Weiter geht es mit unserem Abenteuer Peru. Wer den Teil I gelesen hat, weiß Bescheid, wir sind gerade im Valle Sagrade und verbrachten eine Nacht in Urubamba. Ein Ort, in dem es wahrlich nicht viel zu sehen gibt. Das Hotel war aber wirklich 1. Klasse - wir nächtigten im Kloster Monasterio de la Recoleta. Leider war es am Morgen sehr, sehr bewölkt - tief hingen die Wolken herab und es nieselte ein wenig. Das minderte unseren Tatendrang aber in keiner Weise, wir organisierten uns erst einmal ein Auto für den Tag. Der nette Herr an der Reception des Hotels war hier mehr als behilflich. So ging unser Abenteuer weiter.
Trotz der vielen Wolken wollten wir ja etwas entdecken. So machten wir uns erst einmal auf den Weg zurück Richtung Cusco - o.k. - nur die Hälfte der Strecke. Hier, auf 3.770 Meter Höhe liegt der schöne Ort Chinchero, übersetzt "Stadt des Regenbogens". Laut einer Legende ist hier der Regenbogen geboren worden. Schon die Inka liebten, wohl der tollen Aussicht wegen, diesen Ort. Chinchero war der bevorzugte Erholungsort des Inkas Túpac Yupanqui, der dort einen Palast erbauen und Andenes (Anbauterrassen) anlegen ließ. Heute weiden Schafe und Lamas auf den Feldern, während Bäuerinnen mit flachen Hüten Wolle spinnen und weben.
Auch hier bauten die Spanier auf den Fundamenten der alten Inka-Bauten eine Kirche. Eine Anmerkung wert ist die Tatsache, bis heute wird die Messe in Quechua, der Indianersprache, gehalten. Aber auch viele der noch sehr gut erhalten gebliebene alte Häuser haben Inka-Mauern als Fundament. Der Ortskern ist völlig dem Tourismus gewidmet. Die Dorfbewohner laufen traditionell gekleidet herum und man kann allerlei Andenken erwerben.
Die Hauptattraktion von Chincheros ist der Sonntagsmarkt, ein immer noch authentischer Markt, ein farbenfrohes und bewegtes Schauspiel mit einem reichhaltigen Angebot von Kunsthandwerk und Textilien. Aber, wir hatten nicht Sonntag, das Wetter war nicht gut - und doch hat der Ort es uns angetan. Leider kann ich nicht beschreiben, wie es aussah, als die Wolken über den Gipfel zogen und alles mystisch aussehen ließ.

Durch die wunderschöne Landschaft fuhren wir zurück Richtung Valle Sagrado. Der Fahrer nahm eine andere Strecke, so konnten wir noch mehr unsere Umgebung bestaunen. Unser Ziel waren die Inka-Terrassen von Moray, etwa 14 km von Chinchero entfernt auf einem Kalkstein-Plateau in 3.500 m Höhe gelegen. Man nimmt an, es handelte sich bei diesen Terrassen um ein Agrarversuchsfeld der Inka. In drei verschiedenen Karsttrichtern wurden die Terrassen auf unterschiedlichen Höhen angelegt. Dabei hat jede Terrasse eine Höhe von ungefähr 1,80 m, die größte Anlage ist gute 45 m tief. Sind die obersten Terrassen noch konzentrisch angelegt, so werden sie, je tiefer man kommt, immer runder bis sie schlußendlich einen Kreis bilden. Durch diese Bauweise erzielten die Inka den Effekt von verschiedenen Mikroklimaten. So konnten sie letztendlich jedes Klima des Reiches darstellen und der bewährtesten Samen wurden zum Anbau verteilt. So einige der heutigen Manager könnten sich an solchen kreativen Einfällen und der sozialen Umsetzung ein Beispiel nehmen. Man erinnere sich, die Inka waren ein sehr kleines Volk und beherrschten ein riesiges Reich. Wieso hat sich die Bevölkerung das wohl gefallen lassen? Weil sie Hunger litten?

Bis vor 50 Jahren wurde hier noch Kartoffeln und Gerste angebaut. Zu verdanken dem ausgeklügelten Bewässerungssystems der Inka, welches die Zeiten bis dahin überdauert hat. Noch heute ist dieses System zu erkennen. Die Inka nutzten eine wasserführende Schicht des Wayñunmarka, welche am südlichen Ende der Anlage eintrat. Von hier wurde das Wasser dann durch das wohl durchdachte Kanalsystem geleitet, welches das Wasser dann durch die einzelnen Terrassen leitete. Die Hauptkanäle, die sogenannten Paqcha , leiten das Wasser bis zum höchsten Punkt einer jeden Terrasse. Von dort aus verteilen weitere Kanäle das Wasser bis zur tiefsten Stelle einer jeden Terrasse im Norden. Weitere Kanäle versuchen den unerwünschten Wasserverlust möglichst zu eliminieren. Wie schon erwähnt, das ganze funktionierte vor 50 Jahren noch, bis das Wasser für die Wasserversorgung von Maras umgeleitet wurde.

Ein paar Kilometer weiter gab es schon wieder etwas zu entdecken. Wir gelangten nach Maras und fuhren über einen Holperweg zu den Salinas. Es eröffnete sich ein tiefes Tal an dessen Wänden sich lauter Salzbecken befinden, die in Terrassen angelegt sind. Vom oberen Rand hat man einen tollen Überblick über die gesamte Anlage. Auch die Salinas sollen schon die Inka gebaut haben. Hier entspringt eine Quelle, dessen Wasser das salzhaltige Gestein ausgewaschen hat und somit einen so hohen Anteil an Salz hat, das man es "ernten" kann.
Insgesamt soll es sich um 1.500 Becken (die sogenannten Salzbecken) handeln, in die das Wasser über kleine Kanäle geleitet wird. Durch die Sonneneinwirkung in den sonnenreichen Monaten verdunstet das Wasser in den ca. 10 cm tiefen Becken und das Inka Salz kann durch die Arbeiter, wie bei der Gewinnung des Fleur de Sel, von der Wasseroberfläche abgeschöpft werden. Das Inka Sonnensalz wird wie vor Jahrtausenden aufwändig von Hand geerntet und zu Fuß oder mit Alpacca über schmale Wege zu Tal gebracht. Aus einem Becken können circa 150kg Inka Salz gewonnen werden. Ein guter Arbeiter kann durch die Ernte des Gourmetsalzes bis zu 120 Dollar pro Monat verdienen.

Sprechen Salzkenner von Quellsalz, so ist damit auch immer ein hoher Qualitätsstandart verbunden, da dieses Salz eine besondere Reinheit hat. Nach der Trocknung an der Sonne hat dieses Salz eine ähnliche Struktur wie das bekannte Fleur de Sel, mit einer für Kenner ordentlichen Restfeuchte. Ein besonderes Merkmal des Inka Sonnensalz ist die rosa Färbung.

Der letzte Stopp an diesem Tag war in Ollantaytambo. Bekannt ist der Ort auch für die letzte Möglichkeit den Zug Richtung Machu Picchu zu besteigen (was wir am nächsten Tag auch taten). Übersetzt bedeutet der Name Ollantaytambo soviel wie "Speicher meines Gottes". Gott Viracocha soll die Inka angeleitet haben, die Stadt zu bauen.
Bemerkenswert das Stadtbild als einzigartiges Beispiel für die Stadtplanung der Inka. Die Gebäude des Ortes, die Terrassen und die engen Gassen sehen noch genauso aus, wie es die Inka sich ausgedacht haben. Der Ort ist wie ein Schachbrett aufgebaut, so dass die Straßen 15 Blocks zusammen fassen, wobei jeder für sich einen Eingang zu einem zentralen Innenhof hat, der von Häusern umgeben ist. Noch heute sieht man viele Häuser, die vor allem den betuchteren Bewohnern gehören, die die perfekten Inka-Mauern aus rosa Stein aufweisen.
Die herausragende Sehenswürdigkeit des Ortes ist aber die sogenannte Inka-Festung mit ihren außerordentlich starken Mauern. Strategisch wirklich günstig gelegen, konnte man von dieser Festung aus das heilige Tal gut sichern. Der letzte Inka König, Manco Capac, verschanzte sich hier vor hunderten von indianischen und spanischen Fußsoldaten. Aber die Krieger wehrten sich überaus erfolgreich, die Flutung der Ebene unter der Festung verscheuchte für das erst die Angreifer. Erst ein zweiter Angriff, mit noch mehr Soldaten brachte Manco Capac dazu aus der Festung zu fliehen.
Der Aufstieg über die extrem steilen Treppen ist im wahrsten Sinne atemberaubend. Ist man endlich, völlig geschafft, oben angekommen kann man auf der gegenüberliegenden Talseite den Steinbruch erkennen, aus dem die riesigen Felsblöcke stammen, mit denen die Festung gebaut wurde. Interessant auch der Blick auf den Platz vor der Anlage, an denen sich zig Busse tummeln, einen riesigen Knoten zu bilden scheinen, der sich dann aber gefällig wieder auflöst.
Zurück zu den riesigen Felsbrocken zum Bau der Anlage. Eine bemerkenswerte Leistung, mussten die Blöcke zunächst einmal 6 km bergab rollen, dann wurden sie durch den Fluss gezogen, um anschließend über Rampen den Berg hinauf geschafft zu werden. Man kann sich nicht vorstellen, wie das alles funktioniert haben soll. Auf alle Fälle verstanden die Bauherren eine ganze Menge von Logistik und konnten die Menschen extrem gut motivieren.
Allerdings ist der Haupttempel nie vollendet worden. Man sieht noch heute viele Blöcke einfach so herumliegen, in verschiedenen Stadien der Vorbereitung zur endgültigen Verbauung. Auch hier gibt es einen sogenannten Inka-Thron, eine aus dem Fels geschlagene Nische in Form eines Sessels.
Auch in Ollantaytambo ist wieder die perfekte Präzession bei der Verarbeitung der Blöcke zu bewundern. Die Blöcke sind mit Nuten und Zapfen versehen, so dass sie präzise ineinander verzahnt werden konnten. Erdbeben sicheres Bauen schon vor tausenden von Jahren (es soll da Architekten geben, die verkaufen ein Haus als Erdbebensicher und dann stellt sich heraus, es wurden leer Cola-Dosen verbaut - hätte sich mal ein Inka erlauben sollen).
Die Archäologen vermuten, die Anlage wurde nicht nur als Festung zur Verteidigung gegen die aus Nordperu eindringenden Urwaldstämme genutzt, sondern auch als Begräbnisstätte. Angeblich sind die Herzen der verstorbenen Fürsten auf der obersten Terrasse bestattet worden und es sollen regelmässige Zeremonien abgehalten worden sein.
Nach der ausgiebigen Kletterei in der Anlage fanden wir unser Hotel - wieder einmal klein, beschaulich aber fein. Der Eigentümer begrüßte uns herzlich, bekundete kein Englisch und Deutsch zu sprechen, dafür aber Französich, Spanisch, und Quechua. Auf die Frage, was wir denn sprächen antwortete ich trocken: "Deutsch und Englisch!" Ehrlich - wir kugelten uns erst einmal alle vor lachen. Irgendwie kam es aber zu so etwas wie einer Kommunikation (wenn man denn wirklich will geht halt fast alles). Wir fanden heraus, wo der Bahnhof ist, wann der Zug geht, wann man am Bahnhof sein sollte, wo man gut zu Abend essen kann und uns wurde bedeutet, es gibt auch morgens um 5.00 h ein ordentliches Frühstück und wir können einen Teil unseres Gepäcks im Hotel lassen. Wenn das keine Unterhaltung war ....

  Der Wecker klingelte einmal mehr um 4.00 h morgens - gefühlt, wie sofort nach dem einschlafen. Zur Vorsicht und damit wir sicher den Zug nach Machu Picchu erreichen, klopfte der Hotelinhaber auch noch an die Tür. Ein üppiges, überaus gutes Frühstück mit anständigem Kaffee wartete auf uns. Dann ging es aber auch schon zum Bahnhof. Der Zug sollte um 6.00 h abfahren und man sollte so 30 Minuten vorher da sein. Noch war es dunkel und so einige Menschen hatten sich schon am Bahnhof versammelt. Der Zug stand schon bereit, es gab drei Waggons bei diesem frühen Zug. Irgendwann war es soweit, die Tickets vorzeigen, dann durfte man einsteigen. Als der Zug sich dann pünktlich um 6.00 h in Bewegung setzte, wurde es auch hell. Die Fahrt ging immer am Fluss entlang, durch tiefe Täler. Die Berge waren vom Schnee bedeckt, ein Bild wir gemalt. Eine Kleinigkeit zum knabbern gab es auch und einen Kaffee.
Was ist eigentlich der Inka-Trail? Der dem Peru-Touristen bekannte Inka-Trail ist nur ein ganz kleiner Abschnitt eines Netzwerkes von diversen Pfaden, die das große Reich, die vier Regionen des Tahuantinsuyo, verbanden. Insgesamt hatte dieses Pfad-System eine Länge von 23.000 km und erstreckte sich über Kolumbien, Westbrasilien, Ecuador, Peru, Bolevien, Zentralchile und Nordargentinien. Die Pfade - auf Neudeutsch auch Trails genannt - verliefen entlang der Küsten, durch die Berge bis an den Rand des tropischen Regenwaldes.
Den bekanntesten Wanderweg Südamerikas kann man als 4 Tages-Tour begehen. Die Tour beginnt schon ca. 88 km hinter Ollantaytambo und von hier aus sind es dann nur 42 Kilometer Berge, andine Täler, Flüsse und tropische Wälder, die einen von Machu Picchu trennen. Bei dieser Tour geht es dann zum Beispiel am 2. Tag über den Warmiwañusca Pass (Pass der toten Frau) auf 4.200 Meter Höhe.
Wir hatten uns entschlossen die kürzeste Tour zu machen, einen Marsch über einen Tag. Dafür mussten wir bei km 104 auf freier Strecke aus dem Zug aussteigen. Die Stewardess im Zug benachrichtigte den Zugführer, der dann entsprechen einfach anhielt. Es ging über eine Brücke, dann kam ein Kontrollpunkt. Hier mussten wir noch einmal unsere Genehmigung für den Pfad und Machu Picchu vorzeigen. Unsere Führerin, ohne Guide bekommt man keine Erlaubnis für den Trail, war leider noch nicht da, tauchte dann aber nach wenigen Minuten auf. Es gab ein paar Erklärungen. Als sie sah, dass ich nicht so richtig laufen konnte, bat sie mich einen Walking-Stik bei einer der Indio-Frauen zu kaufen. Das habe ich dann auch brav getan, ein Besenstiel mit gehäkelter Handschlaufe. Dann ging die Tour los.
Warum eigentlich eine Genehmigung für Machu Picchu und den Inka-Trail? Machu Picchu wurde 1983 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Für einen jeden Peru Reisenden gehört die Besichtigung der Anlage einfach dazu. Das hat zur Folge, dass pro Tag so ungefähr 2.000 bis 2.500 Besucher die Tempelanlage betreten, in der Hochsaison sollen es sogar bis zu 4.000 Besucher sein. Und genau das ist das Problem. Die Anlage wird regelrecht zertrampelt. Man hat ausgerechnet, das die Touristen pro Tag ungefähr 280 Tonnen auf die Waage bringen. Man schaue sich jetzt einmal unsere Straßen nach ein paar Jahren an, die einen erhöhten LKW-Verkehr aufnehmen. Dann gibt es immer noch ein paar Touristen, denen ist absolut nichts heilig - da wird nicht nur Papier weg geschmissen und leere Plastikflaschen irgendwo hingeworfen, nein - da werden Steine heraus gebrochen und vieles mehr.
          Deshalb hat die UNESCO die Forderung formuliert, die Besuchermenge auf 500 Touristen am Tag zu begrenzen. Doch die lokalen Verantwortlichen wollen noch mehr Geld mit den Eintritten verdienen und die Zahl der Touristen sogar auf 10.000 erhöhen, in zwei Schichten - Tag und Nacht. Damit den Forderungen so halbwegs genüge getan wird, wurde das System der Permit eingeführt. Was der Zerstörung, aufgrund der extrem hohen Anzahl an Erlaubnissen pro Tag, keinen Abbruch tut. Die Entscheidung für einen Besuch von Machu Picchu ist also mehr als grenzwertig. Man sollte bei dem Besuch einer solchen Anlage nicht vergessen, man reist nicht in ein Disneyland - man besucht einen heiligen Ort. Auch wenn der notwendige Respekt mein Gewicht nicht mindert, so hoffe ich zumindest, nicht durch meine 70 kg die Zerstörung nicht zum Abschluss gebracht zu haben. Vielmehr hoffe ich, die Verantwortlichen kommen zur Besinnung und reglementieren den Zugang noch mehr und Menschen, die den Respekt nicht zeigen - man sollte diese einfach unverzüglich aus Peru ausweisen. Menschen, die meine Wohnung verschmutzen und meine Möbel zerstören würde ich auch unverzüglich raus schmeißen.
Bewaffnet mit meinem Besenstiel ging es dann ja los. Über diverse Stufen durch den Nebelwald kamen wir schon sehr bald zu den Ruinen von Chachabamba. Die Erläuterungen zu diesen Ruinenkomplex sind recht unterschiedlich. So konnte einige Erläuterungen finden, die besagen es handelt sich hier um einen Tempel zu Ehren des Wassergottes. Dafür sprechen die Fontänen und Wasserkanäle die man meint zu erkennen und die Anlage durchziehen.
                    Eine andere Erklärung ist, es handelt sich um eine Zwischenstation auf dem Pfad der Pilgern, Boten und Händlern einen Ort der Ruhe und Andacht bot. So haben wir hier auch wieder so etwas wie ein Inka-Sofa gesehen, was für eine Andachtsstätte spricht. Na ja, vielleicht war es ja von allem ein wenig. Auf jeden Fall war es schön anzusehen.
Jetzt folgten etliche Stufen und ich bezweifle, das die Inka so klein waren wie sie beschrieben werden. Die Stufen jedenfalls waren für Riesen gemacht. Wunderschöne Ausblicke werden auf dieser Wanderung geboten und wir sahen viele Pflanzen. Tiere gab es nicht so viele, ab und an mal eine Eidechse. Dafür aber wunderschöne Orchideen und andere Blumen.
So alle paar Kilometer wurden Unterstände für die Wanderer gebaut. Zum Glück brauchten wir diese nur um uns vor der Sonne zu schützen. Das Wetter war einfach einmalig - strahlend blauer Himmel. Wir kamen dann, nach etlichen auf und ab, zu einem kleinen Wasserfall. Erst einmal eine Erfrischung.

Weiter ging die Tour, bis zu einem erheblich größeren Wasserfall. Der sah wirklich super hübsch aus. Am Rande sprudelte eine kleine Quelle mitten aus dem Fels. Ein wirklich lauschiges Plätzchen. Hier verweilten wir ein wenig und kühlten uns noch einmal ab. Denn schon aus einiger Entfernung, konnten wir die Anlage Wiñaywayna erblicken. Naomi, so der Name unseres Guides, erklärte schon, das müssen wir hoch krabbeln und jetzt waren wir kurz davor.
Einige Wanderer, die erheblich später als wir gestartet waren, überholten uns. Natürlich machten sie sich auch über uns lustig, da wir ja sooo langsam waren. Das mag ja sein, dass wir langsam waren, aber dafür haben wir wohl erheblich mehr gesehen. Im Regelfall stürmte eine Horde von 10 - 20 Menschen geradezu an uns vorbei - so im Dauerlauf. Für uns ist das kein Wandern. Man muss doch mal anhalten, die Pflanzen bestaunen, fotografieren, die Gegend in sich aufnehmen. Aber zum Glück ist halt jeder ein wenig anders "gestrickt" - hauptsache die Leute sind dabei glücklich.
O. k. - so langsam dankte ich unserer Naomi für den Rat doch einen Wanderstock zu kaufen. Ich benötigte ihn mittlerweile wirklich, der Fuß meldete sich gehörig. Nun kamen wir an den Fuß von Wiñaywayna an. Der Name Wiñaywayna bedeutet soviel wie "immer jung". Diese Ruinen wurden 1942 vom peruanischen Archäologen Julio C. Tello entdeckt.
     Etliche Stufen, so gefühlte hunderttausend Stufen, verbinden die in den Hang gebaute Ruinen. Man steigt nämlich nur über Treppen durch die unzähligen Terassenfelder der Anlage. Einige Häuser sind so halbwegs erhalten geblieben, natürlich gab es auch hier einen religiösen Bezirk. Laut den Erklärungen von Naomi soll es sich auch hier um so etwas wie eine landwirtschaftliche Versuchsanlage gewesen sein. Leider habe ich keine weiteren Informationen zu diesen Ruinen gefunden.
Nach diesen beschwerlichen Aufstieg gab es dann erst einmal etwas zu Mittag. Die Pause tat wirklich gut. Jetzt trennten uns nur noch ein paar Stunden von dem Intipunku, dem Sonnentor zu Machu Picchu. Der Weg ging nicht mehr so steil bergauf, die Landschaft grandios. Immer wieder hielten wir an, um etwas zu fotografieren. Dann aber noch einmal extrem steile Treppen - schon waren wir am Tagesziel angelangt (fast). Wir traten durch das Intipunku.
Was für ein Ausblick! Hier ist wohl der imposantesten Aussichtspunkt von Machu Picchu, etwa 1 km vom archäologischen Komplex entfernt gelegen. Ursprünglich, zu Inka Zeiten, war hier mal ein Kontrollpunkt. Eine ganze Weile blieben wir hier oben sitzen und sogen geradezu alle Eindrücke in uns ein. Dann kam aber doch der Abstieg zur Bushaltestelle. Steil ging es fast eine Stunde lang bergab. Belohnt wurden wir mit einem Blick über die menschenleere Anlage. Es war mittlerweile 17.00 h und der Komplex für Besucher geschlossen. Nur die Wanderer dürfen am Rande der Anlage zur Bushaltestelle gehen.
Gleich neben der Anlage gibt es ein sündhaft teures Hotel - die Nacht soll so bei USD 700,00 beginnen. Schauspieler, königliche Hoheiten und ähnliches residieren in diesem Hotel. Wir fragten Naomi, warum das nicht in unserem Reisepreis inbegriffen ist. Sie meinte trocken: "Sorry, I can not find my Inka-Gold at the moment." Unmöglich steil, über hunderte von Serpentinen, geht die Sandpiste bis nach Aguas Calientes. Dieser Ort lebt ausschließlich vom Tourismus und man kann ihn eigentlich als riesiges Hotel und Restaurant mit Andenkenladen beschreiben.
Wir reisten ja nur mit extrem kleinen Gepäck. Der Inka-Trail gab unseren letzten, sauberen T-Shirt den absoluten Rest. Also, guter Rat tut Not. Ich ging unter die Dusche, Rolf kaufte währenddessen neue T-Shirts. Zwar mag ich es normalerweise überhaupt nicht, etwas ungewaschen anzuziehen, aber hier blieb nichts anderes übrig. Frisch geduscht, mit sauberen Zeug, gingen wir noch etwas Essen. Danach vielen wir förmlich ins Bett.

 Am Abend vorher meinte Naomi, wir sollten schon mit dem 1. Bus hoch nach Machu Picchu fahren, der so gegen 6.00 h abfährt. Man könne wunderbar den Sonnenaufgang erleben. Wir waren aber so kaputt, ein ganz klein wenig länger wollten wir schlafen. So verabredeten wir uns für 6.00 h im Hotel. So konnten wir vernünftig frühstücken. In Aguas Calientes gibt es keine Autos, der ganze Ort ist eine Fußgängerzone. Die Bahnlinie führt einmal durch den Ort, das sieht so aus wie eine Hauptstraße. So schlenderten wir zum Busbahnhof - dann ging es auch gleich die hundertern von Serpentinen hoch zur Anlage. Ach ja - den Sonnenaufgang haben wir auch nicht verpasst, es war nebelig. Dadurch hatte die Anlage ein fast mystisches aussehen, für uns genauso einmalig wie der Sonnenaufgang.
Schon lange kursierte die Legende von einer sagenhaften Inka-Stadt, die irgendwo in den Anden versteckt liegen soll. Aber erst im Jahre 1911 wurde Machu Picchu entdeckt und dann Schritt für Schritt freigelegt. Einige Reisen durch Südamerika hatte Hiram Bingham schon hinter sich, bevor er 1911 als Leiter einer Expedition der Yale University in die peruanischen Anden kam. Spanische Chronisten wussten von einer geheimnisvollen Stadt Namens Vilcabamba in der Nähe von Cusco zu berichten. Es sollte sich bei der Stadt um das letzte Versteck der Inka handeln, man versprach sich aber auch Schätze aus Gold zu finden.
Eigentlich wollte man die Expedition schon beenden, man folgte schon mehrere Wochen dem Rio Urubamba, befragte die Menschen, man fand aber nichts. In Aguas Calientes traf Bingham dann den Einheimischen Melchor Arteaga, der berichtete in den Bergen oberhalb des Flusses Inka-Ruinen entdeckt zu haben. So ließ sich Bingham durch dichten Dschungel zu einem Ort in 2.400 Meter Höhe führen. Er fand eine Vielzahl von überwucherten Gebäuderesten. Bald erkannte er, viele Mauern wurden genauso gearbeitet, wie die Mauern im Sonnentempel von Cusco.
Vilcabamba entdeckte Bingham nicht, dafür aber Machu Picchu. Nie wurde Machu Picchu von den Spaniern erobert, sie wussten einfach nichts über die Stadt in den Wolken. Viele Fragen zur Stadt blieben aber offen, größtenteils bis heute. Es gibt unzählige Theorien, mangels Überlieferungen oder wissenschaftlichen Aufzeichnen, basiert aber jede Theorie nur auf der Grundlage archäologischer Funde.
Angeblich baute der Inka-Herrscher Pachacútec Yupanqui um 1450 die Stadt, die letztendlich 216 steinerne Bauten umfasste. Alles war auf Terrassen angelegt und miteinander durch ein Treppensystem verbunden. Auch in Machu Picchu zeigt sich, wie gut die Inka mit Wasser umgehen konnten, findet man auch hier eine ausgeklügeltes Be- und Entwässerungssystems. Ansonsten hätte die Stadt die Jahrhunderte nicht in einem so guten Zustand überstanden.
Gleich nach der Entdeckung fand man über 50 Grabstätten mit mehr als 100 Skeletten. Man war der Ansicht, es handelte sich hier hauptsächlich um weibliche Überreste. Diese Meinung musste man aber revidieren, neue Untersuchung zeigten, es handelt sich um eine gleichmäßige Verteilung der Geschlechter. Aus dieser Tatsache wird abgeleitet, es handelt sich um eine königlich-religiöse Zufluchtstätte der Inkas.
  Archäologische Befunde beweisen, die Stadt war weitestgehend ausgebaut und voll funktionsfähig und Menschen lebten über einen längeren Zeitraum hier. Die schon erwähnte geniale Wasserversorgung, wie auch die aufwändige Regenwasserableitungsstruktur, die zumeist im Terrassenunterboden verborgen liegt, lassen die Annahme richtig erscheinen, die Stadt lebte. Trotzdem hält sich die Theorie, Machu Picchu sei zu Zeiten der spanischen Eroberung noch im Bau gewesen. Die Bauarbeiten seien aufgrund der Eroberung des Inkareiches nicht fortgesetzt worden, vielmehr sei die Anlage verlassen worden und geriet somit in Vergessenheit.
Wir gingen erst einmal durch die Terrassen und genossen die Aussicht, die Wolken, die sich um die Berge schlungen. Dann besichtigten wir die ganze Stadt. Wir schritten durch das Huaca Punku, dem eigentlichen Stadttor. Die Gebäude in diesem Teil sind einfacherer Bauart. Natürlich sahen wir den Heiligen Platz - Inticancha, den Tempfel der drei Fenster. Wie auch den durch die Grabungsarbeiten und von Erdbeben schwer in Mitleidenschaft gezogenen Haupttempel, der bestimmt einmal reich verziert war. In der Sakristei ist ein Sein mit 32 Kanten integriert, ein weiteres Zeugnis für die grandiosen Steinmetze der Inka.
Die Wolken verzogen sich immer mehr und die Sonne kam zu vorschein. Es sollte wieder ein herrlicher Tag werden. Unser Rundgang ging weiter, fast immer über Treppen. Wir kamen zum Sonnenstein - Intihuatana - dem wohl wichtigsten religiösen Heiligtum der Anlage. Man nimmt an, hier bestimmten die Astronomen den Beginn der Regenzeit und überprüften den Kalender. Ganz sicher ist man sich aber nicht. Wieder die Treppen runter liegt der Versunkene Platz, an dem vermutlich landwirtschaftliche Versuche durchgeführt wurden. Nur ein kleines Stück weiter liegt ein 3 m höher Monolith, der Tempel nennt sich Tempel des heiligen Felsens.
Der Weg führte wieder durch etwas einfacher gebaute Wohnhäuser. Hier sollen die Sonnenjungfrauen oder große Familien gewohnt haben. Gleich daneben soll sich das Handwerkerviertel befunden haben. Zu der Annahme gelangte man aufgrund der Funde von Web- und Nähgerät sowie Steinwerkzeuge. Dann kommt der Tempel des Kondors, umgeben von Mauern und Nischen. Der flache Stein am Boden stellt einen Kondor dar. Gegenüber liegt das Palastviertel, natürlich auf mit dem Palast des Königs.
El Torreón ist ein runder Turm, der auch unter dem Namen Tempel der Sonne bekannt ist. Nischen in den Mauern boten Platz für Opfergaben und Götteridole. In der Mitte des Raumes gibt es eine Linie, auf die zur Wintersommerwende das Licht durch das Fenster fällt. Daher ist man auch der Meinung, es könne sich hier auch um einen Turm der Inka Astronomen zur Kontrolle des Kalenders handeln. Andere Theorien vermuten hier einen strategischen Wehrturm oder einen Getreidespeicher. Weiter zum Palast der Prinzessin, der von einfachen Gebäuden, wahrscheinlich auch Getreidespeicher, umgeben ist. Das Gebäude ist zweistöckig, daher denkt man, es gehörte einem Hohepriester.
Jetzt hatten wir wirklich strahlenden Sonnenschein und wir krabbelten hinauf zur Hütte des Verwalters vom Grabfelsen. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick über die Anlage. Im Hintergrund der Gipfel des Huayna Picchu, gegenüber der namengebene Machu Picchu (was "alter Berg" bedeutet), links die Zinnen des Intipunku.
Wir folgten dem Hinweisschild zum Puente Inca. Es folgte ein guter Weg, nicht steil bis man zur Inka-Brücke (Puente Inca) gelangte. Es handelt sich hier um eine alte Holzbrücke, die sich an die glatten Wände der Felswand schmiegt. Die Bretter liegen auf einem künstlichen, unterbrochenen Felsvorsprung und konnten leicht weggezogen werden. So wurde auf einfache Art und Weise etwaigen Angreifern der Zugang verwehrt.
Wir waren geschafft! So nahmen wir einen Bus, zurück nach Aguas Calientes, der Stadt die nur vom Tourismus nach Machu Picchu lebt. Wir erwähnten ja schon, der Ort gleicht einem riesigen Hotel mit Restaurants und Andenkenläden. Wir schlenderten ein wenig durch den Ort und fanden dann auch ein nettes Restaurant. Nach dem Essen war es aber auch schon wieder Zeit, zum Bahnhof zu gehen. Hier war natürlich richtig Trubel. Der Zug hatte fast eine Stunde Verspätung, war überbucht - es war alles in allem nicht gerade ruhig. Zu meinem Glück war die Toilette des Waggons kaputt. In Ollantaytambo angekommen, marschierten wir zu dem Hotel, indem wir unser Gepäck gelassen hatten. Der absolut, obergeniale Inhaber organisierte uns ein Auto bis nach Cusco. Da die Bahnverbindung bis nach Cusco defekt ist, gibt es einen Bustransfer, der mit Kauf einer Fahrkarte abgegolten ist. Unser Zeitfenster, mit Gepäck abholen, reichte dafür nicht aus. Außerdem hatten wir im Auto schöne Musik und der Fahrer war echt nett. Spät kamen wir im Hotel in Cusco an und wurden erst mal herzlich begrüßt. Noch einmal etwas Essen gehen - dann waren wir restlos geschafft, werden aber dieses einmalige Erlebnis auch nicht vergessen - Machu Picchu - der Anlass unserer Reise nach Peru.

Weiter geht es im Part III

Discover the Earth - 2011