren wir vom Flug (mir scheinst, wir werden nicht jünger) - so schliefen wir fest ein. Am nächsten Morgen ging es dann gleich wieder zum Flughafen - Ariquipa war unser erstes Reiseziel in Peru.

Arequipa liegt in den Anden, im Süden von Peru. Auf dem Flugplatz angekommen, steigt man auf dem Vorfeld aus und geht zu Fuß bis zu dem Terminal. Begrüßt wird man hierbei von drei mächtigen Vulkanen, die die Stadt förmlich umringen. Man erblickt den 5.822 m hohen kegelförmigen Misti , den 6.057 m hohen Chachani und den kleineren und entfernteren Pihu Pichu. Die Stadt selbst liegt auf einer Höhe von 2.300 Metern, somit gut geeignet sich an die Höhe zu gewöhnen. Viel zu sehen gibt es in Arequipa, einer Stadt, die wegen ihrer kolonialen Architektur von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Die fruchtbaren Felder am Rande des Rio Chili ließen schon die Inkas hier eine Stadt errichten. 1540 gründeten dann die Spanier an dieser Stelle die Stadt Arequipa, die aufgrund der ergiebigen Landwirtschaft bald zu Reichtum und Wohlstand kam. Viele Kirchen und Paläste wurden aus dem weißen Tuffstein (sillar) gebaut und mit der Zeit entwickelte sich eine der schönsten Städte des Kolonialreiches. Trotz der vielen Erdbeben macht die Stadt auch heute noch einen imposanten Eindruck und hat von ihrer Schönheit nichts verloren (sieht man von den Autoabgasen einmal ab).
In der Nähe der Plaza de Armas fanden wir ein hübsches, kleines Hotel, das La Hosteria. Die Leute waren überaus freundlich und hilfsbereit, die Zimmer sauber und ordentlich. Natürlich wollten wir die Umgebung erkunden und es zog uns erst einmal zur Plaza de Armas. Der Platz wird beherrscht durch die riesige Kathedrale, die die gesamte Seite der Plaza de Armas einnimmt. Mit dem Bau dieser Kathedrale hat man schon 1629 begonnen. Dann wurde alles durch einen Brand zerstört und 1844 wieder aufgebaut. Aber schon 1868 wurde die Kathedrale wieder zerstört, dieses Mal durch ein Erdbeben. Aber die Gläubigen ließen sich nicht unter kriegen, es wurde wieder alles aufgebaut. Im Jahre 2001 stürzte dann der Glockenturm bei einem Erdbeben ein und wurde 2004 wieder aufgebaut. Die Kanzel der Kathedrale wurde aus Frankreich importiert und die Orgel aus Belgien. Die Kathedrale von Arequipa ist zudem eine der weniger als 100 Kirchen weltweit, denen es erlaubt ist, die Flagge des Vatikan zu hissen. Von der gegenüberliegenden Seite aus hat man einen guten Blick auf die Kathedrale, inklusive der Vulkane im Hintergrund.

Gleich an der Ecke des Platzes dann die nächste Sehenswürdigkeit, die Kirche La Compañía (17. Jh.). Die Kirche besticht durch die Barockarchitektur. Innen und Außen finden sich Motive mit erstaunlich, verschlungenen Pflanzen- und Tierdarstellungen sowie abstrakte Indianermotive. Das Portal ist auf diese Weise kunstvoll verziert, aber auch der Kreuzgang, während das Hauptschiff mit vollständig vergoldeten, kunstvoll verzierten Altären und Gemälden im Stil der Schule von Cuzco geschmückt ist. Viel weiter sind wir dann an diesem Tag nicht mehr gekommen.
Einmal kurz in die Fußgängerzone geschaut, dann trieb uns der Hunger zum Abendessen. Wobei die Auswahl eines Restaurants hier wirklich nicht einfach ist - es gibt einfach zuviele. Mit sicherer Hand fanden wir dann eines, wohl das schlechteste am Ort. O.k. - es war nicht so schlecht, als das wir das Restaurant wieder verließen, aber auf der kulinarischen Genussskala rangierte es am unteren Ende.
Der nächste Tag begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein. Früh wachten wir auf, den Jetlag hatten wir noch nicht so ganz hinter uns gelassen. Nach einem einfachen, reichhaltigen und guten Frühstück machten wir uns auf den Weg. Zunächst ging es Richtung Plaza de Armas - dabei kamen wir am Kloster Sta. Catalina vorbei, welches wir besichtigen wollten. Leider war noch nicht geöffnet - stand war dran, es ist geöffnet, aber war halt nichts. Wir sollten später wieder kommen. Gut, weiter zum Platz, vielleicht kann man ja noch einen Kaffee zu sich nehmen. Kaum ein Auto war unterwegs, mehr Polizei als sonst auf den Straßen. Mir viel auf, auch sehr viel Militär war auf den Straßen - merkwürdig. Dann kamen wir zum Platz und alles war voll Militär, aller Waffengattungen. Dann viel es uns ein - wir hatten den 1. Mai. Dem ganzen Spektakel des Aufmarsches sahen wir eine ganze Zeit lang zu. Einige Zeit später gingen wir dann wieder zum Kloster - jetzt war alles perfekt und wir starteten mit der Besichtigung.
Das Kloster wurde 1580 von den Dominikanern gegründet. In der Regel kamen die Mädchen aus den Familien reicher Spanier in dieses Kloster. Ungefähr 4 bis 7 Jahre lebten die Mädchen als Novizinnen im Kloster, dann mussten sie sich entscheiden, ob sie den Rest ihres Lebens hier verbringen wollten. Die Aufnahmegebühr für das Kloster war seinerzeit schon beträchtlich, es ist angeblich nicht bekannt, das eine Novizin die Aufnahme ablehnte. Galt doch die Aufnahme auch als eine Ehre und man hätte die Familie total blamiert. Nach der Aufnahme im Kloster mussten die Familien weiterhin voll für die Lebenskosten der Tochter aufkommen. Nach ihrem Tod wurde von jeder Nonne ein Gemälde angefertigt. Die Bilder hängen auch heute noch im Kloster und können besichtigt werden.

1579 wurde mit dem Bau des riesigen Klosters begonnen. Hierfür wurde einfach ein Teil des damaligen Arequipa ummauert. Die riesige Klosterfläche mitten in Arequipa beträgt insgesamt 20.426 m². Eine Stadt in der Stadt mit kleinen Gassen und eigenen Straßennamen, mit Gärten und Werkstätten. Die eigene Wasserversorgung machte das Kloster weitestgehend autark. Fast jede Nonne hatte dort ihr eigenes Haus, oft genug mit Dienstmädchen. Viele Häuser wurden auch durch mehrere Nonnen bewohnt, dann zog die Schwägerin, Tante oder ähnliches mit ein. So lebten dort etwa 150 Nonnen und 400 Dienstmädchen, abgeschottet von den Augen der Öffentlichkeit.
Die Dienstmädchen besorgten den Haushalt und durften auch das Kloster für Besorgungen verlassen. Nach der Rückkehr mussten sie sich dann erst mal waschen, damit alles Ungute von ihnen ging. Selbst der Priester durfte nur durch einen Vorhang von den Nonnen getrennt, die Messe lesen. Die Nonnen selbst durften das Kloster nicht verlassen und auch kein Besucher von draußen durfte sie zu Gesicht bekommen. Bei besonderen Anlässen war eine kurze Unterhaltung durch ein hölzernes Gitter möglich. Hierfür gab es für die höher gestellten Nonnen einen richtigen Raum, für die "gewöhnlichen" Nonnen gab es einen Durchgang mit mehreren Gittern.

1871 reformierte und liberalisierte die damalige Leiterin des Klosters Santa Catalina in Arequipa, Josefa Cadena, das Kloster. Andere erzählten uns, der Orden wollte die dekadente Art und Weise des Klosters nicht mehr akzeptieren. Auf alle Fälle ist seit dem die Aufnahme kostenlos, die Nonnen mussten ihre Häuser aufgeben und in Gemeinschaftsschlafsälen nächtigen und auch die Küchenarbeit wurde gemeinsam besorgt. Natürlich wurden auch die Dienerinnen verboten. Merkwürdig, seit dem waren die Frauen des Geldadels nicht mehr so Christlich und wollten sich nicht mehr für ihren Gott aufopfern. 1970 lebten dann noch 17 Nonnen in dem Kloster und öffneten es für die Allgemeinheit. Derzeit wohnen noch knapp 30 Nonnen im Kloster.

Am Nachmittag machten wir dann noch eine Stadtrundfahrt mit. Es ging in einen weiter weg gelegenen Stadtteil, mit tollem Blick über die Stadt und natürlich auch auf die Vulkane. Hier gab es, mal wieder, ein hübsche Kirche. Am Stadtrand dann der Rio Chili, der sich scheinbar von den Vulkanen abwärts, durch das Tal schlängelt. Eine der nächsten "Attraktionen" war dann eine Verkaufsshow von Alpaka-Kleidung. Wir fuhren noch ein wenig mit, dann verließen wir die Stadtrundfahrt. Zurück zum Plaza de Armas - dann in die Fußgängerzone. Aber vorher, nochmal ein Prozession - scheinbar soetwas wie eine Marineprozession. Auf alle Fälle wurden irgendwelche Figuren aus der Kirche durch die Stadt getragen.

Wir fanden für Rolf noch eine tolle Hose, so richtig zum wandern, und einen Pullover. Zu Hause lachte er mich ja aus, von wegen dicker Pullover. Aber nachdem die Sonne untergegangen war, wurde es bitter kalt. Ich freute mich über meinen warmen Pullover - auch wenn ich ihn die ganze Zeit schleppen musste. An diesem Tag fanden wir auch ein wirklich tolles Restaurant, das Essen war einfach super. Ein perfekter Tag mit perfekten Abend. Wir gingen dann auch bald ins Bett, unser Bus Richtung Colca Canyon sollte schon um 6.00 h vom Busterminal ab gehen.

 In Arequipa hatten wir ja erste Eindrücke unseres Gastlandes sammeln können - für uns schöne, erlebnisreiche Eindrücke. Um 4.00 h klingelte dann der Wecker, was für ein erwachen, so lange vor dem Aufstehen. Aber unsere Neugier auf mehr von Peru weckte uns. Es gab tatsächlich schon ein Frühstück und um 5.00 h nahmen wir ein Taxi zum Busterminal. Wow - war hier ein Trubel. Diesem Trubel ein wenig zuschauen, dann hat man einen kleinen Überblick. Wir mussten noch die "Steuer" für das Terminal bezahlen und wir bekamen mit, es hat noch ein wenig Zeit, bis der Bus kommt. Also schlenderten wir durch das Terminal. Unzählige Verkaufsstände, mit allem, was man als Reisender so benötigt. Wir nahmen dann noch einen Kaffee - dann war es Zeit, noch einmal ein "stilles Örtchen" aufzusuchen. Erstaunlich - aber sehr sauber, dieses "Örtchen". Dann gingen wir durch das angesagte Gate und der Bus kam vorgefahren. Alles mögliche wurde mit dem Bus transportiert und musste erst einmal verladen werden. Dann ging es los - der Bus hatte eine Art "Oberschaffner" der auf Spanisch eine ellenlange Ansage machte. Was ich mitbekam, war soviel wie: "Auf der Fahrt über den Pass müsst ihr keine Angst haben. Wenn Euch nicht Wohl ist, dann sagt Bescheid, wir haben hier guten Coca-Tee." Die Fahrt führte zunächst durch die Randbezirke von Arequipa, die dann auch nicht mehr so schön waren, wie der Stadtkern - so ist es halt in allen Städten. Es ging dann immer weiter bergauf, durch weite Ebenen. Auf gut 4.000 Metern eröffnet sich dann die Pampa de Canahuas, die zusammen mit der Laguna de Salinus als Nationalpark ausgewiesen ist. An einer Gabelung bogen wir dann links ab und es ging einen 4.690 Meter hohen Pass hinauf. Immer wieder sahen wir große Herden von Lamas und Alpakas. Nach diesen ersten Pass ging es dann immer weiter bergauf durch diese beeindruckende Landschaft. Die schneebedeckten Berggipfel kamen immer näher und nach guten 3 Stunden Fahrt waren wir am höchsten Punkt der Strecke,auf 4.910 Meter, angekommen. Der Himmel war sonnenklar und man hatte eine fantastische Sicht zu den Vulkanen Ampato (6.310 m), Hualcuhualca und dem aktiven Subancaya.
Ein großer Nachteil des Linienbusses, es gibt keine Pausen. So langsam machte sich meine Blase bemerkbar (der Kaffee war wohl nicht wirklich eine gute Idee). Unsere Fahrt ging jetzt steil begab. Am Grund des Tales konnte ich eine größere Ortschaft ausmachen. Ein weiterer Blick in den Reiseführer verriet mir, es muss sich um den Ort Chivay handeln, den größten Ort der Gegend und der Eingang zum Colca Canyon. Es dauerte eine ganze Weile, bis der Bus bis ins Tal heruntergefahren war. Meine Blase hielt es nicht mehr aus. Als wir in das Busterminal einfuhren, war mir alles egal. Unser eigentliches Ziel war Cabanaconde, ich aber stürzte aus dem Bus. Was allerdings nicht gerade als Elegant bezeichnet werden kann. Wir befanden uns auf einer Höhe, so um die 3.900 Metern. Kaum war ich aus dem Bus, bekam ich eine anständige "Schnappatmung". Ich kam mir vor, als hätte ich die Strecke ab Arequipa im Dauerlauf gemacht. Sogleich wurde ich auch noch von fleißigen "Touristenführerinnen" angesprochen. Die sahen aber, ich bekam wirklich kaum Luft und meinten nur: "Du brauchst dringend Coca-Tee." Egal - erst mal ließen sie mich in Ruhe. Dann kam Rolf: "Sind wir in Cabanaconde". Kurze Antwort: "Nein!" Die Blase machte wirklich nicht mehr mit, so stürzte ich, ohne weitere Kommentare, in das Terminal hinein und schaute nach der Toilette, die ich dann auch fand. Allerdings - ich hatte kein Kleingeld! Leute, das Leben kann hart sein. Der gute Mann am Toiletteneinlaß sah allerdings, ich war am Rande der Beherrschung. So durfte ich passieren - was für ein Glück, auf Reisen habe ich grundsätzlich Klopapier in der Hosentasche und Seife (so für ohne Wasser zu gebrauchen). Das Wort Erleichterung trifft meine Empfindungen nicht wirklich. Zurück auf dem Terminal, wo ich Rolf samt unseres Gepäcks fand. Schlau, wie mein Rolf nun einmal ist, hat er gemerkt, bis der Bus weiterfährt bin ich nicht zurück und hat das Gepäck rausgenommen. Der Bus ist weiter gefahren, aber wir waren noch lange nicht am Ziel unseres Ausflugs, wir wollten ja nachCabanaconde. So die Frage von Rolf: "Und nun?"
                                                                Erst einmal erkundigte ich mich, wann denn der nächste Bus fuhr. Antwort: "So gegen 13.00 h." Toll, wir hatten es gerade mal 9.30 h, was sollte man so lange machen. Rolf war ein wenig verstimmt. Wenn "Mann" verstimmt ist, am besten in Ruhe lassen. So bat ich ihn, auf das Gepäck aufzupassen und ging Richtung Ort. Ich hatte ja gelesen, Chivay ist so etwas wir der Hauptort der Gegend. Ich hatte mitbekommen, jeder Ort in Peru hat so etwas wie eine Plaza de Armas, da wollte ich hin. Natürlich ging ich in die verkehrte Richtung. Alles nicht so einfach, wenn man die Höhe des Ortes bedenkt. Etwas, was ich so nicht für möglich gehalten hatte. Aber letztendlich fand ich den Hauptplatz und siehe da - es gab dort so etwas wie ein Reisebüro. In der Hoffnung, hier jemanden zu finden, der Englisch sprach, trat ich ein und hatte Glück. Ich sagte, wo ich hin wollte und das ich auf der Strecke die Schönheiten des Canyons sehen möchte. Der gute Mann hatte eine Lösung - ein Auto (ehrlich, fast wäre ich selbst nicht draufgekommen). Schnell wurden wir uns Handelseinig und er besorgte das Auto. Ich fischte währenddessen Rolf mittels Motor-Rikscha vom Busbahnhof auf. Als ich ihm sagte, ich habe eine Lösung und ihn dann zu dieser "Rikscha" führte, wollte er vom Glauben abfallen. Ich versicherte ihm, die Fahrt geht nur in den Ortskern, dann haben wir ein richtiges Auto. Das fuhr dann auch nach einer Weile vor. Weil der Fahrer kein Englisch konnte, musste eine Angestellte, des dem "Reisebüro" angegliederten Hotels, uns begleiten. Ja - eine sehr nette Person mit ein paar Worten Englisch.

So konnten wir unseren Weg so gegen 11.00 h fortsetzen. Gleich nach der Chivay kamen wir nach Yanque. Der Ort war so klein, schnell waren wir auf der Plaza de Armas, welcher durch eine schöne, schneeweiße Kirche verschönert wurde. Wir erfuhren, die Kirche wurde 1702 erbaut. Wir wollten schon zum Auto zurück, da hörten wir so etwas wie eine Kapelle spielen. Aus einer Nebenstraße kam ein kleiner Aufmarsch, mit Figuren, die wie der Teufel aussahen. Man versuchte uns die Prozession zu erklären, aber so ganz erschloss uns der Sinn nicht. Es schien aber das ganze Dorf mit zu machen und alle waren bester Laune. Ein klein wenig bezog man uns mit ein, ich komme nicht umhin zu meinen, wir waren Anlass für so einiges Gelächter. Warum auch nicht, wenn es denn die Leute glücklich macht. Wir hatten auf alle Fälle auch unseren Spaß.

Der Ort Maca war unser nächster Halt. Das Dorf wurde 1991 von einer Schlammlawine fast total zerstört. Viele Einwohner leben nicht mehr hier. Die Lawine überstanden hat die Kirche des Ortes, die zuvor schon zahlreiche Erdbeben überstanden hat. Das Innere ist sehr schön. Vor der Kirche gab es eine Menge Andenken zu kaufen, eine andere Möglichkeit Geld zu verdienen haben die Dorfbewohner kaum - die Felder sind nach der Schlammlawine weiterhin kaum fruchtbar. Einer der Dorfbewohner hat einen Adler gezähmt und Touristen dürfen diesen Fotografieren und auch auf die Schulter nehmen.

Was für ein Glück, dass ich in Chivay zwecks Toillette ausgestiegen bin. Immer weiter ging die Fahrt über unbefestigter Straße. Die Landschaft, mit den vielen, wahrscheinlich durch die Inka angelegten, Terrassen - unglaublich schön und nicht zu beschreiben (auf jeden Fall nicht durch mich). An einem tollen Aussichtspunkt der nächste Stopp. Aber wir sollten nicht in das Tal schauen, obwohl hier sehr schön, fängt hier der eigentliche, sehr schmale Colca Canyon an. Aber die Attraktion hier waren hoch oben im Fels, direkt über uns. Lauter "Höhlen", die wie zugemauert aussahen. Angeblich hat man hier Mumien gefunden. Es könnte sich aber auch um Getreidesilos handeln. Genau haben wir es nicht heraus gefunden.

Am frühen Nachmittag erreichten wir dann den Cruz del Condor. Von hier aus soll man die besten Chancen haben Condore zu beobachten. Entsprechend touristisch aufgebaut ist das Areal. Da die Condore aber eher am frühen Morgen ihre Flugkünste zur Schau stellen (der besseren Thermik wegen), war am frühen Nachmittag nichts mehr los. Wir genossen aber die Ruhe und schauten uns die wirklich atemberaubende Gegend an. Immerhin spricht man beim Colca Canyon von der tiefsten Schlucht der Welt. Wobei die Literatur immer wieder den Hinweis bereit hält, es kommt auf den jeweiligen Standpunkt an. Vom höchsten Berggipfel bis zum Grund, dem Rio Colca, sind es 3.269 Meter. Misst man das Ganze vom Rand der Schlucht aus, sind es 1.200 Meter. Zum Vergleich - der Grand Canyon hat eine Tiefe von 1.800 Metern. Vergleichen kann man die beiden Canyons aber nicht, jeder für sich ist einmalig, die Natur zeigt sich in beiden von einer ihrer schönsten Seiten.
Dann kamen wir endlich in Cabanaconde an. Ein kleines Dorf, aufgrund der Nähe zum Cruz del Condor gut für die Übernachtung geeignet. Ein kleiner Spaziergang führte uns durch das Dorf bis zum Rand des Canyons und wir genossen den Ausblick. Auch von hier aus soll man die Condore recht gut beobachten können. An diesem Nachmittag aber nicht. Noch immer waren wir ganz schön hoch, Cabanaconde ist auf ca. 3.290 Meter und sobald die Sonne untergegangen war wurde es bitterkalt. Leider gibt es keine Heizungen, man war das kalt beim Abendessen, welches im übrigen man gerade mal mäßig war. Müde und erschöpft vielen wir aber auch bald ins Bett. Was soll ich sagen, da die Condore ja früh fliegen mussten wir auch entsprechend aufstehen.

Der Tag fing also wieder sehr früh an. Wir fuhren direkt zum Cruz del Condor. Eine Menge Menschen waren schon da, jeder mit gezücktem Fotoapparat. Wir gingen bis zum Rand des Canyons, mit einem Mal war Rolf verschwunden. Auf einen Felsvorsprung entdeckte er zwei Jungvögel - keine vier Meter entfernt und gut an den braunen Federn zu erkennen. Dann kamen aber schon die ersten älteren Vögel, die mit den schwarzen Federn die auf dem Rücken mit weißen Federn durchsetzt sind und eine weiße Halskrause haben. Der Andenkondor hat eine Flügelspannweite von bis zu 3,20 m und ist damit der Vogel mit der größten Spannweite. Die Länge beträgt ungefähr 1,10 m. Geschickt nutzt er die Thermik und kann Höhen von bis zu 7.000 m erreichen. Dabei kann der Vogel ein Alter von 70 Jahren erreichen.
Seinen Lebensbereich hat der Kondor im Gebirge, da er hier die besten Luftströmungen vorfindet, die er elegant und geschickt für seine Flüge ausnutzt. Obwohl der Kondor in der Mythologie Perus und der anliegenden Staaten eine wichtige Rolle spielt (er gilt als Mittler zwischen Himmel und Erde), ist er vom aussterben bedroht. Man darf dabei nicht vergessen, die Kondore legen nur alle zwei Jahre ein bis zwei Eier, wobei die Brutzeit 65 Tage dauert.
Beide Elternteile kümmern sich dann um den jungen Vogel, bis er Flügge ist (also fähig zu fliegen), was auch noch mal 6 Monate dauert. Dabei sind die Vögel monogam und leben ihr Leben lang zusammen. Aber auch die Paare sind sehr gesellig, so trifft man eigentlich immer eine größere Gruppe von Kondoren an, bis zu 10 Vögel. Die Kondore gehören zur Gruppe der Geier und sind Aasfresser, wobei ihr Speiseplan aus toten Seelöwen, Haustieren und Lamas besteht.

Wir sahen wirklich viele Kondore und es war eine Wucht, diese eleganten Tiere bei ihren Flügen zu beobachten. Von weitem der Anflug, mit Teleobjektiv holte man sich den Vogel ran, dann zog man immer weiter das Objektiv runter, mit einmal war der Vogel größer als der Bildausschnitt. Den Fotoapparat von den Augen genommen, knappe fünf Meter über einem schwebte der Vogel. Was für ein Wahnsinn! Irgendwann kamen dann keine Vögel mehr und wir wanderten eine ganze Weile am Rande der Schlucht entlang. Atemberaubende Ausblicke eröffneten sich.
Dann war es Zeit, zurück nach Cabanaconde zu fahren. Unterwegs hielten wir dann noch an einem weiteren Aussichtspunkt. Hier passierte es, ich knickte mit dem Fuß um und legte mich ordentlich lang. Dabei stieß ich mir gehörig den Ellenbogen. Zum Glück hatte ich Wanderstiefel an, so sind die Bänder nur überdehnt worden. Ein Indianer kennt ja aber keinen Schmerz, so humpelte ich erst mal weiter. Eigentlich wollten wir ja von Cabanaconde aus in den Canyon absteigen, zur Oase Sangalle. Ich hatte ja aber doch ziemlich mit der Höhe zu kämpfen und noch immer Kopfschmerzen. Daher hatten wir das unterfangen schon am Vortage aufgegeben. So schauten wir uns die Gegend am Rande des Canyons an. Die Natur ist hier einfach nur schön, je nachdem wo man steht, sieht die ganze Umgebung immer anders aus. Gut, ich humpelte mehr als das ich wanderte, aber es machte uns großen Spaß. Am Schluchtrand angekommen trafen wir dann einen Ranger von der Bergrettung. Der erklärte uns so einiges über die Gegend, die Pflanzen und die Dörfer, die am gegenüberliegenden Teil der Schlucht sind. Er fand es unheimlich toll, das wir unsere Grenzen so kennen und führte uns dann zu einem wirklich schönen Aussichtspunkt.
Gegen Abend waren wir dann wieder im Hotel und ich ruhte mich ein wenig aus. Wie es anständige Menschen so tun, zog ich natürlich meine Schuhe aus. Eigentlich schade - danach bekam ich den vom kaputten Fuß nicht mehr an. Der Inhaber des Hotels gab mir dann ein Salbe, sagte aber, erst in der Nacht auftragen, die riecht ein wenig streng. Na ja - später - wir sind dann in die Pizzeria des Ortes gegangen. Schön mollig warm war es hier, der Holzofen stand mitten im Gastraum und wir genossen eine wirklich gute Pizza. Dann ab ins Bett - aber - die Salbe noch auftragen. Ich öffnete die Dose, ein atemberaubender Gestank schlug mir entgegen. Mutig strich ich die Salbe auf den Fuß, die sehr schön kühlte und allein deshalb schon gut tat. Der Gestank verteilte sich im ganzen Zimmer. Wir waren aber so müde, so schliefen wir bald ein.
Der Bus fuhr erst gegen 9.00 h zurück nach Arequipa, so konnten wir tatsächlich bis 6.30 h schlafen - dann wachten wir von alleine auf. Tatsächlich war der Fuß soweit abgeschwollen, ich kam wieder in den Schuh. Die Bushaltestelle befand sich direkt in der Dorfmitte, am Dorfplatz. Eine Menge Menschen hatten sich schon eingefunden. Ein lautes Hupen signalisierte: "Einsteigen!" Wenn man bei uns meint der Bus sei voll, dann würde ein Peruaner sagen, halb voll fahren wir noch lange nicht. Wir hatten zwei Sitzplätze reserviert, was für ein Glück. Fast die gesamte Fahrt hingen mindestens zwei Menschen fast auf unseren Schoß, zur anderen Seite sah es nicht besser aus. Irgendwann rief eine Frau ganz aufgeregt irgendetwas. Nach einiger Zeit wurde sie etwas gefragt und alle fingen an zu lachen. Ein Hund wurde vom hinteren Ende des Busses nach vorne durchgereicht. Aber die Frau fing wieder an zu rufen. Nach einiger Zeit und Gelächter durch den ganzen Bus kam dann ein zweiter Hund zum Vorschein. Samt ihrer drei Kinder stieg sie dann aus. Es zeigte sich, das Aussteigen auf der Hinfahrt hatte sich gelohnt. Dank des unfreiwilligen Stopps sahen wir wirklich alle interessanten Dinge des Canyons (na ja - zumindest fast alle). Nach guten 6 Stunden Fahrt, währenddessen es nicht gerade nach Rosen duftete, kamen wir dann Nachmittags in Arequipa an und gingen zurück in das Hotel das wir zuvor schon hatten. Unser Hauptgepäck hatten wir hier deponiert. Der Fuß war ein wenig blau, der Ellenbogen schillerte in allen Farben, aber das Erlebnis werden wir nie vergessen - diese majestätischen Vögel - Super!

Natürlich waren wir am Abend noch einmal in der Stadt, richtig schön Essen. Wir konnten sogar richtig ausschlafen, der Bus fuhr erst gegen 8.30 h. Trotzdem sind wir schon um 6.00 h aufgewacht. O.k. - die Rucksäcke wieder packen und ein ordentliches Frühstück - das dauert auch so seine Zeit. Wieder ging es zum Busterminal, dieses Mal das Nachbar-Terminal. Für die ca. 495 km von Arequipa nach Puno nahmen wir nicht den Linienbus, sondern einen der guten Busse. Es stellte sich heraus, es war sogar ein richtig guter Bus - ja - man kann von Luxus reden. Wir hatten Tickets von der Gesellschaft Cruz del Sur. Bus fahren kann wirklich angenehm sein. Der Sitz ließ sich fast zum Bett umbauen und man konnte richtig schlafen. Es gab eine Stewardess, die Kaffee und kleine Snacks servierte. Ein wenig gewöhnungsbedürftig die Videoaufnahme, die von einem jeden Fahrgast gemacht wird, bevor der Bus losfährt. Schaut man sich die Bilder im Internet an, was so alles mit einem Buspassieren kann (und auch passiert), ein tröstliches Mittel damit die Hinterbliebenen einen wiedererkennen können. Dieser Bus hatte noch einen Vorteil - eine Toilette. Was soll ich sagen, die von uns nicht benötigt wurde. Zunächst ging die Fahrt wieder die Berge hinauf, dann durch die weiten Ebenen. Immer weiter und weiter durch die grandiose Gebirgslandschaft. Nach guten 6 Stunden Fahrt kamen wir dann in Puno an. Schnell fanden wir zu unserem Hotel, hier direkt an der Plaza.
Puno selbst kam uns so vor wie Blankenese, nur in einem Riesenformat. Ansonsten hat die Stadt nicht viel zu bieten. Eine Kirche und eine Fußgängerzone. Wir gingen zunächst in die Fußgängerzone und suchten die Reiseagentur, bei der wir die Tour inklusive Übernachtung auf dem Titicacasee gebucht hatten. Hier sei angemerkt, die Attraktion ist nicht die Stadt Puno, sonder der Titicacasee. Im Reisebüro wurden wir dann über den weiteren Ablauf informiert - wecken um 5.00 h usw. Die nette Dame bekam mit, ich hatte ein Problem mit Fuß und Arm. Auf Reisen haben wir zwar immer eine kleine Notapotheke mit, so hatten wir eine gute Salbe gegen Prellungen, aber die mitgeführte Mullbinde gab weder Fuß noch Arm den notwendigen Halt. So kam die Dame kurzerhand mit in die Apotheke, wo wir erst zwei Elastikbinden erstanden. Zurück im Hotel verarztete Rolf mich erst mal, danach kam ich mir vor wie eine wandelnde Mumie. Trotzdem machten wir uns auf die Stadt zu erkunden.
Erstes Ziel war die Kirche, dann ging es durch die Fußgängerzone. Hier gibt es zahlreiche Restaurants, der kulinarische Höhepunkte sich aber nur knapp über den Boden halten. Daneben unzählige Souviniershops - mein Gott - gibt es einen Schrott zu kaufen. Dazwischen aber ein paar Geschäfte, da konnte man wirklich gute Bekleidung aus Alpaka und ähnlichem erstehen. Verständlich, diese Sachen hatten ihren Preis. Wir schlenderten aus der Fußgängerzone heraus und kamen zum Marktplatz, etwas später kamen dann Bahngleise. Interessant ist es in die Hinterhöfe zu schauen. Wunderschöne Fußböden gibt es hier, zumindest die Überreste kann man hier und da bewundern. Wir fanden für das Abendessen ein Restaurant in einer Seitenstraße, das Essen war halbwegs gut. Die Sonne war lange unter gegangen und es wurde bitterkalt.

Einmal wieder war die Nacht viel zu früh zu Ende - Aufstehen um 4.30 h war angesagt. Die Hotels sind aber auf diese Stunden eingestellt, wir haben immer ein vernünftiges Frühstück bekommen. Ehrlich - ohne Frühstück kann man zu so einer Stunde den Tag gar nicht beginnen. Mit einem Kleinbus wurden wir abgeholt, nach uns noch einige andere Touristen. Es ging zum Hafen von Puno. Da wir vor hatten, auf einer der Inseln bei einer Familie zu übernachten, kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten, von denen wir der Meinung sind/waren, die können von Nutzen sein (Reis, Batterien, Öl zum Kochen und Braten). Dann ging es mit einer Gruppe auf eines der kleinen Boote. Der Reiseführer berichtete erst einmal vom Titicaca-See. Wir lernten, mit Kaka - so wie der durchschnittliche Europäer das Wort ausspricht, hat das alles nichts zu tun.
Der See liegt ca. 3.820 m über dem Meeresspiegel und ist damit der höchstgelegene schiffbare See der Welt. Die größte Tiefe erreicht der Titicaca See mit 284 m in seinem nordöstlichen Abschnitt. Gespeist wird der See durch mehr als 25 Flüsse, wobei es nur einen einzigen Abluss gibt, den Río Desaguadero. Hier werden aber nur ungefähr 10% des überschüssigen Wassers abgeführt, die restlichen 90% verdunsten in der trockenen Luft. So nimmt der Seespiegel trotz kurzzeitiger Wasserhochstände kontinuierlich ab. Der Name des Sees soll auf zwei Aymara -Wörtern beruhen: titi heißt „Große Katze“ oder „Puma“ und kaka heißt „grau“. Der erste Inka, Manco Cápac soll über einen Felsen auf der Sonneninsel auf die Erde gestiegen sein.
Die schwimmenden Inseln gehören den Urus und sind eine der Attraktionen des Titicaca-Sees. Um sich vor den kriegerischen Inkas zu schützen, begannen die Urus schwimmende Inseln zu bauen. Hierfür wird das am See üppig wachsende Totora-Schilf kreuzweise, in mehreren Lagen, geschichtet. So entstehen die Schilfinseln, die weich und federnd, aber auch schwankend sind. Drohte ein Angriff, wurde die Verankerung der Insel gelöst und die Uros zogen sich mit den Inseln auf den See zürück. Auch die Boote für den Fischfang und die Matten für den Bau der Hütten bestehen aus dem Schilf. Die Urus sind sehr stolz auf ihre traditionelle Lebensweise und lehnen es strikt ab, auf das Festland überzusiedeln. Allerdings haben sie den Tourismus als Einnahmequelle entdeckt und erlauben heute Besuchern die nachgiebig-schwankenden Inseln zu besuchen.
Genau das taten wir dann auch, wir besuchten diese Inseln. Deutlich war zu merken, ja - die Urus haben den Tourismus als Einnahmequelle entdeckt. Insofern ist es für uns schwer zu unterscheiden gewesen, was ist ursprünglich und was ist einfach nur Show. Der Reiseführer erzählte und erklärte etwas über die Urus und es wurde gezeigt, wie eine solche Insel gebaut wird. Immerhin, alle 25 Jahre muss die Insel erneuert werden, dann fängt sie an zu vergammeln. Selbstverständlich konnte man auch einige Souvenire kaufen. Eine Fahrt mit einem Schilfboot stand auch auf dem Programm. Zum Abschied versammelten sich die Frauen der besuchten Insel und trugen Lieder vor. Aber keine peruanischen Gesänge drangen an unsere Ohren, nein, irgendein gewitzter, höchstwahrscheinlich jung, dynamisch und ohne Gewissen und Verstand arbeitender Jungmanager (wie heutzutage üblich), war wohl der Meinung, Lieder aus den Ländern der Gäste wären wesentlich schöner. So wurden dann wohlbekannte Lieder aus dem guten, alten Europa vorgetragen, so was wie Vater Jakob usw. - Schade!
Die Fahrt auf dem Schilfboot dauerte nicht lange, dann landeten wir bei einer anderen Schilfinsel. Auch hier konnte man noch einige Andenken kaufen, wenn man denn wollte. Dann ging es mit dem Motorboot weiter über den See. Wir fuhren zur Insel Amantani. Die Fahrt sollte gute drei Stunden dauern. So kamen sich die Gäste die sich auf dem Boot befanden und aus aller Herren Länder kamen, näher. Eigentlich verstehen wir uns mit fast jeden gut - man will ja schließlich nicht heiraten. Aber dieses Mal war einer auf dem Boot, ein wahrer Idiot. Um nicht irgendwelche rassistische Dinge zu schüren, beschreibe ich den Typen jetzt nicht näher. Kurz gesagt, es gibt halt ewig gestrige, obwohl teilweise gar nicht so alt. Leute - wir fahren in den Urlaub und andere Länder, Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Wenn ihr das alles nicht wollt, und alle anderen Menschen nur doof und dumm für Euch sind - bleibt doch einfach zu Hause, am besten schließt Euch ein und werft den Schlüssel weg. So - genug der unangenehmen Mitmenschen.
In Amantani angekommen warteten schon die Frauen der Gastfamilien auf ihre Gäste. Wir wurden der Familie von Jolanda zugeteilt, zusammen mit drei wirklich netten Damen aus Holland. Vom Hafen aus ging es erst einmal sehr steil bergauf, aber mit so einigen Pausen meisterten wir auch diesen Weg. Dann auf das Zimmer, gleich darauf gab es in der Küche erst einmal einen Tee. Es stellte sich heraus, die eine Dame aus Holland, Helma, sprach sehr gut Quechua. Das half natürlich ungemein, um sich mit unserer Gastfamilie zu verständigen.
Nach dem Tee gingen wir dann zum Sportplatz der Insel, von wo aus es einen sehr steil bergauf ging. Die Insel hat zwei Hügel, "Pacha Tata" (= Vater Erde) und "Pacha Mama" (= Mutter Erde) - jetzt kletterten wir auf einen dieser Hügel. Sie tragen archäologische Reste, es sind Kultstätten aus alter Zeit. Ich brauchte mit dem kaputten Fuß natürlich eine ganze Zeit bis ich oben war. Außerdem wurde es richtig kalt, obwohl die Sonne noch nicht unter gegangen war. Was für ein Glück, ich hatte entsprechende Wetterkleidung mit. Man darf halt nicht vergessen, die Jahresdurchschnittstemperatur am Titicaca-See beträgt man gerade 10°C - 12°C - mehr nicht. Oben angekomment konnten wir die Reste einer der Kultstätten ansehen und den Sonnenuntergang bestaunen.

Sofort, nachdem die Sonne untergangen war, stiegen Rolf und ich wieder hinunter. War uns doch bewusst, es wird jetzt sehr schnell dunkel und auch den Weg hinunter würde ich nicht mit großer Geschwindigkeit hin bekommen. So kamen wir dann auch als letzte den Berg runter. Frierend wartete Jolanda unten auf uns, froh zu sehen das uns nichts passiert war. Jetzt gab es erst einmal Abendessen bei der Familie. Danach sollte es zum Tanz gehen. Dafür mussten sich alle Touristen wie die Einheimischen kleiden. Jolanda half mir in die drei Röcke, samt diverser Gürtel, die als Korsett dienen. Dann noch Unterhemd und Bluse und die Kopfbedeckung nicht vergessen. Rolf musste nur einen Poncho anziehen und eine der komischen Mützen aufsetzen. Der "Tanz" fand im Gemeindehaus statt. Es gab ein paar Bier und die Bewohner der Insel führten einige Tänze auf, natürlich zu der Musik der "Kapelle", die aus den Jugendlichen des Dorfes bestand. Alle mussten tanzen, auch die Touristen. Das ganze war recht witzig, ich bezweifle aber, dass das alles so richtig was mit dem alltäglichen Leben der Inselbewohner zu tun hat. So gegen 10.00 h sind wir dann todmüde ins Bett gefallen.
Was für ein Luxus, wir konnten bis kurz nach 6.00 h schlafen. Dann gab es Frühstück und gleich danach ging es wieder zum Hafen. Zuvor überreichten wir der Familie unsere Mitbringsel, was für Freude sorgte. Ich glaube, die Batterien sind gut angekommen. Auf der Insel gibt es nur sehr, sehr begrenzt Strom. Am Hafen verabschiedeten wir uns herzlich von Jolanda. Das Boot nahm Kurs auf die Insel gegenüber mit dem Namen Taquile. Die Fahrt dauerte eine ganze Weile und es war noch recht kühl. So hatten Rolf und ich das Oberdeck fast allein, zwei junge Mädchen aus Israel waren bei uns. Herrlich - diese Ruhe. Wir sogen den Blick auf die scheinbar nahen Gletscher geradezu ein und ließen uns den Wind um die Nase wehen.
Die Insel Taquile (oder Intika auf Quechua) ist 5,5 km lang und 1,6 km breit. Also mehr als geeignet einmal drüber zu wandern. So ging es dann auch vom Hafen aus steil bergauf. Heute noch wohnen auf der Insel ungefähr 1.700 Einwohner und leben noch heute nach den Traditionen und Gesetzen des Inka-Reiches. So vereint der Ältestenrat die gesamte Macht der Insel und es gilt das Gebot "Ama suwa, ama llulla, ama qilla " (nicht stehlen, nicht lügen, nicht faul sein). Lange Zeit gelang es den Einwohnern, sich vor den Spaniern so zu verstecken, dass sie diese Insel für unbewohnt hielten.
Berühmt ist Taquile für seine Weberei und Strickerei , deren Textilprodukte zu den hochwertigsten in Peru gehören sollen. Das Spinnen, Weben und Stricken wird vor allem von Männern durchgeführt. Die Textilkunst von Taquile wurde im Jahr 2005 in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Eine weitere Begebenheit erzählte uns der Reiseführer. Lernt ein junger Mann ein junges Mädchen kennen, so ziehen diese für ein Jahr erst einmal auf Probe zusammen. Im Elternhaus des Mannes teilen sie sich ein Zimmer und über praktisch die Ehe. Klappt alles, wird geheiratet, klappt es nicht zieht das Mädchen einfach wieder zu ihren Eltern zurück. Das alles ohne irgendwelche Nachteile. Ein ungewollter Kindersegen soll angeblich durch die Gabe eines Tees aus einer empfängnisverhütenden Pflanze gegeben sein. Mmmhhh.......
Die Landschaft der Insel ist wirklich hübsch. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke zum höchsten Punkt der Insel liegt der Hauptort. Hier gab es dann auch ein Mittagessen, welches o.k. war - mehr aber auch nicht. Rolf und ich probierten jetzt das erste Mal Inka-Kola. Oh je - stellt euch einen Kaugummi vor, der getrunken wird. Also, meine Geschmacksnerven signalisierten - nicht gut. Dann ging es weiter bergauf und wir gelangten bald an den höchsten Punkt der Insel, der immerhin 4.050 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Zur Erinnerung - die Wasseroberfläche des Titicaca-Sees ist auf 3.820 m. Man hatte einen tollen Blick über den See und dem glasklaren Wasser. Über Treppenstufen ging es auf der anderen Inselseite steil bergab. Auch dafür brauchte ich fast das doppelte an Zeit wie mit heilen Fuß. Unten wartet das Boot und es ging gute 4 Stunden zurück nach Puno.
Die Zeit vertrieben wir uns mit Unterhaltungen. Ein Kanadier hatte eine Jokolele mit, und wir versuchten es mit singen. Keiner, wirklich keiner, konnte auch nur halbwegs singen - aber es war lustig. Bemerkenswert nur, wie schwer es war in dieser Höhe, überhaupt so etwas ähnliches wie Gesang hin zu bekommen. Unglaublich, wie wenig Luft man dort hat. Wie gesagt, ich mache fast jeden Tag Sport - trotzdem - Luft war knapp. Am späten Nachmittag kamen wir dann wieder in Puno an. Noch einmal schlenderten wir durch die Straßen, dann war auch dieser Tag zu Ende. Man könnte rund um den See noch so einiges entdecken, aber wir hatten ja mal wieder nicht genügend Zeit - ist wohl grundsätzlich so im Urlaub.

Nach kurzer Nacht, man gewöhnt sich daran, ging es früh am Morgen wieder zum Busterminal. Dieses Mal war der Bus etwas einfacher, aber erheblich bequemer als der Linienbus. Eine Menge Leute wollten Richtung Cusco, entsprechend war der Trubel auf dem Busbahnhof. Dann stellte sich noch heraus, irgendwie war der Bus überbucht. Nach einer ganzen Weile war aber irgendwie alles im Lot und der Bus fuhr los. Erst einmal den steilen Berg hinauf.
Schnell schoss ich ein paar Fotos aus dem fahrenden Bus. Dann ging es durch die Ebene, teilweise wurde die Fahrbahn recht holprig. Dieser Bus war auch mit einer Toilette ausgestattet, aber in einem Ort hielt der Fahrer. Der örtliche Apotheker hatte hier mehr Reisesnacks zu verkaufen als Medizin, im Hinterhof gab es eine ganze Batterie von Toiletten - Nutzungsgebühr 1 Soles. Am höchsten Punkt der Strecke, Abra la Raya auf 4.312 m hielt der Bus noch einmal. Hier hat der Rio Urabamba seinen Ursprung und die Landschaft ist beeindruckend. Selbstverständlich standen am Parkplatz etliche Verkaufsstände, falls man dringendst ein Mitbringsel zu kaufen hatte. Allmählich wurde die Umgebung feuchter und somit grüner, gerade als es steil bergab ging, bin ich eingeschlafen und erst in Cusco wieder aufgewacht.
Unser Hotel hatten wir keine 10 Minuten zu Fuß vom Plaza de Armas entfernt. Ein kleines, nettes und gemütliches Hotel, saubere Zimmer und strategisch gut gelegen. Witzig die individuell eingerichteten Zimmer mit den in den Putz gedrückten Ornamenten, die dann bemalt wurden. Selbstverständlich war der Inhaber und das Personal sehr nett und hilfsbereit, so wie wir es eigentlich schon überall in Peru kennen gelernt hatten.

Es heißt, wer in Cusco ist befindet sich im Herzen des Inka-Reiches. Im Zentrum des Andenhochlandes gelegen, eingebettet in einem ausgedehnten Tal liegt die Stadt, die auch der Region in der Umgebung ihren Namen gab. Die Geschichte der Stadt, die Vielzahl leicht zu erreichender Sehenswürdigkeiten ziehen hunderttausende von Touristen in die auf 3.340 Meter Höhe gelegene Stadt. Auch wenn ich jetzt etwas vorweg nehme - die Stadt ist wirklich sehr schön und gemütlich.
Für die Inka war Cuzco der Nabel der Welt, der Mittelpunkt ihres Reiches Tahuantinsuyu. Es führten vier Straßen aus den vier Reichsteilen in diese Stadt, und die Quartiere der Stadt waren symbolisch den dazugehörigen Gegenden des Landes und der aus diesen Reichsteilen kommenden Bevölkerung zugeordnet. Cuzco war das politische, religiöse und kulturelle Zentrum des Reiches und für die Bevölkerung war Cuzco ein Symbol für ihr Reich.
Wir schlenderten erst einmal zur über 600 m langen Plaza de Armas. Zu Zeiten der Inka war dieser Platz schon ein heiliger Platz und diente als Fest- und Kultplatz. Heute ist der Platz von Kirchen und Klöstern umgeben, wobei die riesige Kathedrale, die auf Überresten eines Inka-Tempels gebaut wurde, imposant heraussticht. Da wir auch gewaltigen Hunger hatten, gingen wir nur noch ein paar Straßen weiter, dann zog es uns in Paddy's Pub. Hier gab es günstig, viel und gut zu essen und ein schönes Bier dazu. Dann trafen wir uns im Hotel mit einem Vertreter der Reiseagentur zwecks Absprache wie denn nun unser Besuch von Machu Picchu laufen sollte. Da die tausende von Besuchern den Inka-Trail wie auch Machu Picchu selbst zerstören, hat die UNESCO gefordert, den Touristenstrom zu reglementieren. Die Regierung von Peru hält sich zwar in keiner Weise an die Vorgaben, aber man benötigt eine Erlaubnis. Wir erfuhren, den Tag für die Erlaubnis hatte man geändert - o.k. - schnell alle Reisepläne geändert. Es gab zwar jetzt ein paar Probleme mit dem Gepäck und der weitere Verlauf war ein wenig "holprig", aber es ließ sich alles arrangieren - wobei die Reiseagentur bei der Lösung recht fantasielos war.
Auf alle Fälle hatten wir den gesamten nächsten Tag, um erste Eindrücke von Cusco zu sammeln. So schlenderten wir erst einmal durch die schmalen Straßen der Stadt, die schon zur Inka-Zeit gepflastert waren, so wie auch die beiden Flüsse Tullumayo und Huatanay schon damals kanalisiert waren. Die Inka-Bauten waren sehr stabil. Als die Spanier die Stadt besetzten, zerstörten sie nur die religiösen und staatlichen Gebäude der Inka, um ihre Kirchen und Kolonialbauten daraufzusetzen. Eines Tages gab es ein kräftiges Erdbeben. Viele Bauten der Spanier stürzten ein. Was von den Inkas noch da war, blieb unbeschädigt.
Lange schlenderten wir durch die schönen Straßen von Cusco, ab und an ging es in ein Museum. Höhepunkt war natürlich der Besuch von Coricancha, einem der wichtigsten Inkatempel. Man nennt ihn, der Übersetzung wegen, auch Sonnentempel. Hier wurden Riten nationaler Bedeutung abgehalten, Hochzeiten und Krönungen zelebriert, oder es fanden Bestattungen statt. Coricancha war der heiligste Ort der Inka. So durfte der Tempel nur nüchtern und mit einer Last auf dem Rücken betreten werden. Die Last diente dazu, die Demut darzustellen.
Das Tempelinnere soll unglaubliche Schätze beherbergt haben, so wurde hier auch die goldene Scheibe, die die Sonne repräsentierte und darüber hinaus eine Darstellung des gesamten inkaischen Pantheons. In trapezförmigen Nischen in den Wänden und auf goldenen Thronen waren die Königsmumien aufgestellt und mit goldenen Masken und überaus fein gewebten Stoffen dekoriert. Die Mumien wurden durch Diener mit Speisen und Getränken rituell versorgt. Boden und Wände waren ursprünglich mit 700 soliden Goldplatten bedeckt. Die massivgoldene Sonnenscheibe in Gestalt eines Menschen war vor einer mit Smaragden und Türkisen reich geschmückten Wand so aufgestellt, dass die aufgehende Sonne vom Metall und den Edelsteinen reflektiert wurde und jene ein blendend goldenes Licht zurückwarfen. Ein weiterer Raum soll vollständig mit Silber ausgeschlagen gewesen sein. Hier wurde eine Scheibe aus Platin, mit einem Durchmesser von 10 Meter, in Form einer Frauengestalt, angebetet. Auch sollen in diesem Raum die Mumien der Königinnen aufgestellt worden sein.
Der Tempel wurde ca. 1438 am Ort der ältesten Ansiedlung Cuscos errichtet. Ursprünglich hatte Manco Cápac den Ort aus militärischen und bewässerungstechnischen Gründen zwischen die beiden Flüsse Río Huatanay und Río Tullumayo gebaut. Aber Pachacútec steigerte die sakrale Bedeutung des Orte extrem. Cusco wurde in Form eines Pumas umgestaltet, wobei die Crocancha genau unterhalt des Pumaschwanzes, an der Stelle der Sexualorgane, platziert wurde.
Der Sonnentempel und vier weitere kleinere Tempel waren durch eine Umfriedung eingefasst. Die Mauern bestanden aus feinsten Steinmetzhandwerk, einheitlich verziert mit einem fortlaufenden Streifenband aus purem Gold in drei Meter Höhe. Das ganze wurde durch ein Strohdach geschlossen. Perfekt, fugenlos und ohne Zement fügen sich die Natursteine, die eine leichte Kissenform an den Seiten haben, zusammen. Der Umfang des Tempels betrug mehr als 365 Meter, der Haupteingang, wie auch die Nebeneingänge waren mit Goldplatten versehen.
Die Spanier vermuteten wegen der reichen Opfergaben, dass dieser den Inka als allerheiligster Ort galt, weshalb sie hier eine Kirche mit Konvent errichteten. Lediglich vier Räume wurden weiterhin vom Kloster genutzt. Ein weiteres schweres Erdbeben 1950 beschädigte die Kirche und legte längst vernichtet geglaubte Mauerreste des Tempels wieder frei.
Kirchen hätten wir hier in Cusco noch sehr, sehr viele besuchen können. Man bekommt fast den Eindruck, Cusco besteht nur aus Kirchen. Aber wir genossen es, in der Sonne durch die Stadt zu schlendern. Da Rolf noch unbedingt einen Pullover haben wollte, sind wir natürlich auch durch diverse Geschäfte gestreift. Dann war der Tag auch schon wieder zu Ende.

Auch wenn wir heute hätten länger schlafen können, so um 6.00 h waren wir wach. Wir machten uns daran, unser Gepäck zu separieren. Die nächsten Tage wollten wir das Valle Sagrado - das heilige Tal der Inka - erkunden. Die Gegend zwischen Pisac und Ollantaytambo zählt zu diesem Tal, welches von dem Rio Urambamba durchströmt wird. Das teilweise bis zu 3 km breite Tal ist von größtenteils schneebedeckten Bergen umgeben. Das durch die Berge geschützte Tal hat extrem fruchtbare Böden weswegen schon die Inkas hier ihr landwirtschaftliches Zentrum hatten. Hier wurden diverse Nutzpflanzen angebaut und der Samen der besten Pflanzen wurde im gesamten Reich verteilt. Wir nahmen einen Bus, dieses Mal in Form eines Kleintransporters, und fuhren bis nach Pisac - hier sollte unsere Erkundung starten.
Durch eine geradezu atemberaubende Landschaft ging es in das heilige Tal. Erst ging der Weg aus dem Tal von Cusco heraus, dann eine Weile durch die Hochebene, zuletzt dann steil bergab bis auf gute 3.000 Meter, wo der Bus nach guten 45 Minuten in der Mitte von Pisac hielt. Wir schauten uns ein wenig um - Ziel war es, die Ruinen, gute 600 Meter oberhalb der Stadt zu besichtigen. Wir fanden ein Taxi und ließen den steilen Aufstieg zu Fuß (gehen war noch immer nicht so toll für mich). Oben angekommen, erst einmal Ticket vorzeigen, dann konnten wir die Besichtigung beginnen.
Bei dieser Inka-Stadt, die auf einem Felsvorsprung gebaut wurde, soll es sich um ein Zeremonienzentrum handeln. Strategisch unglaublich gut gelegen, Angreifer hatten hier kaum eine Chance, ist alles von landwirtschaftlichen Terrassen umgeben. Einem ausgeklügelten Bewässerungssystem macht hier oben die Böden bis heute fruchtbar, Gleich am Anfang kommt man an den Überresten der Soldatenstadt vorbei. Ja, die einzelnen Häusergruppen, die sich hier oben auf den Bergkuppen verteilen, waren dem jeweiligen Stand zugeteilt.

Kaum um die eine Kuppe herum gegangen, sieht man im Hintergrund, an der Felswand des gegenüberliegenden Berges, lauter kleine Löcher. Es handelt sich hier um einen der größten Inka-Friedhöfe Perus. Rund 2.000 Gräber entdeckten die Archäologen in dieser luftigen Höhe, in denen zum Teil noch Mumien enthalten waren. Am dritten "Berggipfel" befinden sich die Überreste der Häuser der Farmer. In der Mitte sieht man einen alten Waschplatz. Hier mussten sich die Inka, die in den heiligen Tempelbereich wollten, erst einmal reinigen. Praktischerweise ist heute ganz in der Nähe eine Toilette (sauber!).
Weiter geht es einen schmalen Pfad entlang durch die Überreste der Stadttore, bis es dann eine steile Treppe hoch geht und man durch einen Tunnel hindurch muss. Alles in schwindelerregender Höhe und der Pfad ist wirklich schmal. Dann blickt man auf das Tempelzentrum, in dem viele Mauerreste gut erhalten geblieben sind. Hier fanden die Wissenschaftler jenen Felsblock (Intihuatana: inti = Sonne, huatana = bezeichnet den Ort, der etwas festhält), wo dem Glauben der Inka zufolge, die Sonne angebunden war. Der Ort markierte genau die Mitte des Tempelbereiches. Die Mauerreste gehörten zu dem Tempel, zu Priesterpalästen und Mausoleen im typischen Inka-Baustil. Die tonnenschweren Blöcke waren ohne Mörtel aufeinander gesetzt, nur trapezförmige Durchgänge auf denen wiederum tonnenschwere Abdecksteine lagen, unterbrachen die Mauern.
Es wird auch angenommen, da der Felsblock eine exponierte Felsnadel aufweist, das es sich um ein Observatorium zur Vermessung der Sonnenbahn und zur Überprüfung des Sonnenkalenders gehandelt haben könnte. Die Archäologen werten diese Struktur als Pendant zum Inthihuatana von Machu Picchu. Fragt man die Menschen, die im Tal leben, so erklären diese einem, es handelt sich um einen Kalender, damit man wusste, wann man was zu säen hat - also eine Art landwirtschaftlichen Kalender. Noch heute werden hier oben Zeremonien abgehalten.
Wir stiegen dann zu den ehemaligen Getreidespeichern hinab und gingen über die Terrassen wieder zurück zum Parkplatz. Auch hier im unteren Bereich gibt es noch ein gut erhaltenes Tor. Erst einmal mussten wir uns ein wenig ausruhen und genossen diesen fantastischen Ausblick, den wir einfach nicht auf ein Foto bekommen. Im Ort haben wir dann noch etwas gegessen, mittlerweile war es früher Nachmittag, dann machten wir uns auf die Suche nach dem Linienbus nach Urubamba.

Einige Leute mussten wir fragen, dann fanden wir die Bushaltestelle. Und - wir hatten Glück, der Bus kam fast sofort. Er war recht gut besetzt, so blieben uns Stehplätze. Immer wieder hielt der Bus, Menschen stiegen aus und ein. Die Fahrt ging durch das Tal mit seiner wunderschönen Landschaft. Irgendwann wurde der Bus etwas leerer und wir konnten uns hinsetzen. Nur, wo mussten wir aussteigen? Aber keine Bange, der Busfahrer und sein Personal waren wieder einmal sehr nett und machten Zeichen, wir können noch sitzen bleiben. Am Busterminal von Urubamba angekommen gaben sie uns Bescheid und wir stiegen auch aus.
Wir fanden im Ort ein tolles Hotel - wir gingen in ein Kloster - das Monasterio de la Recoleta. Die Klosteranlage aus dem 15. Jahrhundert wurde in ein Hotel umgewandelt. Aber wirklich gut gemacht, liebevoll hat man dieses Franziskanerkloster 2007 renoviert und umgebaut. Die Kirche war geöffnet und man konnte hinein sehen.
Zwar liegt das Hotel ziemlich am Rand des Ortes, aber bietet soviel zu sehen, für eine Nacht eine top Unterkunft. Lauschige Innenhöfe mit herrlichen Gärten erwarten einen und wollen entdeckt werden. Hinter dem Kloster gibt es große Anbauflächen, einen großen Platz für ein Lagerfeuer. Hier wurde auch das Hauptanbauprodukt der Gegend, Mais, getrocknet.

Der Ort selbst hat nichts sehenswertes. Es gibt unzählige Hotels und noch mehr kleine Restaurants. Die Plaza wird von einem Brunnen mit überdimensionalen Maiskolben geschmückt. Alles war hier aber recht staubig und wenig einladend. Wir fanden ein schönes Restaurant, das Essen war wirklich gut, aber total überteuert. Wir fanden noch heraus, viele Kajakfahrer beenden oder starten hier ihre Tour. Sonst gab es wirklich nichts zu sehen in diesem Ort.

Weiter Part II

Discover the Earth - 2011