Unser Abenteuer Peru war noch lange nicht zu Ende. Eigentlich hätte man nach der Rückkehr aus Cusco gut und gerne noch eine Nacht in Ollantaytambo verbringen können. Bei der nächsten Reise wissen wir Bescheid. Auf der anderen Seite, so hatten wir den gesamten Tag für Cusco. Die Stadt selbst, mit ihren Kirchen ohne Ende, hatten wir uns einige Tage vorher angesehen, aber in der näheren Umgebung gab es noch eine Menge zu entdecken. Also besorgten wir uns ein Taxi und los ging es.
Bei Sacsayhuamán handelt es sich um einen recht großen Ruinenkomplex im Norden von Cusco, hoch über der Stadt gelegen. Obwohl es einen sehr schönen Fußweg gibt, haben wir das Taxi genommen, wir waren von den vielen Wanderungen die Tage davor noch recht kaputt. Die gesamte Anlage gehört mit zum UNESCO-Weltkulturerbe. Auch über Sacsayhuamán gibt es diverse Theorien, wozu die Anlage eigentlich gedient hat.
Sehr häufig wird von einer Festung gesprochen, die den Zugang nach Cusco schützen sollte. Während der spanischen Eroberung sollen sich hier auch Hunderte von Inka-Kriegern verschanzt haben. Bei der Eroberung selbst ist dann ein großer Teil der Anlage zerstört worden. Viele Steine wurden zum Bau der Kathedrale und der Kirchen verwendet. Später taten Erdbeben ihr Übriges, so dass heute nur noch etwas ein Drittel der Anlage erhalten geblieben ist.
Zwischen den beiden Hügeln der Anlage weiden immer Lamas (oder waren es jetzt Alpakas?). Als wir hier längs schlenderten, waren die sich gerade ganz gewaltig am streiten. Meine Güte, die können aber giftig werden. Hoch aufgerichtet wurde sich kräftig angespuckt und getreten. Irgendwann kam dann ein Aufseher und brachte die Tiere auseinander.
Gegen eine Festung spricht allerdings die Bauform vieler Teile der Anlage. Diese Bauweise hat man ansonsten immer bei Heiligtümern gefunden. So gibt es Nischenplätze, kreisförmige Arenen von etwa 100 m Durchmesser und ausgebaute Treppen in einzelstehenden Felsblöcken. Repräsentativ muss die Anlage ausgesehen haben und die Inka haben damit ihre Leistungsfähigkeit einmal mehr unterstrichen.
Man schätzt, die Anlage wurde ca. im 15. Jahrhundert erbaut. Alles in allem sollen rund 20.000 Menschen am Bau beteiligt gewesen sein. Den Namen, Sacsayhuamán kann man übersetzen mit "zufriedener Falke". Eine Ableitung aufgrund des genialen Ausblickes über die Stadt Cusco, mit ihrem heute rotbraunen Dächermeer. Aber es gibt noch eine andere Übersetzung, die dann "gesprenkelter Kopf" heißt. Die Straßenzüge von Cusco bilden ja den Körper eines Pumas, die Anlage bildet den Kopf und hat, aus der Luft gesehen, auch die Form einen Pumakopfes.

Auch Sacsayhuamán ist terrassenförmig angelegt. Die riesigen Mauern bestehen aus ebenso riesigen Steinblöcken, die aus einem 20 km entfernten Steinbruch herangeschafft wurden. Wobei die untere Mauer 9 m, die mittlere 10 m und die obere 5 m hoch sind, alle bei einer Länge von 600 m. Der größte Stein ist 9 m hoch, 5 m breit, 4 m dick und wiegt über 200 Tonnen. Wie die Inka mit derartigen Blöcken die Distanz von 20 km überwunden haben, ist bis heute nicht geklärt. Auf der oberen Ebene kann man die Überreste von drei Türmen erkennen, die mit unterirdischen Gängen miteinander verbunden sind. Wie schon in anderen Anlage gesehen, gibt es auch hier wieder eine ausgeklügeltes Be- und Entwässerungssystem.
Einen Hügel weiter gibt es den Christo Blanco zu bestaunen. Einige riesige Christusstatue hält hier scheinbar Wacht über die Stadt und hält schützend die Arme darüber. Das ganze erinnert an Rio de Janeiro. Die Statue wurde der Stadt 1946 von der arabisch-katholischen Gemeinde geschenkt. Der Ausblick ist auf alle Fälle sehenswert und der Abstecher lohnt wirklich.

Ganz in der Nähe von Sacsayhanán liegt gleich die nächste Sehenswürdigkeit, Kenko. Hierbei handelt es sich wohl um einen Kultort an dem die Erdgöttin Pachamama angebetet wurde. Die Anlage ist wie ein Amphitheater aufgebaut, wobei nicht genau geklärt ist, wozu die Nischen wirklich dienten. Eine Theorie besagt, hier wurden die Inka Mumien während der Zeremonien platziert, so dass diese auch an den Ritualen teilnehmen konnten.

An der Oberseite des zentralen, gewaltigen Felsblocks, gibt es eine lange Opferrinne in Form einer Schlange, die im Zickzack in den Fels gehauen wurde - daher auch die Bezeichnung Labyrinth oder schlicht Zickzack für diesen Ort. Wie so oft in Peru, so ist auch hier die Bedeutung nicht wirklich klar. Man vermutet, die Inka-Priester ließen hier, im Zuge geheimnisvoller Opferrituale, chicha (= Maisbier), geweihtes Wasser oder gar Menschenblut durchrinnen.

Geht man um den zentralen Felsen herum, eröffnet eine Spalte den Zugang zu einer künstlichen, unterirdischen Plattform. Das ganze sieht aus, wie ein Altar. Es gibt die Vermutung, hier wurden die Toten für die Einbalsamierung zurecht gelegt und geweiht, oder ähnliches.
Ein kleines Stückchen daneben steht ein 6 m hoher Monolith, der zu Inka-Zeiten die Form eines Pumas gehabt haben soll. Da solch ein Bildnis für die einfallenden Spanier ein heidnisches Bildnis war, haben sie auch dieses zerstört. An der Seite kann man aber noch Gravuren von Hieroglyphen erkennen, deren Bedeutung allerdings bis heute nicht geklärt ist.

Und noch einmal ging es die Strasse, die auch zum Valle Sagrado führt, einige Kilometer entlang. Dann kam Puca Pucara, auch die rote Festung genannt. Hierbei handelte es sich, wieder einmal nur eine Vermutung, um eine Zwischenstation für Boten, Pilger und Soladaten. Diese sogenannten Tambos hatten wir ja schon einige Male gesehen, überall entlang des Wegesystems gibt/gab es solche Tambos.
Wobei die Tambos aber auch als Waffenlager und militärische Stützpunkte für strategische Zwecke, wo die Truppen des mächtigen Inkaheeres auf ihren Feldzügen versorgt werden konnten, dienten. So ist auch diese Anlage strategisch wirklich gut gelegen. Man hat einen weiten Blick über die benachbarten Täler. Heute sind von der halbkreisförmigen Anlage nur noch ein paar Mauern, Treppen, Tunnel, offene Räume und Nischen zu sehen.

Oh je - wie verrann dieser Tag. Gleich neben Puca Pucara liegt die nächste, für uns die letzte Attraktion, rund um Cusco. Ja, der Tag war schon wieder fast zu Ende. In Tambo Machay sind die "Heiligen Quellen" zu finden. Wobei der Name auch die Bedeutung von "Ort der Freude" oder "Höhlenherberge" hat - so ganz genau haben wir das leider nicht heraus gefunden. Auf alle Fälle war die Tempelanlage schon zu Inka-Zeiten ein bedeutender Kultort. Die Anlage, die etwas abseits der Straße liegt, verteilt sich über vier Terrassen. Das kristallklare Wasser, gespeist aus unterirdischen Quellen, fließt hier aus einer typischen Inkamauer mit trapezförmigen Nischen und Türen in ein Steinbecken.
Die heutigen Einheimischen sprechen zwar von einem Bano del Inka - "Bad des Inka", aber es ist wohl doch eher unwahrscheinlich, das hier jemals ein Inka wirklich gebadet hat. Für die Inka war das Wasser ein äußerst heiliges Element, Symbol des Lebens und der Reinheit. So gingen allen Zeremonien, Riten aufwendige Reinigungszeremonien voraus. So sahen wir es ja auch schon in Pisco.
Insofern handelte es sich wohl eher um ein Heiligtum, in dem das Wasser geehrt wurde. Man erzählt sich aber auch die Geschichte, dass, wer von dieser Quelle trinke, ewige Jugend, Schönheit und Fruchtbarkeit gewinne. Rolf trank von der Quelle, bis heute konnte ich keine Veränderung feststellen. Liegt bestimmt daran, das eh schon alles vorhanden war.

Einen letzten Abend verbrachten wir in Cusco. Paddy's Pub suchten wir selbstverständlich noch einmal auf, davor ein richtig tolles Abendessen. So eine kleine Abschiedsfeier von Cusco, denn am nächsten Tag verließen wir die Stadt.

Heute nahmen wir Abschied von Cusco, unser erster Weg führte uns zum Flughafen. Wir flogen heute nach Puerto Maldonado, zu unserem nächsten Abenteuer. Auf dem Flughafen herrschte ganz guter Trubel, die Aufteilung, wann man wo einchecken muss, war etwas undurchsichtig, aber wir fanden alles was wir benötigten. Kaum war der Flieger in der Luft, da setzte er auch schon zur Landung an. Den Flughafen in Puerto Maldonado kann man wahrlich als "puschelig" beschreiben. Steigt man aus dem Flugzeug aus, wandert man gemächlich über das Rollfeld zur Gepäckhalle. Weit und breit kein anderes Flugzeug, außer dem, mit dem wir angekommen sind. Wir nahmen unser Gepäck auf, vor dem Gebäude trafen wir "unseren" Guide. Mit ein paar anderen Gästen bugsierte man uns erst einmal in einem Bus, der garantiert schon bessere Tage gesehen hatte, so ein richtig nostalgisches Teil und fuhren zum "Hauptquartier" des Anbieters für diese Tour (ohne geführte Tour gibt's keinen Dschungel).
Über die Stadt gibt es eigentlich soviel nicht zu berichten, wir sahen eigentlich auch nichts von ihr. Die Menschen hier leben von der Suche nach Gold, von der Holzwirtschaft und dem Anbau tropischer Produkte wie Kakao, Kaffee, Kautschuk und Paranüssen. Der Tourismus wird aber als Einnahmequelle immer wichtiger. Denn die auf 115 m Höhe gelegene Stadt liegt schon mitten im peruanischen Urwald, am Zusammenfluss vom Rio Madre de Dios und des Rio Tambopata. Somit ist der Ort mehr als geeignet, Touren in den Dschungel zu unternehmen.
 Im "Hauptquartier" musste erst einmal das Gepäck separiert werden. Aufgrund des Fluges konnten wir ja nicht alle Dinge im Handgepäck mitnehmen. Die großen Rucksäcke blieben zurück, nur das nötigste wurde mitgenommen (wichtig - Taschenlampe - sollte man eh nie vergessen). Wir sind dann nochmal gute 40 Minuten mit dem Bus gefahren, um an den Fluss, den Rio Tambopata zu kommen. Hier gab es noch einmal die Station für die Touristenboote, dann ging es mit dem Boot nochmal 45 Minuten den Fluss entlang. Unterwegs konnten wir schon die Natur bewundern, erhielten einige Erklärungen zur Lodge, der Umgebung etc., etc. - unterwegs sahen wir einen tollen Vogel, den Namen habe ich leider vergessen. Aber auch sonst waren wir von der Natur überwältigt. Endlich kamen wir am Nachmittag an der Posada Amazonas Lodge der Firma Rainforest Expeditions an.
Ivo, so der Name unseres Guides hier im Dschungel, erklärte uns, seine Firma hat mit den Indianern der Gegend ein Abkommen geschlossen. Sie bewirtschaften zunächst die Lodge zusammen, an allen Einnahmen werden die Indianer beteiligt. Die eine Flussseite wird als Farmland genutzt, die andere bleibt Natur pur. Ob das in der Realität wirklich alles so funktioniert, konnten wir nicht heraus bekommen. Die Idee und das Konzept hören sich fast zu gut an um wahr zu sein. Das Unternehmen sorgt auf alle Fälle dafür, dass die Natur so wenig wie möglich belastet wird, wobei mit einfachen Mitteln hier noch mehr getan werden könnte. So könnte man den Touristen erklären, keine Seife etc. mit zu nehmen. Dann müsste aber auf den Zimmern etwas mehr als eine kleine Dose von dem Naturprodukt stehen. Auch wurde nicht so recht erläutert, wo denn die Abwässer etc. der lieben Touristen so bleiben.
  Wir fuhren mit dem Boot hinein in die seit 1989 bestehende Schutzzone - Reservada Tambopata-Candamo. Dahinter, noch ein gutes Stück weiter als die Lodge, die wir besuchten, fängt dann gleich der 2001 gegründete Parque Nacional Bahuaja-Sonene an. Auch hier kann man mit Rainforest Expeditions gute Touren machen, die Firma soll sich extrem für dieses Gebiet einsetzen. Die Gegend ist bekannt für gleich mehrere biologische Weltrekorde. So gibt es hier die größte Artenvielfalt an Vögeln und Schmetterlingen, es gibt mehr als 300 Baumarten, sowie eine nicht zu überschauende Vielfalt an Pflanzen. Am oberen Flusslauf hat Rainforest Expeditions direkt an einer weltbekannten Ara-Salzlecke eine Lodge.
Als das Boot bei der Lodge anlegte, erst einmal Kletterei das steile Ufer hinauf. Es gab soetwas wie eine Treppe, aber man sollte schon trittsicher sein. Darauf folgt ein kleiner Fußmarsch von ca. 15 Minuten, dann ist man bei der Lodge angekommen. Sehr nobel alles - es fehlt an wirklich gar nichts. O. k. - nun konnten wir den Preis verstehen. Die Zimmer - wirklich nett und man ist bemüht, ein richtiges Dschungel-Feeling nahe zu bringen. So hat jedes Zimmer nur drei Wände - die Wand zum Dschungel hin fehlt gänzlich. Türen sucht man vergebens - es gibt nur Vorhänge. Man hat eine Dusche, ein WC - alles, was so in ein Hotelzimmer gehört. Die Betten sind alle mit Moskitonetzen ausgerüstet. Strom allerdings, den sucht man vergebens. Abends werden Lampen entzündet, die dann Nachts ausgemacht werden. Im Restaurant gibt es bis 21.00 h Strom - dann kann man sein Bier bei Kerzenschein weiter trinken. So elegant und bequem haben wir noch in keinem Dschungel, auf jeden Fall nicht wenn wir so weit reingefahren oder gewandert sind, gewohnt.

Später Nachmittag - ein Spaziergang über einen der Wanderwege der Lodge zu einem Aussichtsturm. Ivo erklärte uns eigentlich alles, was wir so zu sehen bekamen. Was für Bäume wir sehen, wie sie sich fortpflanzen, was man mit dem Holz so machen kann. Mitten im Dschungel ein Stahlgerüst von 37 m Höhe - also etwas höher als die Baumwipfel. Treppen führen nach oben und man kann die einzelnen "Höhenzonen" des Urwaldes genauer betrachten. So sahen wir Paranüsse - noch als Frucht am Baum hängen. Oben angekommen ein atemberaubender Blick über den Urwald, bis hin zu den Anden.
Natürlich versuchten wir Vögel zu beobachten. Die hatten aber nicht so richtig Lust beobachtet zu werden. So bekamen wir kaum etwas zu sehen. Aber wir sahen in einiger Entfernung Aras fliegen. Sah natürlich wunderschön aus und wir lernten - die machen einen ganz schönen Spektakel. Etwas weiter waren noch ein paar andere Vögel, aber außer einem Schattenspiel konnten wir nicht viel erkennen.

   Als wir den Turm wieder verließen setzte schon die Dämmerung ein. Langsam spazierten wir wieder zur Lodge zurück. Dabei stießen wir noch auf diverse Insekten. Wir hatten kaum noch Zeit zu duschen, da gab es auch schon Abendessen. Ivo erläuterte das Programm für den nächsten Tag. Aufstehen um 4.00 h - Frühstück um 4.30 h - Marsch zum Fluss, dann mit dem Boot den Fluss weiter rauf. Dort solle es einen tollen See geben und mit viel Glück könnten wir Riesenotter sehen. Wir hatten einen langen Tag hinter uns und vielen eigentlich nur so ins Bett.
Es ist stockdunkel, es ist 4.00 h morgens und es gibt kein Licht, außer zwei Kerzen und unseren Taschenlampen. Die Taschenlampen schonten wir aber, wer weiß denn schon, was da noch so kommt. Das ist spaßig, dabei auch nur eine Katzenwäsche hin zu bekommen. O.k. - nachdem irgendein verborgener Aufpasser mitbekam, wir waren wach - wurden die Petroleumlampen angezündet. Und die armen Nachbarn erst. Sämtliche Zimmer eines Langhauses hatten ein einziges, recht hohes Dach. So konnte man die Darmtätigkeit des Nachbarn immer recht gut beurteilen.
Sofort nach dem wirklich guten Frühstücksbuffet erst mal der Marsch durch den dunklen Dschungel zum Flussufer. Abenteuerlich der Abstieg zum Boot - dann ging die Tour richtig los. Während der Fahrt wurde es langsam dämmrig und so nach 30 Minuten voller Fahrt legten wir wieder an. Nochmals ein kleiner Spaziergang durch den Dschungel, dann tat sich eine riesige Lichtung mit See auf. Herrlich, so ein Spaziergang beim Sonnenaufgang! Am See angekommen ging es auf eine Art Floß und ganz, ganz langsam und still ging es auf den See.
Schon sehr bald sahen wir in der Ferne die ersten Riesenotter. Langsam fuhren wir etwas näher heran und wir hatte mehr als Glück. Die Riesenotter kamen aus dem Wasser, einen konnten wir zusehen, wie er seinen Fisch verspeiste. Wir fuhren aber nicht zu nahe heran, so dass die Tiere nicht gestört werden. Mit dem 500er Tele ist es aber gar nicht so einfach, so ein Tier auf ein Foto zu bannen, aber ein paar sind ganz gut gelungen. Durch das Fernglas konnte man die Tiere aber richtig gut beobachten, teilweise sogar mit dem bloßen Auge.
Den Riesenotter findet man nur im amazonischen Regenwald. Er ist mit einer Länge von zwei Metern (davon 70 cm Schwanz) und einem Gewicht über 20 Kilogramm der mit Abstand größte im Süßwasser lebende Otter. Zumeist leben die Riesenotter in größeren Gruppen, die auch zusammen jagen. Die Otter sind auf mehrere Würfe im Jahr angewiesen, da die natürlichen Feinde die Aufzucht der Jungen extrem schwierig macht. Die Jungtiere sind eine beliebte Mahlzeit für Kaimane, Jaguare und anderen Tieren. Leider sind diese schönen Tiere vom Aussterben bedroht. Wurden sie in der Vergangenheit gejagt, da ihr Fell sehr begehrt war, so wird ihnen jetzt der Lebensraum mehr und mehr entzogen. So werden die Flüsse durch die Goldsucher mit Quecksilber vergiftet, oder die Flüsse werden schlichtweg überfischt.
Im Gebüsch am Ufer konnten wir dann noch eine kleine Gesellschaft von Hoazin ausmachen. Die Indianer am Fluß nennen diesen komischen Vogel auch Stinkvogel. Den Namen hat er, weil sein Verdauungssystem eher wie das eines Wiederkäuers gebaut ist. Bedeutet, die Verdauung findet nicht im Magen statt, sondern in einem extrem vergrößerten Vorderdarm der aus dem Kropf und dem unteren Teil der Speiseröhre. So ist dieser Bereich derart vergrößert, dass er gut 25 % des Gewichtes von diesem Vogel ausmachen kann.
Dabei kann dieser Vogel nur eingeschränkt fliegen, da seine Flugmuskulatur stark reduziert ist. Die größte Strecke, die der Hoazin im Flug zurücklegen kann beträgt man gerade 350 Meter, hierbei wird dann auch eher der Gleitflug bevorzugt. Die meisten Indianer mögen den Vogel nicht essen, auch nicht die Eier, da alles wegen des Gestanks des Vogels als ungenießbar gilt. Somit ist für diesen Vogel, der doch eigentlich recht hübsch aussieht, die größte Bedrohung die Zerstörung seines Lebensraumes. Wegen der eingeschränkten Bewegung können die Vögel bei nicht einmal auf nicht zerstörte Gebiete ausweichen. Auch mag der Vogel seine Ruhe, es ist belegt, schon kleine Störungen mindern den Bruterfolg.
 Damit die Riesenotter, wie auch die Hoazin wirklich ihre Ruhe haben, sind wir mit dem Floß auch leise wieder von dannen gezogen. Jetzt war es Zeit zum fischen. Piranhas sollten mit Hilfe eines etwas angegammelten Stück Rindfleisch geangelt werden. Die Piranhas sind Schwarmfische, treten also immer in Horden auf. Ja, es handelt sich um einen Raubfisch mit messerscharfen Zähnen. Davon konnten wir uns nach den ersten Angelerfolgen überzeugen. Keine Angst, wir haben alle Fische wieder ausgesetzt, keiner ist wirklich zu schaden gekommen. Der Piranha ist für seine überaus extrem gute Wundheilung bekannt und kann bis zu 30 Minuten außerhalb des Wassers überleben.
 Normalerweise ernähren sich die Piranhas von Fischen und Krustentieren, ist der Besatz aber zu groß, greifen sie auch schon mal Wirbeltiere an. Da diese Fische aber auch alle Kadaver vertilgen, kann man sie als eine Art Gesundheitspolizei ansehen. Das die Piranhas aber unverzüglich jedes menschliche Wesen verspeisen, welches sich im Wasser befindet, ist einfach ein Gerücht. Alexander von Humboldt setzte mit seinen Berichten erst Akzente. Endgültig zerstört wurde der Ruf der Piranhas durch Theodor Roosevelt. Während eines Besuches in Südamerika wollte man Herrn Roosevelt ein besonderes Schauspiel bieten. Dafür wurde ein Flussarm vom restlichen Fluss abgesperrt und tausende von Piranhas wurden hinein getrieben. Fixiert hat man die Fische dann mit einem riesigen Netz. Dann trieb man eine verletzte Kuh in den Fluss. Die Fische, aufgrund der Enge und des damit verbundenen Stresses total in Panik, griffen sofort die Kuh an und es folgte ein extrem blutiges Schauspiel. Erst 2006 wurden dann mal Unfälle mit Piranhas genauer untersucht. Es stellte sich heraus, die meisten Unfälle gab es mit Kindern, die von einer recht großen Sorte Piranha in die Füße gebissen wurden. Angriffe mehrerer Fische auf Menschen kamen sehr selten vor. Beißattacken erfolgten nur vereinzelt, das Opfer wurde nicht weiter verfolgt. Charakteristisch war, dass fast alle Angriffe zur Trockenzeit stattfanden und in von Essensresten, Fischabfällen und Blut verunreinigten Gewässerzonen. Insofern kann man zumindest sagen, die Gefährlichkeit ist doch eher umstritten. Die Indianer baden bedenkenlos in Gewässern, in denen auch Piranhas vorkommen.
   Jetzt ging es zurück ans Ufer. Kurz vor dem Anlegen sahen wir dann noch einmal einen Riesenotter. Immer wieder tauchte er auf, um dann gleich wieder unter Wasser zu verschwinden. Wir sahen noch einige Aras und eine Geierart, die würdevoll über den Dschungel schwebten. Wieder zurück zum Fluss und wir fuhren zurück zur Lodge wo es erst einmal Mittag gab. Dann konnten wir erst mal duschen und ein wenig ausruhen.

   Früher Nachmittag, ein weiterer Spaziergang auf einem der Pfade der Lodge. Dieses Mal ging es zur Ara-Salzlecke. Denn nicht nur weit oben am Fluss, wo selbstverständlich eine der größten Salzlecken ist, gibt es solche Stellen. Der Weg führte zum Fluss, an dem Steilufer, einige Meter von der eigentlichen "Lecke" entfernt, gab es einen Unterstand. Sofort haben wir einen Ara in den Bäumen gefunden. Dann kam auch schon der zweite Vogel, der sich im Baum niederließ. Daraufhin flog der erste Vogel direkt in die Steilwand, krallte sich fest und begann im Ufer zu picken.
Der Schlamm am Flussufer, der ja bei Trockenheit richtig hart wird, hat eine Menge Mineralien. Da die Papageien Pflanzenfresser sind, fehlt ihnen eine Menge dieser Mineralien. Das ist der eigentliche Gund, warum sie solche Plätze aufsuchen. Die Vögel leben zumeist in größeren Gruppen und sind ihrem Partner ein Leben lang treu. Wir konnten beobachten, zuerst kommt Nr. 1 angeflogen und sondiert die Lage. Danach kommt Nr. 2 und einer von beiden geht dann direkt an die Lecke, während der andere die Umgebung beobachtet. Nur selten sind beide zugleich dabei Mineralien aufzunehmen.  
Diese schönen Tiere so hautnah beobachten zu können faszinierte uns extrem. Nach einer ganzen Weile kam noch ein zweites Pärchen dazu. Abwechselnd genossen die Vögel dann das picken am Ufer. Leider kamen nicht noch mehr Tiere dazu. Aber es war ein unglaubliches Erlebnis diese großen, schönen Vögel so zu sehen. Ivo meinte, wir hätten Glück gehabt, so viele Tiere kommen nicht immer hier hin. Die große Salzlecke, etliche Kilometer weiter den Fluss rauf, die auch im National Geographic für Aufsehen sorgte, zieht erheblich mehr Tiere an.
Am späten Nachmittag dann ging es mit einer größeren Gruppe noch einmal zum Bootsanleger. Ziel war dieses Mal der Schamane der Umgebung. Auf dem Weg dorthin sahen wir am Flussufer einen Kaiman. Der Bootsführer stoppte schnell das Boot und fuhr so nahe wie möglich an das Tier heran. Na - die Fotoapparate klickten vielleicht.
   Die Kaimane gibt es nur in Südamerika und die Tiere gehören zur Gruppe der Alligatoren, diese Gruppe wiederum gehört zur Gruppe der Krokodile. Im Regenwald zu Hause leben sie in Flüssen, Kanälen und Teichen. Je nach Art werden sie zwischen 2 bis 3,5 Meter lang und die Panzer weisen eine unterschiedliche Färbung auf. Insgesamt leben sie erheblich ruhiger als ihre Verwandten, die Krokodile und werden daher auch älter. Ernähren tun sich die Tiere von Insekten und Fischen, ist ein Säugetier aber nicht schnell genug, nehmen sie auch gerne ein solchen als Mahlzeit.
Nach diesem kleinen "Abenteuer" fuhren wir noch ein kleines Stück und kamen beim Schamanen an. Hier handelte es sich nicht um um touristischen Budenzauber, nein - dieser Schamane wird in der gesamten Gegend geachtet und ist der Bevölkerung Ratgeber und Medizinmann. Da die meisten Bewohner der Gegend sich gar keinen Arzt leisten können, geschweige denn auch noch den Weg zu einem "richtigen" Arzt, hat er hier ein richtiges kleines Krankenhaus.
  So wurden wir auch nicht von einer Gestalt in irgendeiner Fantasietracht begrüßt, sondern von einem älteren Herren in Jeans und Shirt. Als Schamanen werden Menschen bezeichnet, die die höchste aller Energieformen inkarnieren und aus höherem Wissen heraus Energien lenken und den Menschen in seiner Gesamtheit (mental und physisch) auf den Weg der Genesung bringen können. Der Schamane begibt sich mittels Energieerhöhung in die Seele des Patienten und heilt auftauchende Krankheiten mittels (festgelegtem, erlerntem) Gesang (und Zischlauten). Er nutzt hierzu das Getränk Ayahuasca, oftmals mit dem Zusatz von Chacruna. Es ist eine Mischung aus dem Saft einer im Amazonasbecken wachsenden Liane und zwei, drei Kräutern. Sowohl der Heiler als auch der Patient trinken Ayahuasca, was beide in einen erweiterten Bewusstseinszustand versetzt und das Ziel hat, Körper, Geist und Seele zu reinigen. Einige sehen während der Behandlung ihr Leben samt Zukunft wie einen Film ablaufen.
Nun bin ich mit der Pflanzenkunde nicht so wirklich vertraut, aber ich versuche einmal so ein paar Dinge wieder zu geben. So sahen wir einen kleinwüchsigen Baum mit dem Namen Chuchuhuasi. Die Rinde dieses Baumes wirkt Entzündungen entgegen und ist schmerzstillend. Der Schamane verwendet es zum Beispiel zur Behandlung von Rheuma. Canacan Morada wird genutzt, wenn die Blase entzündet ist. Außerdem soll die Pflanze bei Prostatabeschwerden für Abhilfe sorgen.
Sanipanga dagegen wird als natürliche Farbe genutzt. Ich habe behalten, die Körner der abgebildeten Pflanze geben ein tolles Orange. Während bestimmte Blätter, rubbelt man diese ordentlich zwischen den Fingern, so richtig Lila werden. Ist doch klar, fast jeder Teilnehmer hatte nach diesem Exkurs so eine Art Kriegsbemalung. Der Schamane hatte aber auch so etwas wie Henna, was schöne Tattoos gibt - die aber nach ein paar Tagen verblassen. Henna wird in Indien von den Frauen oft benutzt.
 Ein lianenartiges Gewächs mit dem Namen Unadegato gilt bei den Indios als wahres Wundermittel. Es wird zur Wundbehandlung genutzt und stimuliert das Immunsystem - je nach Anwendungsart. Neueste Untersuchungen haben die stoffwechselfördernde und antivirale Wirkung bestätigt. Man fand auch heraus, die Pflanze hat antikarzinogene Eigenschaften.
Jetzt kamen zwei Pflanzen, die besonders bei den Herren Interesse erweckte. Zum einen Sacha Bufeo - einmal damit eingerieben und die hoch Angebetet berührt, kann sie gar nicht mehr von dem Mann ablassen. Um den Drängen der Angebeteten auch immer standhaft gegenüber zu stehen gibt es dann Para Para - ein wahrliches Dschungel-Viagra.
 Sollte es einmal mit der Verdauung nicht klappen, dann hilft Cordoncillo. Diese Pflanze wird eingesetzt bei Übelkeit und Verdauungsstörungen, aber auch bei Appetitmangel. Aber auch bei Bronchitis soll die Pflanze helfen. Als Salbe zubereitet hilft sie als Hautreizmittel bei Neuralgien sowie bei Befall von Krätze. Das ätherische Öl der Pflanze wird äußerlich bei Zahn- und Rheumaschmerzen angewandt.
Uns wurden noch eine Menge mehr Pflanzen gezeigt, aber mehr habe ich leider, leider nicht behalten. Zum Abschluß durften wir natürlich noch einige "Drinks" des Schamanen probieren. Zur Auswahl stand etwas für die Manneskraft, für das Immunsystem und für die allgemeine Energie. Gerade das Getränk für die Manneskraft sorgte natürlich für diverse derbe Sprüche. Natürlich wollten die Frauen die Türen im Hotel abschließen - schade - das Hotel hat gar keine Türen. Geschmeckt hat alles irgendwie nach Jägermeister oder ähnlichen Kräutergetränken (auch da kenne ich mich nicht so gut aus - aber so richtig lecker war bis dato nichts von dem, was ich probiert habe).
  Zurück im Hotel gab es dann auch gleich das Abendessen. Wir bekamen so langsam mit, zum Mittagessen gab es traditionelle, peruanische Gerichte, zum Abendessen eher internationale Gerichte. Aber eines ist an der nicht gerade billigen Lodge wirklich ärgerlich. Alle Gerichte werden in Buffetform gereicht. Aber - der Koch der Lodge kocht gerade für die Personenanzahl, die angemeldet ist. Jeder Hausfrau ist aber bekannt, gerade beim Buffet sind die Augen bei vielen Menschen größer als der Bauch. Gerade die Hotelgäste, die sich für besonders Vornehm hielten, luden sich soviel auf die Teller, das mehr als die Hälfte dann nicht gegessen wurde. Das ging dem Koch gegen den Strich - und er bereitet nicht ein Gramm mehr zu, als die Personenanzahl gem. Lehrbuch vorschrieb. Das Lehrbuch berücksichtigt aber nicht das tatsächliche Verhalten. So haben wir an zwei Abendenden, da wir, wie Mutter es uns lehrte, eins nach dem anderen auf den Teller nehmen, nicht mehr als die Vorsuppe bekommen. Am zweiten Abend beschwerte ich mich dann, wir zahlten schließlich genauso viel. Nachdem wir dann etwas massiver wurden, erhielten wir dann einen Salatteller. Tja - so ist das mit den vornehmen Menschen. Mit dem Verständnis, sie seien in der Wildnis, benehmen sie sich dann auch gleich so (obwohl - zu Hause benehmen die sich auch nicht - die r ücksichtlosesten Menschen findet man meist hoch oben auf der so genannten sozialen Leiter - ich sage nur "Jungmanager und von Beruf Menschen mit dem Beruf - Kind" - halt alles nur verzogene Gören ohne jegliches Sozialverhalten). Auf der anderen Seite, ich erwähnte es, einer jeden Hausfrau ist das Problem bekannt - daher macht man beim Buffet einfach etwas mehr.
  Nach dem Abendessen machten wir dann noch einmal eine kleinen Spaziergang durch den jetzt stockdunklen Dschungel. Jede Menge Insekten konnten wir finden, noch mehr Spinnen, die durch die Taschenlampe angeleuchtet sogar richtig hübsch aussahen. Nur bei einer Spinne, die unscheinbar an einem Blatt zu kleben schien, da wurde sogar Ivo richtig hektisch und zischte uns nur zu: "Nicht so nahe ran, mindestens zwei Meter Abstand halten und ruhig bleiben." Es handelte sich hier laut Ivo um die giftigste Spinne die es gibt. Da er ansonsten recht kühl und immer sehr ruhig wirkte, er hier aber wirklich etwas hektisch wurde, glauben wir ihm mal. Fluoreszierende Pflanzen oder ähnliches gibt es im peruanischen Regenwald, auf alle Fälle nicht in der Gegen in der wir waren, nicht. Was uns auch in der Nacht zuvor schon aufgefallen war, gegenüber dem asiatischen Dschungel ist der peruanische eine wahre Ruhezone - sehr, sehr viel leiser.
Am nächsten Morgen konnten wir ein wenig ausschlafen - also sind wir erst um 6.00 h aufgestanden. Ja, man gewöhnt sich an den Lebenslauf sehr schnell - früh zu Bett, früh raus aus dem Bett. Nach dem Frühstück sind wir auf einem der zur Lodge gehörenden Pfade spazieren gegangen. Da der Weg durch recht schlammigen Untergrund ging, wurden Gummistiefel angeordnet. Die Lodge hat alle Größen parat - es gab keine Ausrede. Einige, kleine Stücke des Weges hatte man wirklich so belassen, wie sie in der Natur sind - bedeutet im Regenwald gleich matschig.
Ivo erklärte die ganze Zeit die Pflanzen, was er wirklich gut machte. Aber wir sahen auch eine Menge Vögel. An riesigen Bäumen ging es vorbei. Ziel war einer der ältesten und größten Bäume der Gegend. Ein wirklich imposanter Baum. Ich kann mich ärgern, schon wieder habe ich den Namen vergessen (das nächste Mal nehme ich auf Wanderungen Zettel und Stift mit und nicht nur den Fotoapparat).
Erst einmal umrundeten wir diesen Riesen von einem Baum - dann setzten wir uns. Ivo begann einige Geschichten aus dem Urwald zu erzählen. Unter anderem die von Curupira. Der Curupira tritt als als ein Junge von kleiner Statur, mit Feuerhaaren und nach hinten gedrehten Füßen auf. Mit diesem Aussehen will er die Jäger täuschen. Der Curupira sitzt sehr gerne im Schatten der Mangobäume um deren Früchte zu essen. Merkt er aber, er wird beobachtet, läuft er so schnell weg, so dass ihm keiner folgen, geschweige denn, sehen kann. Der Curupira ist der Beschützer des Tropenwaldes und dessen Bewohner. Er sorgt dafür, dass diejenigen, die den Wald nicht ehren und ihn sogar zerstören, bestraft werden. Manchmal soll er auch kleine Kinder entführen, die er dann verzaubert. Nach sieben Jahren lässt er die Kinder dann meist wieder gehen, völlig verändert. Aber auch Erwachsene sind vor seinem Zauber nicht sicher.
  Jäger, die nicht um des Überlebens willen jagen gehen, sondern nur der Abenteuerlust wegen, verzaubert er besonders gerne. Dann läuft der Jäger immer im Kreis durch den Wald und merkt es gar nicht, so kommt er nicht nach Hause zurück. Hat es ein Curupira auf einem abgesehen hilft nur ein einziger Trick. Man rührt sich nicht vom Fleck und wickelt ein Lianenseil zu einem Knäuel auf, aber ganz fest, so dass es nur schwer abzurollen ist. Dann wirft man dieses Lianenknäuel weg und ruft dabei: „Ich will sehen, dass Du das Ende des Knäuels findest“. Ein Curupina wird der Versuchung nicht widerstehen können, das Ende des Knäuels zu suchen. Hat er es dann endlich gefunden, dreht er es auf der Suche nach dem Ende des Knäuels hin und her und vergisst den Jäger. So abgelenkt, hat der Jäger Zeit zu entfliehen und kann den Weg nach Hause finden.
  Ivo meinte, solche Geschichten gebe es nur im Dschungel. Ich verwies auf die Geschichten der Brüder Grimm - die ja auch nichts anderes seien, als gesammelte Geschichten der Menschen die hier lebten. Dann verwies ich noch auf die Geschichte von der Loreley. Daraufhin musste Ivo richtig lachen und erzählte die Geschichte von Iara.
Iara hat die Macht die Männer zu verführen, genauso wie es Boto mit den Frauen macht. Die Iara ist eine wunderschöne Frau mit einem wunderschönen Gesang die in den Flüssen lebt. Mit ihrem lieblichen Gesang verführt sie die Flussschiffer und holt ihre Boote in ihren eigenen Flusshafen. Der Schiffer merkt natürlich viel zu spät was ihm geschieht und es gibt kein entrinnen.
Daher wird den Jungen erzählt, wenn sie den Gesang der Iara hören, sollen sie beten und den Ort so schnell wie möglich verlassen. Aber oft genug hören die jungen Jäger nicht auf den Rat der Älteren und laufen zum Fluss.
Es folgten noch mehr Geschichten - bis Rolf genug hatte und meinte, wir sollten wohl mal zum Mittagessen gehen. Machten wir dann auch, wobei Ivo und ich uns vor Lachen kaum einkriegen konnten. Natürlich erzählten wir unterwegs weiter. Mit einmal hielt Ivo an und zeigte auf ein Loch in der Erde. Halte die Kamera bereit, so lautete die Ansage. Er nahm einen Grashalm und fuhr mit diesem am Rande des Loches herum. Zack - eine riesige Spinne schoß heraus, eine Vogelspinne. Vor Schreck habe ich alles mögliche fotografiert, nur nicht die Spinne. Rolf nahm die Kamera und Ivo lockte die Spinne noch einmal hervor. Na ja, Rolf tat ganz cool, aber etwas verwackelt ist sein Foto auch. Jetzt ging es zurück zur Lodge - Mittagessen. Nach dem Mittagessen spazierten Rolf und ich noch einmal zur Salzlecke - aber heute hatten wir kein Glück.
  Am Nachmittag ging es dann zu einer Farm, etwas den Fluss hinunter. Recht unübersichtlich sah alles aus, Ivo erklärte, das liegt daran, dass hier nicht industriell gearbeitet wird. Der Farmer erhält, wie auch der Schamane, für jeden Besucher ein Entgelt von USD 1,00. Wir durchstreiften die ganze Farm.
Natürlich durften wir von der herrlichen Papaya probieren, auch von den Organgen. Es gab noch Bananen, Annanas und Zitronen. Natürlich auch Zuckerrohr und ich probierte gleich, diesen zu pressen - gelang auch, wir hatten aber nicht die Zeit daraus Rum zu destillieren. Dann gab es noch Limetten und eine Frucht, grün wie eine Limette, aber mit dem Aussehen einer Zitrone - hat man reingebissen, schmeckte es etwas süßlich, erfrischend fruchtig. Ivo sagte, dies sei eine Lima.
An der Hütte des Bauern bewunderte Rolf noch den Schleifstein des Bauern. Ivo fragte ihn, wo denn der Stein her komme und der Bauer erklärte, dafür sei er weit den Fluss hoch gefahren, da gäbe es ein paar geeignete Steine. Der, den wir sahen, war einmal richtig großer Felsstein, jetzt war nur noch ein wenig übrig. Aber der Bauer war schlau - daneben lag ein völlig ungebrauchter, neuer Stein.
Gleich daneben sahen wir so etwas wie Unkraut - so etwas wie wurzeln. Auf die Frage was das sei - Ingwer. Obwohl auch ich oft Ingwer zum kochen verwende (ja - frischen), habe ich die Knollen so nicht erkannt. Wir hätten nicht gedacht, dass das Gewächs eher wie Unkraut einfach auf so großer Fläche wächst. Man lernt halt nie aus.
Zurück ging es zum Hotel. Aber unten am Fluss war kein Boot. Das hatte etwas oberhalb eine andere Gruppe von Touristen beim Schamanen abgesetzt und wir mussten das Boot erst herbei rufen. Unglaublich das Echo dort unten am Fluss und Ivo war irritiert - auch eine Frau kann pfeifen.
Unsere letzte Nacht in Peru haben wir noch einmal genossen. Noch nie war uns so kalt in einem Dschungel. Ivo meinte, es wäre eine Kaltfront im Anzug - haben wir noch nie erlebt. Wir zogen über Nacht einen Pullover an. Alles in allem war die Tour im Dschungel eine schöne Tour, wobei mit einem richtigen Dschungelaufenthalt, so wie wir ihn schon erlebt haben, hatte das ganze nichts zu tun. Wir sahen eine Menge Tiere und Pflanzen - die sogenannten Wanderungen waren aber eher Spaziergänge, die Wege sehr gut vorbereitet und nicht mehr zu 100 % natürlich. So kann auch der etwas ängstliche oder der nicht mehr so bewegliche Tourist ein Dschungelerlebnis haben, was zweifelsohne eine schöne Sache ist, vor allem wenn die Natur dabei geschont wird (wo ich ja immer noch meine Zweifel habe). Die ganzen Neureichen liefen dort dann auch gleich herum wie Humboldt's Erben und taten so, als entdeckten sie Peru. Na ja - auch ganz lustig diese Menschen so zu sehen. Wir nennen das ganze unseren Disneyland-Dschungel-Aufenthalt.
Am nächsten Morgen ging es dann wieder Richtung Flughafen. Erst per Boot, dann mit dem Bus. Das Flugzeug nach Lima machte in Cusco eine Zwischenstation. Der Flughafen von Lima war eigentlich recht angenehm - gegen Abend ging dann der Flug Richtung Amsterdam. Alles in allem, ein gelungener, aufregender Urlaub. Auch wenn wir hier nicht weit von den Touristenpfaden abgewichen sind, es war ein Erlebnis und uns ist bewusst, Peru hat noch viel, viel mehr zu bieten. Schauen wir mal, was das Leben noch so mit sich bringt.

Discover the Earth - 2011